Plus 9,6 Prozent, oder doch ein bisschen mehr? Darum geht es ab Montag, wenn die Vertreter der Gewerkschaften GPA und PRO-GE ihre Lohnforderungen an die Arbeitgeber der Metalltechnischen Industrie übergeben.
Einen Abschluss unter der durchschnittlichen Inflation der vergangenen zwölf Monate - eben diesen 9,6 Prozent - haben die Gewerkschaften ausgeschlossen. Aber es gibt auch Verhandlungsmasse abseits des Lohnanstiegs, wie etwa bei Urlaub und Arbeitszeit.
Arbeitgeber zeichnen düsteres Bild der Wirtschaft
Die Arbeitgeber zeichnen im Vorfeld ein düsteres Bild der Wirtschaft, eine Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich oder ein früheres Erreichen der sechsten Urlaubswoche haben sie bisher abgelehnt. Und im Übrigen habe es von der Regierung zur Abmilderung der hohen Inflation auch Teuerungsausgleiche gegeben, die müssten mit berücksichtigt werden.
Sicher nicht, lautet die Antwort von GPA
und PRO-GE. Hier gehe es um eine nachhaltige Lohn- und Gehaltserhöhung,
das habe mit Regierungsmaßnahmen nichts zu tun. Einmalzahlungen, wie sie
die Arbeitgeber schmackhaft machen wollen, lehnen die Gewerkschaften
ebenfalls ab, denn dies sei auch nur ein Einmaleffekt und fehle dann
bei den nächstjährigen Verhandlungen. Es gebe auch keine
Lohn-Preis-Spirale, sondern die Regierung habe zu wenig gegen die
Teuerung getan, nun könne man die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
nicht im Regen stehen lassen, so die Arbeitnehmervertreter.
Katzian: "Wir ändern die Spielregeln nicht, wir verhandeln nicht für die Zukunft."
ÖGB-Präsident
Wolfgang Katzian hatte kürzlich gemeint: "Wir ändern die Spielregeln
nicht, wir verhandeln nicht für die Zukunft." Schließlich hätten die
Sozialpartner in der Metallbranche im vergangenen Jahr auch mit der
rollierenden - also zwölfmonatigen - Inflation als
Basis abgeschlossen, obwohl bei der Einigung im Herbst 2022 schon die
Teuerung anzog. Damals habe die Arbeitgeberseite argumentiert, dass
dieser Anstieg ohnehin heuer abgegolten werde - und das müsse nun auch
gelten, so Katzian.
Zuletzt hatten sich die Lohn- und
Gehaltsabschlüsse um die zehn Prozent plus - wohlgemerkt brutto -
bewegt. Ein Ausreißer waren die Paketzusteller, sie erhalten ab 2024 im
Schnitt um 16 Prozent mehr
aufs Konto. PRO-GE-Chef Reinhold Binder stellte jedenfalls klar, dass
die Forderung für den Kollektivvertrag (KV) sicher zweistellig und
Arbeitszeitverkürzung ein Thema sein werden. Die von den Arbeitgebern
angedachten Einmalzahlungen seien bestenfalls "Schnittlauch am
Butterbrot".
Verhandlungen im Metaller-KV starten
Die Metalltechnische Industrie habe die vergangenen
zwei Jahre Rekordeinnahmen lukriert, der Export würde nach wie vor
hervorragend laufen, nun seien die Arbeitnehmer am Zug, so Binder. Er
führt heuer zum ersten Mal die mehr als
130.000 Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie in die
Herbstlohnrunde. Insgesamt beschäftigt die Metallindustrie gut 200.000
Mitarbeiter, auf Wunsch der Arbeitgeber verhandeln aber die anderen
Branchenbereiche in eigenen Runden. Allerdings waren die Abschlüsse in
der Vergangenheit gleich hoch. Der Mindestlohn in der Metallindustrie
liegt derzeit bei 2.236 Euro brutto.
Sein Gegenüber Christian
Knill, Industrieller aus der Steiermark und Obmann des Fachverbandes der
Metalltechnischen Industrie (FMTI), wiederum hatte bereits betont: "Wir
können nur verteilen, was wir erwirtschaften". Und er stellte klar:
"Unsere Aufgabe ist nicht, die Kaufkraft in Österreich zu
gewährleisten."
Bittschi sprach von "Dilemma"
Wifo-Lohnexperte Benjamin Bittschi sprach vor
kurzem von einem "Dilemma". So seien die hohen Lohnforderungen aufgrund
der stark gestiegenen Inflation ebenso gerechtfertigt wie die
Darstellung der Arbeitgeberseite über die schlechte Wirtschaftslage in
der Branche.
Was im Herbst die Metaller sind, sind im Frühjahr die
Beschäftigten der Elektroindustrie, die die erste große Lohnrunde des
jeweiligen Jahres einleiten. Die Branche schloss heuer mit einem Plus
von 9,9 Prozent ab.
Im Vorjahr einigten sich die Sozialpartner der
Metalltechnischen Industrie im Schnitt auf eine Erhöhung der Ist-Löhne
um 7,44 Prozent, wobei sich der Anstieg aus einem Plus von 5,4 Prozent
und einer monatlichen Zahlung von 75 Euro zusammensetzte. Die
rollierende Inflation lag damals bei 6,4 Prozent, die Gewerkschaften
waren mit einer Forderung von plus 10,6 Prozent in die Verhandlungen
gestartet. Interessant ist auch ein Blick auf die Pensionen: Diese
steigen im kommenden Jahr um 9,7 Prozent, gleiches gilt auch für die die
Sozial- und Familienleistungen (Familienbeihilfe, Kinderbetreuungs- und
Krankengeld, Studienbeihilfe, etc.).
Können sich Arbeitgeber und
Arbeitnehmer nicht einigen, läuft der KV des Vorjahres weiter. Da dies
für die Beschäftigten einen Reallohnverlust bedeuten würde, wird aber im
Regelfall schon während der Verhandlungen mit Betriebsversammlungen und
Warnstreiks der Druck durch die Arbeitnehmerseite erhöht.
Die Streikstatistik in der Metallindustrie weist zwei größere Arbeitsniederlegungen in der jüngeren Vergangenheit aus: 2011 kam es zu Streiks in rund 200 Betrieben mit 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie 2018 in über 240 Betrieben mit mehr als 70.000 Beschäftigten. Aktuell gibt es einen Arbeitskonflikt beim Tiefkühlkosthersteller Ardo in Niederösterreich.