Die Regierung von ÖVP, SPÖ und NEOS will ab dem nächsten Jahr das Impfen in Apotheken möglich machen.
Das hat Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) im Rahmen eines gemeinsamen Medientermins mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) angekündigt. Damit werde man einen großen Wunsch der Bevölkerung in die Umsetzung bringen, so Babler. Noch heuer soll ein Angebot für alle, sich niederschwellig in Apotheken impfen zu lassen, beschlossen werden.
NEOS-Chefin Meinl-Reisinger sprach von einem "Meilenstein" für den Gesundheitsbereich, für den man lange gekämpft habe. Angesichts der Wissenschaftsfeindlichkeit sei es "wichtig, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das auch angenommen wird", meinte sie. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) werde beauftragt, ein Modell auszuarbeiten. "Wir werden in den nächsten Wochen mit Gesprächen mit den Systempartnern beginnen", hieß es auf Anfrage aus dem Gesundheitsministerium. Um die Impfquote zu erhöhen, sei ein niederschwelliger Zugang neben Information und Bewusstseinsbildung essenziell.
Ablehnung kam prompt von der Ärztekammer. Impfen sei aus gutem Grund eine ärztliche Leistung, erklärte Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart in einer Aussendung. "Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden", so Steinhart in Richtung der Apothekerinnen und Apotheker. Die beste medizinische Beratung und Versorgung könnten nur Ärztinnen und Ärzte leisten. "Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab", so Steinhart. Einmal mehr wurde zudem die Abgabe von Medikamenten in Ordinationen gefordert.
Erfreut zeigte sich dagegen naturgemäß die Apothekerkammer über die Umsetzung ihrer langjährigen Forderung. Die Apothekerschaft stehe für die Umsetzung bereit, rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker hätten bereits die erforderliche Impfausbildung auf höchstem internationalem Niveau erfolgreich absolviert. Auch der ÖVP-nahe Seniorenbund sprach von einem "überfälligen" Schritt hin zu einer modernen, niederschwelligen Gesundheitsversorgung.
Die Grünen begrüßten den "wichtigen und längst überfälligen Schritt" und verwiesen auf ihren seit einem Jahr vorliegenden beschlussfertigen Gesetzesentwurf dazu. Die Umsetzung des Grünen Herzensprojekts sei in der letzten Legislaturperiode an der ÖVP gescheitert. "Politische Mühlen mahlen manchmal sehr langsam, umso größer ist die Freude, dass unsere Forderung nun endlich umgesetzt wird", so Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner in einer Aussendung.