Am Landesgericht in Ried im Innkreis ist eine 32-Jährige am Freitag nach einer Messerattacke auf ihren Ehemann wegen Mordversuchs zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
Die Staatsanwältin legt der 32-jährigen Frau zur Last, im Sommer 2022 ihrem 40-jährigen Ehemann, mit dem sie vier gemeinsame Kinder hat, im Schlaf mit einem Stanleymesser oder einer Rasierklinge den Hals aufgeritzt zu haben. Die Tatwaffe steht bis heute nicht eindeutig fest. Dem Opfer soll sie zuvor Medikamente, die sie wegen einer depressiven Phase eingenommen habe, in das Gulasch gemischt haben. Daraufhin wurde der Mann müde, legte sich nieder und wurde attackiert. Er überlebte dank einer Notoperation.
Die
Frau, die zuerst von Notwehr gesprochen und später ihre 13-jährige
Tochter der Tat bezichtigt hatte, war deswegen im Frühling bereits
einmal vor Gericht gestanden. Nur zwei der acht Geschworenen hielten sie
damals für schuldig im Sinne der Anklage, was die Berufsrichter als
"Irrtum" werteten. Sie setzten den Wahrspruch aus. Daher musste der Fall
neu verhandelt werden. Auch diesmal blieb die Frau dabei: Sie habe die
Tat nicht begangen, die Tochter sei es gewesen. Diese leugnete das in
ihrer Einvernahme und schilderte einen schwierigen Alltag mit der
Mutter.
Die psychische Gutachterin Adelheid Kastner attestierte der Angeklagten eine "emotional instabile" und eine "histrionische Störung". Letzteres bedeute, sie wolle immer im Mittelpunkt des Interesses stehen. Als Beispiel nannte sie, dass die Frau - offensichtlich fälschlicherweise - behauptet hatte, an einer Reihe schwerer Krankheiten zu leiden. Aber trotz eines "flexiblen Umgangs mit der Wahrheit" wisse sie, "was richtig und was falsch ist." Die Angeklagte werde "über kurz oder lang mit jedem, mit dem sie zusammenlebt, in Konflikte geraten", prognostizierte die Gutachterin.
Die Geschworenen glaubten die Version der Angeklagten offenbar nicht. Sie entschieden mit acht zu null für Mordversuch. Mildernd wurde die Unbescholtenheit gewertet und, dass es beim Versuch geblieben ist. Erschwerend war die Wehrlosigkeit des Opfers und das Naheverhältnis zu diesem. Die Staatsanwaltschaft hat Rechtsmittel wegen der Strafhöhe angekündigt, die Verteidigung volle Berufung.