Die Regierung hat am Mittwoch einen Misstrauensantrag der SPÖ im Nationalrat locker überstanden.
Weder Koalition noch NEOS unterstützten Mittwochnachmittag das Ansinnen der Sozialdemokraten, die nur die FPÖ überzeugen konnten. Begründet worden war der Antrag von SP-Mandatar Kai Jan Krainer mit einem "totalen Versagen" in der Teuerungskrise. Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) hielt seinerseits fest, dass "toxische Schlechtrednerei" des Landes den Menschen nicht helfe.
SPÖ-Misstrauensantrag gegen Regierung nur von FPÖ unterstützt
Aufgeteilt worden war die
Diskussion gleich auf zwei Debatten, jene in der wieder einmal
innenpolitisch eingefärbten "Aktuellen Europastunde" sowie auf die zum
Bundesrechnungsabschluss. Die Argumente glichen sich dabei.
SP-Mandatar Jörg Leichtfried warf der Regierung vor, Politik "für die Großen" zu machen, während jene, die im Winter nicht heizen können, darunter litten. Krainer nannte es "unverzeihlich", dass die Regierung nicht in die Preise eingegriffen habe. SP-Klubvize Julia Herr entrüstete sich, die Regierung agiere wie ein Bademeister, der den Ertrinkenden zusehe.
Kanzler Nehammer verwies auf Anti-Teuerungs-Maßnahmen
Nehammer
antwortete der SPÖ, dass man drei große Pakete geschnürt habe, um die
Menschen durch die Krise zu bringen. Das Ergebnis sei, dass es so viele
Beschäftigte wie noch nie gebe. Zudem sei die Tendenz bei der Inflation
fallend, was so gut wie alle SP-Redner mit Verweis auf die im August
gestiegene Teuerung zurückwiesen. Betont wurde von Nehammer ebenso wie
vom Grünen Budgetsprecher Jakob Schwarz, dass man sehr wohl in die
Preise eingegriffen habe - nämlich mit Strompreisdeckel und
Übergewinnsteuer.
Grünen-Sozialsprecher Markus Koza breitete ebenso wie Schwarz eine Analyse des parlamentarischen Budgetdiensts aus, um Erfolge der Regierungspolitik zu illustrieren. 70 Prozent der Unterstützungsmaßnahmen seien dauerhaft wirksam gewesen und die finanziell am schwächsten da stehenden 20 Prozent hätten am stärksten profitiert: "Ganz daneben waren wir offenbar nicht." Schwarz warf der SPÖ dann auch vor, nachweislich die Unwahrheit zu sagen.
Erneuter Ruf nach Neuwahlen
Die
Opposition auch abseits der SPÖ mochte das nicht zu überzeugen, im
Gegenteil. Die freiheitliche Mandatarin Petra Steger wies zwar auch auf
Gebühren-Erhöhungen im rot-regierten Wien,
machte aber vor allem "die neutralitätswidrige Beteiligung" am
"Wirtschaftskrieg" gegen Russland für die hohen Preise verantwortlich
sowie die "Verteufelung von Öl und Gas". Ex-Finanzstaatssekretär Hubert
Fuchs (FPÖ) prangerte an, dass die Corona-Politik ein großes Loch ins
Budget gerissen habe. Je schneller es zu Neuwahlen käme, umso besser
wäre das für das Land.
NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker wiederum
sah die Teuerung durch ungezielte Hilfen der Regierung angeheizt und
meinte in Richtung der nach mehr rufenden SPÖ: "Es wäre noch schlimmer,
wenn Sie regieren." Die Regierung sei am Ende, aber leider sei eine
mögliche alternative Regierungspartei auch fertig mit allem.