In Österreich ist der Winter angekommen. Insbesondere an der Nordseite der Alpen und am östlichen Rand der Alpen herrschen jetzt winterliche Straßenbedingungen.
Ergiebiger Schneefall hat am Samstag in weiten Teilen Österreichs zu umfangreichen Verkehrsbehinderungen geführt. Tiefwinterliche Fahrverhältnissen sorgten nicht nur ganz im Westen - Vorarlberg und Tirol - sondern auch in Ober- und Niederösterreich zu Problemen. In Tirol kam es außerdem zu Ausfällen im Bahnverkehr und bei der Stromversorgung. In einem Nachtlokal in der Vorarlberger Stadt Dornbirn saßen nach einem Erdrutsch für fünf Stunden 91 Personen fest.
Der ÖAMTC berichtete vor allem an der Alpennordseite und am Alpenostrand von tiefwinterlichen Fahrbahnverhältnissen. Zahlreiche Hauptverbindungen waren am Samstagmorgen nur schwer passierbar, es kam immer wieder zu Staus und Unfällen. Auch Autobahnen waren betroffen, Fahrzeuge blieben hängen, was wiederum die Straßenräumungsarbeiten erschwerte. So war beispielsweise am Samstagvormittag die Westautobahn (A1) bei Salzburg Nord wegen Lkw-Bergungsarbeiten nicht befahrbar. Wenig besser stellte sich die Situation auf der Tauern-Autobahn (A10) dar, kurzfristig musste in Fahrtrichtung Süden der Katschbergtunnel gesperrt werden. In Tirol war die Brenner Straße (B182) bei Gries aufgrund hängen gebliebener Fahrzeuge gesperrt und auch auf der A13, der Brenner Autobahn, gab es Behinderungen durch Schneefall. Aufgrund der Schneelast wurden auch immer wieder Bäume geknickt - die Feuerwehren und Räumungsdienste arbeiteten mit Hochdruck.
Heftiger Wintereinbruch und Schneechaos führen zu massiven Verkehrsbeeinträchtigungen und Staus
Der Wintereinbruch hat auch in Oberösterreich die Einsatzkräfte stark beschäftigt. Das Landesfeuerwehrkommando absolvierte allein seit Mitternacht 659 Einsätze, von insgesamt rund 900 Wehren im Land ob der Enns waren bis zum Vormittag 364 Stützpunkte im Einsatz, hieß es am Samstag in einer ersten Bilanz. Die meisten Einsätze betrafen hängen gebliebene Fahrzeuge sowie massiver Schneedruck, der Stromleitungen kappte. Etwa 26.000 Haushalte waren laut Netz OÖ gegen 10.00 Uhr ohne Strom.
Schneechaos in Österreich
© APA/EXPA/ STEFANIE OBERHAUSER/APA/STADT DORNBIRN/APA/BFK AMSTETTEN
"Bitte bleiben Sie zuhause, vermeiden Sie unnötige Fahrten mit dem Auto"
"Bitte bleiben Sie zuhause, vermeiden Sie unnötige Fahrten mit dem Auto", appellierte Hannes Niedermayr vom Landesfeuerwehrkommando (LFK) Oberösterreich im APA-Gespräch. Vom Zentralraum bis Innviertel seien die Einsatzkräfte schon "ziemlich gestresst". Durch Schneelast umgestürzte Bäume blockierten Straßen landesweit und rissen Stromleitungen ab, in allen Bezirken müssen Fahrzeuge geborgen werden. Allein durch die landesweiten Stromausfälle werden die Kräfte gebunden. Seitens des LFK gibt es nämlich die Order, die Stützpunkte "in machbarer Stärke" bei Blackouts zu besetzten, damit die Bevölkerung dort Hilfe suchen kann. Besonders im Bezirk Braunau bezeichnete der Offizier vom Dienst die Lage als "intensiv" von den Einsätzen her. "Und wir haben erst Vormittag", betonte Niedermayr.
Lawinenwarnstufe auf "erheblich" gestiegen
Durch Neuschnee und sogenannten Triebschnee stieg die Lawinenwarnstufe auf "erheblich" (Stufe 3). Trotz der winterlichen Fahrverhältnisse erwischte die Polizei in der Nacht auf Samstag bei Schwerpunktkontrollen insgesamt 45 Alkolenker und sechs Fahrer unter Rauschgifteinfluss, wie diese in einer Presseaussendung mitteilte.
Einer der durch Schneeglätte bedingten Unfälle ließ auch bei einem 32-jährigen Alkolenker in Braunau die Sicherungen durchbrennen. Ein Gleichaltriger im Auto hinter ihm kam an einer Ampel wegen Sommerreifen ins Rutschen und touchierte das Auto leicht. Der Alkoholisierte stieg aus, schnappte sich den Einheimischen und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.
50 Zentimeter Neuschnee vielerorts in Westösterreich
In Westösterreich war über Nacht im Gebirge vielerorts 50 Zentimeter Neuschnee oder mehr gefallen, weshalb aufgrund der Verhältnisse die zweithöchste Lawinenwarnstufe (groß, Stufe 4) ausgerufen wurde. Diese bezog sich auf Lagen oberhalb der Waldgrenze bzw. 2.000 Meter Seehöhe. Spontane Lawinenauslösungen waren jederzeit möglich und und konnten exponierte Bereiche gefährden. Als problematisch wurde von den Lawinenwarndiensten der Bundesländer die oft nur schwache Bindung zwischen Neu- und Altschnee beschrieben. Wintersportler wurden zu äußerster Vorsicht aufgerufen.
Aufgrund des starken Schneefalls ereignete sich in Dornbirn-Gütle gegen 4.00 Uhr ein Erdrutsch, der Teile der Ebniterstraße sowie den Parkplatz des Nachtklubs "Conrad Sohm" verlegte. Damit war ein Verlassen des Areals für die 91 Lokalgäste vorerst nicht möglich. Gegen 9.30 Uhr war die Evakuierung des Gebäudes aber schließlich möglich, informierte die Stadt Dornbirn. Weitere Hangrutschungen seien möglich, der Nachtklub muss deshalb vorerst gesperrt bleiben.
Brennerautobahn abschnittweise gesperrt
In Tirol musste die Brennerautobahn (A22) aufgrund hängen gebliebener Fahrzeuge abschnittweise gesperrt werden, am Samstagvormittag war sie aber wieder befahrbar. Laut Asfinag waren am Brenner 21 Räumfahrzeuge im Einsatz. Wegen eines Stromausfalls infolge eines Kabelbrands war auch der Roppener Tunnel auf der Inntalautobahn (A12) vorübergehend nicht passierbar. Gegen 10.00 Uhr wurde er wieder für den Verkehr frei gegeben. Probleme mit dem Strom gab es aber nicht nur im Tunnel, sondern auch in Haushalten in 19 Gemeinden. Laut ORF Radio Tirol war auch Sölden im Ötztal betroffen.
Schienenverkehr der ÖBB in Tirol teilweise unterbrochen
Im Schienenverkehr gab es nach Angaben der ÖBB Unterbrechungen zwischen Imst und Schönwies im Bezirk Landeck sowie zwischen Innsbruck und Scharnitz. Gesperrt war auch die Bahnlinie zwischen St. Margrethen im Schweizer Kanton St. Gallen und der deutschen Grenzstadt Lindau (Bayern), die durch Vorarlberg führt. Der Grund dafür war eine Oberleitungsstörung in Lindau.
Der ÖAMTC appellierte an Verkehrsteilnehmende, sich vor Fahrtantritt über die aktuelle Straßen- und Wettersituation zu informieren bei Fahrten in höhere Lagen unbedingt Schneeketten mitzunehmen. Von nicht unbedingt notwendigen Fahrten derzeit abzusehen.
Heftige Schneefälle führten zu rund 170 Fahrzeugbergungen in Niederösterreich
Der heftige Schneefall hat am Freitag und in der Nacht auf Samstag in Niederösterreich dafür gesorgt, dass die Feuerwehren in den vergangenen 24 Stunden zu rund 170 Fahrzeugbergungen ausrücken mussten. Auf der B36 im Bezirk Melk etwa war ein Tanklaster umgekippt, teilte Feuerwehrsprecher Klaus Stebal mit. Rund 70 Einsätze wurden aufgrund umgestürzter Bäume und Stauden verzeichnet.
30 Einsätze im Bezirk Amstetten für die Feuerwehr durch winterliche Bedingungen
Im Bezirk Amstetten führten die winterlichen Bedingungen zu knapp 30 Einsätzen, berichtete das Bezirksfeuerwehrkommando. Die Wehren wurden vor allem zu Fahrzeugbergungen und Sturmeinsätzen, etwa weil Bäume die Straße blockierten, gerufen.
Zugverkehr wegen Wintereinbruch beeinträchtigt
Wegen des Wintereinbruchs ist der Zugverkehr in Süddeutschland stark beeinträchtigt. Es komme zu Verspätungen und Ausfällen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn Samstagfrüh. Der Hauptbahnhof in München könne nicht angefahren werden. Unter anderem im Großraum von Bayerns Landeshauptstadt sei der Fernverkehr aktuell eingestellt. Die Verbindungen nach Salzburg, Innsbruck, Nürnberg, Stuttgart und Lindau fielen aus. Den ganzen Samstag sei mit Einschränkungen zu rechnen.
Starke Schneefälle beeinflussen Flugverkehr am Münchner Flughafen
Der Flugbetrieb am Münchner Flughafen wurde wegen starker Schneefälle voraussichtlich bis 12.00 Uhr eingestellt. Wie ein Sprecher mitteilte, ist der Winterdienst im Einsatz, um wieder ein sicheres Starten und Landen zu ermöglichen. Bisher seien für den heutigen Tag rund 320 von 760 geplanten Flügen annulliert worden. Passagieren wird empfohlen, sich vor ihrer Anreise zum Flughafen über den Status ihres Fluges zu informieren.
Laut Polizei sollte "dringend auf unnötige Fahrten verzichtet werden"
Die Polizei in München riet von Autofahrten ab. Es sollte "dringend auf unnötige Fahrten verzichtet werden", sagte ein Sprecher am Samstagmorgen. Autos sollten mit Winterreifen ausgestattet sein und die Fahrer auf angepasste Geschwindigkeit achten. Angesichts des starken Schneefalls sei die Lage im Verkehr "äußerst herausfordernd", Räumdienste seien im Einsatz. Zudem sollten Fußgänger auf herabfallende Gegenstände wie zum Beispiel Zweige oder Schnee von Hausdächern achten.
Schnee und Eis sorgen für Verkehrschaos
In weiten Teilen Bayerns sorgten Schnee und Eis für Verkehrschaos. Der Flugbetrieb am Flughafen München sowie der Zugverkehr von und zum Hauptbahnhof in der bayerischen Landeshauptstadt wurden vorübergehend eingestellt. Auch die S-Bahn sowie einige Regionalbahnen fuhren nicht mehr. In Augsburg wurde der öffentliche Personennahverkehr eingestellt. Auf Bayerns Straßen gab es zahlreiche Unfälle.
Am Freitag waren bereits am Flughafen München mehr als 150 Starts und Landungen witterungsbedingt abgesagt worden. Gründe dafür seien Schneefall und niedrige Temperaturen am Flughafen gewesen, sagte ein Sprecher.
"Wir empfehlen, Reisen von und nach München zu verschieben"
"Wir empfehlen, Reisen von und nach München zu verschieben", sagte die Bahnsprecherin. Auch in anderen Teilen von Süddeutschland könne es zu witterungsbedingten Zugausfällen und Verspätungen kommen, hieß es weiter. Alle Fahrgäste, die ihre in Süddeutschland geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs verschieben wollten, könnten ihr Ticket zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. Die Zugbindung sei aufgehoben. Die Bahn bat, sich vor Reiseantritt auf der Website bahn.de oder bei der telefonischen Reiseauskunft zu informieren.
In Ulm und in München mussten Fahrgäste in Zügen übernachten. U-Bahnen, Busse und Straßenbahnen fuhren in München zunächst auch nicht mehr. Auf den Straßen im südlichen Bayern gab es zahlreiche Unfälle - bei den meisten blieb es laut Polizei bei Sachschäden. Die Polizei von Oberbayern Süd forderte die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben. Die Einsatzkräfte seien im Dauereinsatz.
Unfall auf schneeglatter Straße in Baden-Württemberg
Bei einem Unfall auf schneeglatter Straße in Baden-Württemberg starb allerdings ein 54 Jahre alter Autofahrer. Nach Polizeiangaben geriet der Mann ins Schleudern und kam nach einer 180-Grad-Drehung in Emmingen-Liptingen auf die Gegenfahrbahn. Dort stieß er am Freitagabend mit einem Kleintransporter zusammen. Der Autofahrer erlitt durch den Aufprall schwere Verletzungen und starb noch an der Unfallstelle. Der Kleintransporter kam von der Straße ab und landete in einem Graben. Der 67 Jahre alte Fahrer des Transporters blieb unverletzt.
Zwischen München-Pasing und Fürstenfeldbruck, zwischen Tutzing (Landkreis Starnberg) und Weilheim in Oberbayern sowie zwischen Neukirchen und Vilseck (beides Landkreis Amberg-Sulzbach) mussten Züge wegen umgestürzter Bäume an den Bahnhöfen stehen bleiben. Schienenersatzverkehr könne aufgrund der witterungsbedingten Lage auf den Straßen nicht angeboten werden, hieß es weiter. Es müsse mit Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden.
Zug in Deutschland musste in Übernachtungs-Zug umfunktioniert werden
Wie ein dpa-Reporter berichtete, musste in der Früh ein Zug, aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart kommend, am Ulmer Hauptbahnhof zum Übernachtungs-Zug umfunktioniert werden. Auch am Münchner Hauptbahnhof stellte die Deutsche Bahn einen Zug für gestrandete Fahrgäste bereit. Wie viele Züge ihre Fahrten vorerst abbrechen mussten, war laut einer Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) zunächst unklar.
Starke Schneefälle haben auch Auswirkungen auf die Bahn in der Schweiz
Die starken Schneefälle haben auch die Bahn in der Schweiz aus dem Takt gebracht: Mehrere Strecken der Räthischen Bahn (RhB) im Kanton Graubünden sind unterbrochen oder nur beschränkt befahrbar. Ein Ersatzbeförderung war laut RhB nur sehr eingeschränkt möglich. Unterbrochen war die Arosalinie von Chur nach Arosa. Die Linie sei ohne Strom, und eine Ersatzbeförderung sei nicht möglich. Die Dauer der Unterbrechung sei unbestimmt.
Weitere Einschränkungen und Ausfälle bestanden u. a. im Oberengadin. Dort verkehrten laut RhB einzig Züge zwischen St. Moritz und Samedan. Unterbrochen sei zudem die Strecke von Davos nach Filisur. Eine Ersatzbeförderung sei nicht möglich.