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Handels-KV: Dritte Verhandlungsrunde unterbrochen

16-11-2023, 15:43

Die dritte Verhandlungsrunde über einen Kollektivvertrag für die über 430.000 Handelsangestellte und Lehrlinge ist am Donnerstag-Nachmittag unterbrochen worden.

Die Verhandlungen über einen neuen Gehaltsabschluss für mehr als 430.000 Handelsangestellte wurden nach nur vier Stunden abgebrochen und auf den 28. November vertagt.

Handels-KV-Verhandlungen: Arbeitgeber kritisieren Forderungen von Gewerkschaft

Laut dem Arbeitgeber-Vertreter Rainer Trefelik war die Gewerkschaft nicht bereit, ernsthaft über das Angebot zu diskutieren. Stattdessen erhöhte sie sogar ihre Forderung. Dies wurde nach dem Treffen in einer Aussendung bekannt gegeben. "Stattdessen hat sie (die Gewerkschaft, Anm.) uns mit einer Gegenforderung konfrontiert, die in der wichtigsten Gehaltsgruppe einer Steigerung um bis zu 11,55 Prozent entspricht. (...) Auf dieser Basis können keine Verhandlungen in einem konstruktiven, sozialpartnerschaftlichen Stil stattfinden", soTrefelik am Donnerstag.

Wirtschaftskammer-Angebot: Fünf Prozent mehr Lohn im Handel plus Einmalzahlung

Die Wirtschaftskammer hat in der dritten Verhandlungsrunde ihr Angebot vorgelegt. Dieses Angebot sieht ab 2024 eine Erhöhung von 5 Prozent unabhängig von der Gehaltsstufe vor. Zusätzlich dazu wird eine Einmalzahlung von 800 Euro angeboten. Die Einmalzahlung wird als "Teuerungsprämie" bezeichnet und ist abgabenfrei. Dies bedeutet, dass die Beschäftigten ein höheres Nettoeinkommen erhalten würden. Die Gewerkschaft hingegen fordert eine Gehaltserhöhung von 11 Prozent und hat im Vorfeld Einmalzahlungen abgelehnt. Händler haben berechnet, dass das Angebot bei einem Einstiegsgehalt einer Erhöhung von 11,13 Prozent entspricht. In höheren Gehaltskategorien (2.500 bis 3.000 Euro Bruttogehalt pro Monat) würde die Erhöhung ab nächstem Jahr 8,79 Prozent bzw. 8,16 Prozent betragen.

Momentum-Institut: Inflation stieg in letzten Jahren stärker als Gehälter

Laut dem Ökonomen Jakob Sturn vom Momentum Institut sind die Preise seit 2016 im Durchschnitt um 30,7 Prozent gestiegen, während die Löhne nur um 24,7 Prozent angestiegen sind. Im Handel betrug der Anstieg sogar nur 22,6 Prozent. Um zu verhindern, dass das verfügbare Einkommen der Beschäftigten aufgrund der gestiegenen Preise schrumpft, empfiehlt das Momentum Institut, die Löhne zumindest entsprechend der rollierenden Inflation anzupassen. Das gewerkschaftsnahe Institut betont, dass Abschlüsse über der Teuerungsrate erforderlich sind, um die Kaufkraft zu steigern.

Handels-KV-Verhandlungen: Handelsverband-Geschäftsführer fürchtet Folgen von Streik im Handel

"Mehr ist nicht drinnen. (...) Wir hoffen, dass auch die Gewerkschaft die akute Gefahr für die Beschäftigung im Handel erkennt und verantwortungsvoll handelt", so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will zum Angebot der Arbeitgeber. Zusätzliche Maßnahmen zur Bekämpfung hätten eine negative Auswirkung für alle Beteiligten, da sie zu Umsatzeinbußen im Weihnachtsgeschäft führen würden und zwangsläufig zu negativen Auswirkungen auf Arbeitsplätze führen würden. Laut Will befinden sich viele Handelsunternehmen bereits aufgrund hoher Kosten an der Kante. Der Handelsverband, ein privater Interessenverband mit rund 4.000 Mitgliedern aus dem Handel, ist jedoch nicht an den Verhandlungen beteiligt.

(APA/Red)

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