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Handelsexperte rechnet mit Signa-Insolvenz

9-11-2023, 16:26

Laut dem deutschen Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein ist es wahrscheinlich, dass die Firmengruppe Signa von René Benko insolvent wird.

Heinemann zufolge deuten alle Anzeichen darauf hin, "dass es nicht nur Zahlungsschwierigkeiten gibt, sondern das Unternehmen kurz vor einer Insolvenz unter Umständen steht", so der Handelsexperte am Donnerstag im Ö1-"Mittagsjournal". Der Sanierer Arndt Geiwitz plant, bis Ende November seine Vorstellungen für die Restrukturierung zu präsentieren.

Handelsexperte: Signa-Sanierer muss Banken beruhigen

Der deutsche Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Geiwitz, der einst Insolvenzverwalter der deutschen Drogeriekette Schlecker war und Benko bei der Sanierung der Galeria-Kaufhäuser beriet, hat jetzt alle Hände voll zu tun. Laut Heinemann wird Geiwitz zunächst Transparenz schaffen und die Banken beruhigen müssen. Ob ihm das gelingen werde, sei jedoch fraglich, so Heinemann. In den nächsten Wochen stünden etliche Refinanzierungen an, und die Banken seien von der deutschen Bankenaufsicht angewiesen worden, "genauer hinzuschauen, was offensichtlich in der Vergangenheit nicht der Fall war. Und da wage ich zu bezweifeln, dass die Banken einfach nur durch ein Schönreden sich hinhalten lassen", sagte Heinemann.

Der Experte gibt an, dass bei dem Firmengeflecht von rund 1.000 Unternehmen vieles unklar sei. Es gibt Geschäfte zwischen diesen Unternehmen, bei denen die gegenseitigen Haftungen nicht geklärt sind. Es ist auch noch unklar, um welche Summen es genau geht. Die kolportierten 200 bis 400 Mio. Euro sollen laut Heinemann "angeblich der Betrag sein, der noch im November fällig ist", bis Jahresende sollen es "bis 1 Milliarde und mehr" sein.

Signa-Immobilien hohes Risiko für Banken

Da Benko kein offizielles Amt innehat, ist auch unklar, wovon er sich jetzt eigentlich zurückzieht. "Die Stimmrechte seiner Anteile - über 50 Prozent - sind wohl noch nicht übertragen. Er besitzt ja indirekt über seine Stiftung die Mehrheit, und da ist noch nichts übertragen worden, was man hört. Gerede ist das eine und Fakten und Tatsachen das andere." Wenn Benko "jemanden aus dem Hut zaubern könnte", etwas aus dem Nahen Osten oder einen russischen Oligarchen, "dann hätte er das schon geschafft, das sieht nicht so aus", meinte Heinemann. Bei den Immobilien besteht ein hoher Abwertungsbedarf mit einem enormen Risiko für die Banken. Daher könnte Geiwitz möglicherweise einen außergerichtlichen Vergleich schaffen, quasi ein außergerichtliches Insolvenzverfahren. "Allerdings in der Aufruhr und Intransparenz, die vorliegt, glaube ich eher an ein echtes Insolvenzverfahren, zumal ja schon seit einigen Wochen keine Zahlungen mehr erfolgen, die erfolgen müssten."

(APA/Red)

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