Die Ärztekammer hat im Zuge der Diskussion um lange Wartezeiten für Corona-Impfungen darauf verwiesen, dass die Lieferdauer nach Bestellung des an die XBB.1.5-Variante angepassten Impfstoffs mindestens fünf Tage betrage.
Dass aus Haltbarkeitsgründen zudem rasch die ganze Ampulle verimpft werden müsse, sei ebenfalls zu berücksichtigen, hieß es in einer Aussendung am Mittwoch. Ärztekammer-Vizepräsident Edgar Wutscher betonte, die Wartezeiten seien "logisch nachvollziehbar".
"Nachdem wir Ärztinnen und Ärzte keinen Verwurf des um österreichisches Steuergeld angeschafften Impfstoffes produzieren wollen, müssen die Patiententermine so eingeteilt werden, dass die Phiolen auch aufgebraucht werden", rechtfertigte Wutscher die Zeiten. "Das sei auch der Grund, weswegen Impfärzte einzelne Tage zum Impfen anbieten würden."
Eine Umfrage unter den Ärzten habe zudem ergeben, dass es Schwierigkeiten bei der Bestellung gebe, aber auch die Nachfrage nach
einer Corona-Impfung gering sei, hieß es. "Viele Ärztinnen und Ärzte
telefonieren sogar ihre Risikopatienten durch und weisen auf die Impfung
hin", betont Wutscher. Wenn aber der Impfstoff in einzelnen Fällen
nicht einmal bestellbar sei, helfe auch der größte Einsatz nicht, so der
Tenor.
Das Gesundheitsministerium betonte noch am Dienstag gegenüber der APA, dass die Bestellungen des angepassten Impfstoffes nach
einem sehr ruhigen Sommer "rasch angestiegen" seien. Bis Dienstag um
14.00 Uhr wurden laut Ministerium 178.104 Impfdosen bestellt und 3.578
Lieferungen von 2.033 verschiedenen Ordinationen/Impfstellen in Auftrag
gegeben. Die Ärztinnen und Ärzte seien zudem bereits am 11. September
über die Bestellmöglichkeit informiert worden.
Das Ministerium
hielt in Bezug auf die Vorlaufzeiten bei Impfungen am Vortag fest, dass
die Zeit von Bestellung bis zur Anlieferung an die Wunschadresse zwei
Werktage benötigen würde. Eine Erklärung für die unterschiedlichen
Angaben bei der Lieferdauer lag am Mittwoch noch nicht vor. APA-Anfragen
an das Ministerium und die Kammer waren am Vormittag noch offen.
Dass Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) nun laut über Impfen in Apotheken nachdenke sei verwunderlich, sagte Ärztekammer-Präsident Johannes Steinhart mit Verweis auf entsprechende Aussagen von Impfexpertin Ursula Wiedermann-Schmidt, die auch im Nationalen Impfgremium sitzt. Wiedermann-Schmidt sagte am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal, sie halte speziell bei Risikopatientinnen und Risikopatienten das Arztgespräch für entscheidend. "Im internationalen Vergleich verfügt Österreich über einen sehr gut ausgebauten niedergelassenen Bereich, durch den es keinesfalls an Impfangeboten mangelt. Die Sicherheit der Patienten durch das Auslagern des Impfens in Apotheken zu gefährden ist daher absolut unnötig", konterte Steinhart dem Gesundheitsministerium.