Bisher zierten Olivenbäume lediglich als Topfpflanze so manche Terrasse hierzulande. Durch den Klimawandel könnte der Anbau von Olivenbäumen in Österreich durchaus ein Standbein der heimischen Landwirtschaft werden.
Der Wiener befasst sich seit einigen Jahren wissenschaftlich damit, ob Olivenanbau bei uns ertragreich betrieben werden kann. Fazit: Ja, es geht. In Kooperation mit der Firma Pannonia Palmen von Markus Fink will man der Olive Boden und den Bauern eine neue Perspektive verschaffen.
Klimawandel könnte Olivenanbau in Österreich möglich machen
Vor einigen Jahren stellte sich der Wiener Verein "AgroRebels" die Frage, ob man die Olive in Österreich kultivieren könnte. Ein wurde eingereicht und bewilligt. Ziel war, "eine Art Proof of Concept, ob die Olive in Österreich so kultivierbar ist, dass sie auch tatsächlich trägt", schildert Fink, ob sie so viel Ertrag bringen könne, dass sich die Investition für den Bauern lohne.
Olive mehr als nur Zierpflanze in Österreich
"Womit ich zu der Zeit Erfahrung
hatte, war die Olive als Zierpflanze", sagt er, auch beschäftigte er
sich damals bereits mit der Kultivierung von Palmen im Osten
Österreichs. In seinem ursprünglichen Brotberuf als technischer Physiker
war er auf Projekte gestoßen, die zum Ziel hatten, Gemüse auf der ISS
zu kultivieren. Sein Interesse war also geweckt und allmählich wurden
die Pflanzen von einem Hobby zum zweiten Standbein und schließlich immer
mehr zum Hauptberuf.
Vielversprechende Olivenbaum-Sorten herausspezifiziert
"Wir haben dann einige Sorten
herausspezifizieren können, die sehr, sehr vielversprechend waren. In
sechs verschiedenen Bundesländern Österreichs haben wir es probiert. Der
einzige Totalausfall war damals in Kärnten, weil dort ein sehr
schneereicher Winter war, alle anderen Lagen sind gegangen."
Mittlerweile stehe fest: "Im kompletten Osten Österreichs kann man
sagen, wenn man eine gute Hanglage hat und den Boden bearbeitet, kennen
wir Sorten, die funktionieren." Ein dem Klimawandel geschuldetes Konzept
war geboren - nicht umsonst steht auf der Website der AgroRebels zu
lesen: "powered by climate change".
Interesse an Olivenanbau in NÖ, Wien, Burgenland und Steiermark
Man wagte sich an die
Öffentlichkeit und ging auf die Bauern zu. Das Ganze erfolgt in
Kooperation zwischen dem Verein und Finks Firma. Die AgroRebels beraten
die Bauern. Ein allfälliger Kauf von Bäumen erfolgt dann über Finks
Pannonia Palmen. Interesse zeigen vor allem Landwirte im Osten
Niederösterreichs, rund um Wien,
im Burgenland und in der Südsteiermark. Derzeit habe man rund 30
Partner-Landwirte, die die Olive meist auf bisherigen Brachflächen
anbauen, pro Jahr werden rund zehn dazugewonnen. Die meisten Bäume
stehen derzeit im Marchfeld. Einige kleinere Bauern würden es aus
Interesse und aus Überzeugung machen, "sie fangen mit plus minus 50
Bäumen an", es gebe aber auch größere. "Die, die wirklich Geld verdienen
wollen und Flächen und Mittel haben, beginnen mit 300 bis 500 Bäumen
und stocken auf." Nach sieben bis neun Jahren würden die Bäume tragen,
teils auch früher.
Markt für Olivenöl und Oliven aus Österreich
Für Olivenöl oder eingelegte Oliven aus
Österreich werde es definitiv einen Markt geben, erwartet Fink. "Aber es
wird sicher nicht das billigste Öl sein", es sei ein Nischenprodukt,
das mit dem Label "aus Österreich und bio und kurze Transportwege"
überzeugen müsse und werde. Ob es Überlegungen zu weiteren alternativen
Produkten gebe? Feige sei mittlerweile recht beliebt, auch beim
Granatapfel sieht er Potenzial.
"Das Alte funktioniert nicht mehr und etwas Neues gibt es noch nicht"
"Das Alte funktioniert nicht mehr
und etwas Neues gibt es noch nicht" - das Zitat eines Bauern aus dem
zunehmend mit Trockenheit kämpfenden Osten Österreichs ist Markus Fink
lange im Hinterkopf geblieben, wie er erzählt. Am Donnerstagabend wird
er im Rahmen der "Österreichischen Konsumdialoge: Lebensmittel" in Steyr
u.a. mit Klimaaktivistin Lena Schilling und Martin Bäck von der
Landwirtschaftskammer Oberösterreich über die Zukunft der Ernährung
diskutieren und darüber, ob es vielleicht doch schon etwas Neues gibt.