Die Koalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS steht seit dem Herbst ohne Mehrheit im APA-Wahltrend da.
Die drei Koalitionsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS haben im ersten Jahr ihrer Regierungsbeteiligung deutlich an Zustimmung eingebüßt. Seit Herbst konnte die Koalition nach dem APA-Wahltrend in Umfragen keine Mehrheit mehr erreichen. Das größte Minus verbuchte seit der Angelobung vor bald einem Jahr die SPÖ, im Vergleich zur Nationalratswahl im Herbst 2024 verlor aber die Kanzlerpartei ÖVP am meisten Unterstützung. Zugewinne erzielten nur die Oppositionsparteien FPÖ und Grüne.
47,1 statt 51,5 Prozent
Zum Amtsantritt der Dreierkoalition, der sich am kommenden Dienstag zum ersten Mal jährt, erzielten ÖVP, SPÖ und NEOS vergangenes Jahr gemeinsam noch eine knappe Mehrheit von 51,5 Prozent. Wenige Wochen später verzeichnete die Koalition Ende März mit 53,9 Prozent laut APA-Wahltrend, der Umfragen der letzten fünf Wochen berücksichtigt und nach Aktualität gewichtet, ihr bisheriges Umfragehoch. Die kumulierten 56,5 Prozent der im September 2024 erreichten die drei Regierungsparteien seit ihrem Amtsantritt nie.
Schon ein halbes Jahr nach der Angelobung verloren die drei Regierungsparteien in Umfragen die mehrheitliche Zustimmung. Seit Anfang September 2025 liegt der Wert im APA-Wahltrend konstant unter der 50-Prozent-Marke. Nach den aktuellen Erhebungen würden knapp ein Jahr nach Amtsantritt nur noch 47,1 Prozent der Stimmen an die Koalitionsparteien gehen. Den Tiefststand verzeichneten ÖVP, SPÖ und NEOS kurz vor Weihnachten mit 45,9 Prozent. Somit bewegten sich die Umfragewerte der Regierung im ersten Jahr der schwarz-rot-pinken Zusammenarbeit innerhalb einer Spanne von acht Prozentpunkten.
Minus für Koalitionsparteien
Mit sinkender Popularität kämpfen seit der Nationalratswahl alle drei Koalitionsparteien. Die ÖVP verlor zwischen Urnengang (26,3 Prozent) und Angelobung (19,2 Prozent) in Umfragen mehr als ein Viertel ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer und rutschte zwischenzeitlich auf den dritten Platz hinter FPÖ und SPÖ zurück. Mittlerweile hat sich die ÖVP etwas erholt und liegt mit 21,2 Prozent wieder vor den Sozialdemokraten. Allerdings verzeichnet die Volkspartei unter Parteichef und Bundeskanzler Christian Stocker damit unter allen Parlamentsparteien im Vergleich zum Wahlergebnis weiterhin das größte Minus von rund fünf Prozentpunkten.
Auch die SPÖ, deren Parteivorsitzender Andreas Babler das Amt des Vizekanzlers innehat, unterschreitet derzeit mit 18 Prozent ihr Wahlergebnis von 21,1 Prozent klar um 3,1 Prozentpunkte. Im Vergleich zum Amtsantritt vor einem Jahr - als die SPÖ die Nase noch vor der Kanzlerpartei hatte und Unterstützung von 21,5 Prozent der Befragten erfuhr - verbuchen die Sozialdemokraten unter den Koalitionären den größten Rückgang von 3,5 Prozentpunkten.
Die NEOS büßten als kleinste Koalitionspartei ebenfalls Unterstützung ein. Unter der Parteichefin und nunmehrigen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger fuhr man mit 9,1 Prozent der Stimmen 2024 noch ihr bestes Wahlergebnis bei einer Nationalratswahl ein und landete auf dem vierten Platz. Die erstmalige pinke Regierungsbeteiligung auf Bundesebene steigerte im März 2025 die Zustimmung auf 10,8 Prozent. Seit Sommer zeichnet sich jedoch ein negativer Trend ab, sodass die NEOS derzeit mit 7,9 Prozent auf ihren niedrigsten Umfragewert seit 2020 kommen.
35,9 Prozent für FPÖ
Von den Verlusten der Regierungsparteien profitierten die beiden Oppositionsparteien FPÖ und Grüne. Die Wahlgewinnerin FPÖ mit Parteichef Herbert Kickl liegt seit der Nationalratswahl konstant über ihrem Rekordwahlergebnis von 28,9 Prozent. Im aktuellen APA-Wahltrend unterstützen gar 35,9 Prozent die Freiheitlichen, was einer Steigerung von rund einem Viertel entspricht. Der blaue Spitzenwert lag zu Beginn der schlussendlich gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP Mitte Jänner 2025 bei 37,8 Prozent. Vergangenen Dezember erfuhr die FPÖ mit 37,7 Prozent alleine mehr Zustimmung als ÖVP und SPÖ zusammen, die gemeinsam auf 36,6 Prozent kamen. Mittlerweile hat sich dieses Verhältnis mit 39,2 Prozent zugunsten der beiden Koalitionspartner wieder gedreht.
Etwas zulegen konnte seit der Wahl die kleinste der fünf Parlamentsparteien. Landeten die Grünen bei der Wahl 2024 noch mit 8,2 Prozent auf dem fünften Platz, überholten sie über den Sommer unter der frisch gekürten Bundessprecherin Leonore Gewessler die NEOS und kommen derzeit in den Umfragen auf 9,4 Prozent. Die KPÖ näherte sich unterdessen in den Umfragen der für den Einzug in den Nationalrat notwendigen Vier-Prozent-Marke an. Mit 3,8 Prozent übertreffen die Kommunisten derzeit ihr Wahlergebnis um 1,4 Prozentpunkte.
Blick zurück
Dass sich eine Regierungsbeteiligung zu Krisenzeiten ungünstig auf Umfragewerte der Regierungsparteien auswirken kann, ist kein neues Phänomen. Die ÖVP-Grün geführte Vorgängerregierung verlor etwa ihre bei der Nationalratswahl 2019 gewonnene Mehrheit von 51,4 Prozent im ersten Corona-Winter Anfang Februar 2021 - rund ein Jahr nach ihrem Amtsantritt im Jänner 2020.
Über ein halbes Jahr später folgte rund um den Rücktritt des damaligen türkisen Kanzlers Sebastian Kurz im Oktober 2021 der Absturz auf 39 Prozent. Ein Wert, den die Koalitionsparteien in den verbleibenden drei Jahren in der Regierung noch deutlich unterschreiten sollten. Wenige Monate vor der Nationalratswahl war man Mitte Mai 2024 in den Umfragen mit 28,6 Prozent am Tiefpunkt angelangt.