Im Vergleich zu den Parlamenten in anderen EU-Ländern gibt es im österreichischen Nationalrat vergleichsweise wenig Parteienvielfalt.
Während hierzulande fünf Fraktionen (ÖVP, SPÖ, FPÖ, Grüne, NEOS) in der ersten Kammer sitzen, sind es im EU-Durchschnitt mit acht Parteien deutlich mehr, zeigt eine Kurzstudie des Instituts für Parlamentarismus und Demokratiefragen, für das die nationalen Parlamente (erste bzw. einzige Kammer) der 27 EU-Mitgliedsstaaten verglichen wurden.
Weniger Parteien als im österreichischen Parlament gibt es nur in Malta mit zwei. Kroatien und die Slowakei kommen wie Österreich auf fünf Fraktionen, sechs sind es in Bulgarien, Estland, Litauen, Portugal, Rumänien und Slowenien. Am anderen Ende der Skala finden sich Dänemark und die Niederlanden (jeweils 16 Fraktionen), Belgien und Ungarn (11) sowie Frankreich, Irland und Polen (10). Dass eine Partei mehr als 50 Prozent der Mandate ergattert, ist in den EU-Mitgliedsstaaten höchst selten. Aktuell ist das nur in Ungarn, Malta, Griechenland und Portugal der Fall.
Über alle nationalen Parlamente der EU-Staaten hinweg
gibt es 6.321 Abgeordnete, pro Staat sind es zwischen 736 im Deutschen
Bundestag und 56 im zypriotischen Parlament. Der österreichische
Nationalrat liegt mit 183 Abgeordneten an 14. Stelle der EU-27 und
deutlich unter dem EU-Schnitt von 234.
Gleichzeitig gibt es in
Österreich auf die Einwohnerzahl gerechnet vergleichsweise viele
Mandatare: Kommt hierzulande einen Mandatar auf 49.180 Einwohnerinnen
und Einwohner (Rang 10), vertritt im Schnitt der EU-27 ein Mandatar
immerhin 70.669 Einwohner. An der Spitze der Skala landet dabei Italien
mit 147.500 Einwohnern pro Mandatar, allerdings gibt es dort mit dem
Senat eine starke Zweite Kammer. Ähnlich hohe Werte weist die Studie
auch für Spanien, Frankreich, die Niederlande und Deutschland aus.
Besonders niedrig sind diese hingegen in den kleinen Staaten Malta
(6.329), Luxemburg (10.000) und Estland (12.871).
Weit verbreitet
ist in den EU-Ländern das Zwei-Kammern-System, wie es auch Österreich
mit Nationalrat und Bundesrat kennt. Zwar verfügen 15 der 27 EU-Staaten
über nur eine Kammer, insgesamt gesehen leben der Studie zufolge aber
knapp 83 Prozent der EU-Bevölkerung in Staaten mit einem
Zweikammersystem. In den vier föderalistischen Staaten der EU - neben
Österreich sind das Belgien, Deutschland und Spanien - gibt es jeweils
neben der ersten Kammer noch eine Länderkammer. Auch alle großen Staaten
wie Frankreich, Italien und Polen haben zwei Kammern.