Kommende Woche trifft sich wieder die internationale Politprominenz bei der UNO-Generaldebatte in New York.
Ab Dienstag tagt die 78. Generaldebatte der Vereinten Nationen. Rund 150 Staats- und Regierungschefs werden im UN Head Quarter erwartet, darunter Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). Der besondere Fokus liegt laut UNO heuer auf der Umsetzung der "Agenda 2030", um Frieden, Wohlstand, Fortschritt und Nachhaltigkeit für alle zu erreichen.
Österreichs Politprominenz bei UNO-Generaldebatte in New York
Das offizielle Motto lautet daher: "Vertrauen wiederherstellen und globale Solidarität neu beleben." Bereits am Montag beginnt in New York ein UN-Nachhaltigkeitsgipfel, bei dem die Staats- und Regierungschefs eine Halbzeitbilanz der 2015 beschlossenen Agenda 2030 ziehen wollen. Van der Bellen wird bei dem Treffen eine Stellungnahme abgeben.
Agenda mit 17 globalen Zielen
Die
Agenda hat 17 globale Ziele für eine sozial, wirtschaftlich und
ökologisch nachhaltige Entwicklung gesetzt, die bis 2030 erreicht werden
sollen. Doch bei der Umsetzung hapert es. Die UNO warnte kürzlich, die
Ziele seien "in Gefahr". Der Kampf gegen die Erderwärmung ist nicht nur
Thema bei dem Nachhaltigkeitstreffen, sondern auch bei einem Klimagipfel
am Mittwoch, zu dem UN-Generalsekretär António Guterres geladen hat.
190 Staaten nehmen an Diplomatieevent in New York teil
Der
Portugiese richtete im Vorfeld der Generaldebatte mahnende Worte an die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Summa summarum werden 190 Staaten bei
dem Diplomatieevent in New York vertreten sein. "Wir werden in einer
Zeit zusammenkommen, an der die Menschheit vor riesigen
Herausforderungen steht", sagte Guterres. "Von dem sich verschlimmernden
Klimanotstand über eskalierende Konflikte, die weltweite
Lebenshaltungskosten-Krise und rasch wachsende Ungleichheiten bis hin zu
dramatischen technologischen Umbrüchen."
Climate Ambition Summit am Mittwoch
Durch den "Climate
Ambition Summit" am Mittwoch soll "das Handeln von Regierungen,
Unternehmen, Finanzinstituten, lokalen Behörden und der
Zivilgesellschaft beschleunigt werden". Die jüngste wissenschaftliche
Bewertung der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für
Klimaänderungen (IPCC) habe erneut die Dringlichkeit des Handelns
unterstrichen, hieß es im Vorfeld. "Die durch die Klimakrise
verursachten Schäden sind bereits beträchtlich, und die weltweiten
Treibhausgasemissionen befinden sich nach wie vor auf Rekordniveau."
Gipfeltreffen sei "ein entscheidender Meilenstein"
Das
Gipfeltreffen sei daher "ein entscheidender politischer Meilenstein, um
zu zeigen, dass der kollektive globale Wille besteht, das Tempo und den
Umfang eines Übergangs zu einer gerechteren, auf erneuerbaren Energien
basierenden und klimaresistenten Weltwirtschaft zu beschleunigen."
Hauptthema der UNO-Generaldebatte ist russischer Angriffskrieg
Ein
Hauptthema wird auch heuer der russische Angriffskrieg auf die Ukraine
sein. Dazu wird es am Mittwoch ein hochrangiges Treffen des
UNO-Sicherheitsrats geben. Die Debatte werde die internationalen
Positionen zum Konflikt widerspiegeln, hieß es im Vorfeld. Auch die
Frage der Deblockierung der "UN Black Sea Grain Initiative" zur
Ermöglichung der Getreideexporte durch das Schwarze Meer könnte
thematisiert werden. In dessen Umfeld wird auch der ukrainische
Präsident Wolodymyr Selenskyj in New York erwartet. Ein Treffen mit
Guterres sei bereits fix vereinbart, wurde aus Diplomatenkreisen
mitgeteilt.
Selenskyj soll eine Rede vor UN-Vollversammlung halten
Selenskyj soll auch eine Rede vor der
UN-Vollversammlung halten, die er wohl dafür nutzen wird, die
internationale Staatengemeinschaft zu weiterer Hilfe für sein Land
aufzurufen. Denn angesichts von Schwierigkeiten bei der Gegenoffensive
gegen Russland muss der Präsident darum bangen, wie lange ihn westliche
Staaten noch mit umfangreiche Waffenlieferungen unterstützen werden.
Viele Länder des globalen Südens kämpfen mit Kriegs-Auswirkungen
Viele
Länder des globalen Südens, die durch die Auswirkungen des Krieges in
Mitleidenschaft gezogen wurden, drängen zudem auf eine Kompromisslösung -
ganz abgesehen davon, dass sie nicht Russland gegen sich aufbringen
wollen. Selenskyj, der bei der UN-Generaldebatte im vergangenen Jahr
noch eine Videoansprache gehalten hatte, müsse deswegen bei seinen
Auftritten "vorsichtig" vorgehen, warnte Richard Gowan von der
Denkfabrik "International Crisis Group" nach Angaben der
Nachrichtenagentur AFP.
Viele Staatschefs des globalen Südens
hätten klar gemacht, dass für sie jetzt die "Zeit der Diplomatie"
gekommen sei. Darauf müsse Selenskyj Rücksicht nehmen, sagt Gowan. "Wenn
er zu harte Linien fährt, könnte aus dieser Chance für ihn ein bisschen
eine diplomatische Krise werden."
Generell wachsende Unzufriedenheit im globalen Süden
UNO-Diplomaten zufolge wird
sich aber ganz generell die wachsende Unzufriedenheit des "globalen
Südens" mit dem aktuellen internationalen System bemerkbar machen, das
als Ursache für bleibende Ungleichheit, Armut und Elend verstanden und
dessen radikale Reform verlangt wird.
Schallenberg sieht bezüglich Haltung zu Afrika Handlungsbedarf
Bezüglich der Haltung zu
Afrika sieht auch Außenminister Schallenberg Handlungsbedarf. "Wir sind
in einem Kampf der Angebote mit China, in einem Kampf der Narrative mit
Russland. Und da müssen wir sehr viel besser werden im Outreach, beim
Versuch, Gespräche zu führen." Schallenberg wird am Montag beim Treffen
der EU-Außenminister dabei sein und in New York zahlreiche Gespräche mit
Amtskollegen aus dem afrikanischen Raum und Nahost führen. Am
Donnerstag ist eine Rede vor der UNO-Generalversammlung geplant.
Van der Bellen und Schallenberg wollen mit Guterres konferieren
Gemeinsam
mit Bundespräsident Van der Bellen wird Schallenberg am Dienstag mit
Guterres konferieren. Für den Bundespräsidenten sind außerdem Gespräche
mit Inger Anderson, der Direktorin des UN Environment Programme, und mit
Sultan Al Jaber, Präsident der COP28, vorgesehen. Dieses Treffen wird
Van der Bellen mit seiner slowenischen Amtskollegin Nataša Pirc Musar
wahrnehmen.
Van der Bellen zeigt sich enttäuscht über letzte UN-Klimakonferenz
"Es ist kein Geheimnis, dass ich sehr enttäuscht war
von den Ergebnissen der letzten UN-Klimakonferenz in Sharm El-Sheikh",
betonte Van der Bellen vor seinem New-York-Aufenthalt. "Umso wichtiger
ist es, dass die internationale Staatengemeinschaft bei der COP 28 in
Dubai im November gemeinsam mutige Schritte zum Ausstieg aus fossilen
Energien und für die Unterstützung des globalen Südens setzt."
Meisten der 193 UNO-Mitgliedsstaaten sind vertreten
Zwar
sind die meisten der 193 UNO-Mitgliedsstaaten hochrangig vertreten,
doch bleiben manche der besonders einflussreiche Staats- und
Regierungschefs bleiben der UNO-Woche in diesem Jahr fern: Von den fünf
ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates - China, Frankreich,
Großbritannien, Russland und die USA - ist US-Präsident Joe Biden der
einzige Staatenlenker, der in New York erscheint. Russland
beispielsweise wird durch Außenminister Sergej Lawrow vertreten.
"Kommt nicht auf die Anwesenheit von diesem oder jenem Präsidenten an"
Generalsekretär
Guterres will dies AFP zufolge aber nicht als Zeichen werten, dass die
diesjährige UNO-Woche weniger Gewicht hat. "Es kommt nicht auf die
Anwesenheit von diesem oder jenem Präsidenten an. Es kommt auf das
Engagement der jeweiligen Regierung an." Das diplomatische
Spitzentreffen sei schließlich "kein Jahrmarkt der Eitelkeiten".