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Tiroler Wirtschaftsbund: Thaler kandidiert - Hörl nicht

8-01-2024, 11:59

Barbara Thaler will Chefin des Tiroler Wirtschaftsbunds werden und hat laut eigenen Angaben die Unterstützung vom aktuellen Obmann Franz Hörl.

In Tirols ÖVP-Wirtschaftsbund dauert der Machtkampf an, seit Montag gibt es eine Wendung: Tirols neue Wirtschaftskammerpräsidentin Barbara Thaler kündigte vor Journalisten an, bei der Hauptversammlung am 9. Februar für die Obmannschaft zu kandidieren. Der derzeitige Obmann, Nationalratsabgeordneter Franz Hörl, verzichtet für Thaler auf eine erneute Kandidatur. Eine Kampfabstimmung dürfte fix sein, will doch auch Wirtschaftslandesrat Mario Gerber (ÖVP) für den Posten antreten.

Thaler will Duell nicht als "Kampfabstimmung" sehen

"Er unterstützt mich", meinte die EU-Abgeordnete Thaler in Bezug auf Hörl, der sich heuer erneut um ein Nationalratsmandat bewerben will. Mit Gerber habe es zuletzt "vertrauliche, gute Gespräche" gegeben, an denen auch Landeshauptmann und ÖVP-Chef Anton Mattle teilnahm. Dabei sei es aber zu keiner Kompromissfindung gekommen. "Mein Angebot steht aber nach wie vor, dass Mario Gerber auf meiner Liste kandidiert", betonte Thaler. Sie biete es ihm an. Näheres wollte Thaler zu den Gesprächen im Vorfeld nicht sagen, auch nicht wie sich Mattle dabei positionierte. Sie habe aber logischerweise auch um die Unterstützung des Landeschefs, selbst Wirtschaftsbündler, geworben. Als "Kampfabstimmung " wollte Thaler das Duell übrigens nicht sehen, es handle sich um einen demokratischen, legitimen Prozess. Man könne durchaus auch von "Vielfalt" sprechen. Gerber war für die APA vorerst nicht erreichbar.

"Ich bin ein Teil des Wirtschaftsbundes. Der Wirtschaftsbund ist ein Teil von mir", fand die 41-jährige Thaler pathetische Worte und nahm Bezug auf ihre bereits 16 Jahre andauernde Mitgliedschaft. Sie kenne die unterschiedlichen Herausforderungen der Betriebe und habe selbst lange Jahre große und kleine Firmen mit ihrem Unternehmen im Digitalisierungsbereich beraten. Man müsse den "Fokus auf den gesamten Standort richten, nicht nur auf eine Branche." Als Anspielung auf den aus dem Tourismus kommenden Gerber wollte die ÖVP-Politikerin dies allerdings dezidiert nicht verstanden wissen. Jedenfalls wolle sie auch über die Landesgrenzen hinausdenken und die europäische Perspektive im Auge behalten.

Als Vorteil gegenüber ihrem wahrscheinlichen Konkurrenten nannte die Unterländerin die künftige "Personalunion" aus Kammerpräsidentin und Wirtschaftsbundchefin, sollte sie gewinnen. Dadurch könne man "forscher und direkter" Forderungen stellen und habe mehr Freiheiten als ein Regierungsmitglied. Eine solche Personalunion hatte es übrigens vor Hörls Ära gegeben. Dessen Vorgänger Jürgen Bodenseer, den der Zillertaler 2016 in einer Kampfabstimmung aus dem Amt kegelte, war sowohl Kammerpräsident als auch Wirtschaftsbundobmann.

Thaler lobt Hörl

Für Unterstützer Hörl hatte Thaler nur Lob parat. "Der Franz" habe "das Herz am rechten Fleck." Sie wolle nach dessen "erfolgreichen Jahren" den Bund weiter stärken und den "Weg von Franz Hörl nachfolgen - natürlich mit meiner eigenen Handschrift". Es gehe darum, dafür zu sorgen, dass der Wirtschaftsbund der "schlagkräftigste Bund in der Tiroler Volkspartei bleibt."

Auf die Frage, ob die Achse mit Hörl quasi auf einem politischen Tauschgeschäft basiere und sie, Thaler, den Seilbahnen-Chef im Gegenzug in puncto seiner Nationalratswahlkandidatur unterstütze, wollte Thaler nicht näher eingehen. Die Nominierungen für die Wahllisten würden die verschiedensten Gremien der Partei vornehmen. "Ich bin heute nicht in der Lage, dazu irgendwas zu sagen. Es steht mir auch nicht zu", ließ sie wissen. Die Bünde würden natürlich eine Vorentscheidung dahingehend treffen, aber: "Es ist heute zu früh, dass ich mich dazu äußere."

Gerbers Kandidaturankündigung war im September heftig aufgeschlagen und hatte den wortgewaltigen Seilbahnen-Obmann und Zillertaler Hotelier Hörl massiv empört. Gegenüber der APA sprach er etwa davon, "überfallen" worden zu sein. Der Wirtschaftslandesrat sah dies anders und sprach von einem notwendigen "Generationenwechsel", den Hörl selber lange in Aussicht gestellt habe.

Thaler wurde Walser-Nachfolgerin

Thaler war erst im November Christoph Walser als Wirtschaftskammpräsidentin nachgefolgt. Walser hatte den Posten wegen finanzstrafrechtlicher Ermittlungsverfahren gegen ihn geräumt. Bis zur will sie weiter im EU-Parlament verbleiben.

(APA/Red)

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