Beim Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) bleiben die seit einigen Wochen vakanten Posten weiter unbesetzt.
Die Regierung blieb die Nachbesetzungen beim heutigen Ministerrat erneut schuldig, damit besteht der OeNB-Generalrat statt aus zehn weiterhin nur aus fünf Personen und hat derzeit kein Präsidium. Die nächste Sitzung des Gremiums, die für den 2. Oktober anberaumt ist, findet aber dennoch statt, teilte die Nationalbank auf APA-Anfrage mit.
Brigitte Unger übernimmt den Vorsitz im OeNB-Generalrat
Das sei laut den Vertretungsregeln des Nationalbankgesetzes möglich. Sofern kein weiteres Mitglied des Generalrates überraschend ausfällt, sei das Gremium auch beschlussfähig, so eine OeNB-Sprecherin. Da derzeit kein Präsidium bestellt ist, übernehme Brigitte Unger als eine der drei dienstältesten Mitglieder als Vertreterin des Präsidenten den Vorsitz im Generalrat.
Neben
Unger sitzen noch Erwin Hameseder (Obmann der Raiffeisen-Holding
Niederösterreich-Wien), Christian Helmenstein (Chefökonom der
Industriellenvereinigung), Sigrid Stagl (Ökonomin für Sozialökonomie an
der WU) und Susanne Riess-Hahn (Generaldirektorin Bausparkasse
Wüstenrot) als verbleibende Mitglieder in dem Gremium.
Im Laufe des Jahres waren mehrere Positionen im
Generalrat ausgelaufen. Anfang März waren die Mandate Bettina
Glatz-Kremsner und Peter Sidlo noch mit Christian Helmenstein und Sigrid
Stagl nachbesetzt worden. Danach gab es allerdings keine
Nachbesetzungen mehr, obwohl die Mandate von Franz Maurer, Christoph
Traunig, Stephan Koren sowie die des bisherigen Generalrats-Präsidenten
Harald Mahrer und von Vizepräsidentin Barbara Kolm endeten. Ende August
hieß es noch aus dem Finanzministerium, die Neubesetzungen würden bis
zur nächsten Sitzung im Oktober erfolgen.
Offene Posten bleiben weiter unbesetzt
Der
Grund für die fehlenden Nachbesetzungen liegt laut mehreren
Medienberichten in der Uneinigkeit in der türkis-grünen Regierung über
mögliche Kandidaten für die Positionen. Diese Problematik beschränkt
sich derzeit nicht nur auf die OeNB. Auch in anderen Institutionen wie
der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und dem Bundesverwaltungsgericht
(BVwG) liegen Postenbesetzungen auf Eis, weil sich die Koalitionspartner
nicht einigen können.
Der Generalrat der Nationalbank ist das
oberste Aufsichtsorgan der Nationalbank, also eine Art Aufsichtsrat, und
hat vor allem die Aufgabe, das Direktorium, dem die operative Führung
obliegt, zu beraten. Zudem schlägt der Generalrat der Regierung im Falle einer Neubesetzung im Direktorium die Mitglieder vor.
Im Normalfall besteht das Gremium aus dem Präsidenten oder einer Präsidentin, einem Vizepräsidenten oder einer Vizepräsidentin und acht weiteren Mitgliedern. Der Präsident ist zudem Vorsitzender der Generalversammlung, die jedes Jahr in den ersten sechs Monaten stattfindet und unter anderem den Jahresabschluss genehmigt. Die Ernennung der Mitglieder erfolgt über die Bundesregierung für die Dauer von 5 Jahren. Eine Wiedernennung ist möglich.