Die Regierung braucht für einen Teil ihres Pakets zur Eindämmung der Mieten eine Verfassungsmehrheit, von der FPÖ hat sie bereits eine Abfuhr bekommen. Die SPÖ pocht weiter auf einen Mietstopp.
Donnerstagmittag findet nun eine Verhandlungsrunde mit der SPÖ statt, doch auch diese findet den Vorschlag der Regierungsfraktionen laut Bautensprecherin Ruth Becher "vollkommen ungeeignet". Sie fordert weiter ein Einfrieren sämtlicher Mieten bis 2025, klare Mietobergrenzen und einen neuen Index für die Mietpreisentwicklung.
"Der von der Regierung vorgelegte Entwurf senkt keine Miete, sondern garantiert den Vermietern weiterhin hohe Gewinne auf Kosten der Mieterinnen und Mieter", kritisierte Becher in einem Schreiben, das im Vorfeld der Verhandlungsrunde an die Bautensprecher der anderen Fraktionen im Nationalrat gegangen ist. Die von der Regierung vorgesehene Begrenzung der Mietsteigerungen auf jährlich fünf Prozent in den kommenden drei Jahren bringe nichts, schließlich werde die Inflation den Prognosen zufolge darunter liegen. Dazu komme, dass die 500.000 Wohnungen im freien, nicht preisregulierten Mietsektor in der Regelung nicht einmal berücksichtigt sind.
Dabei seien viele
Menschen wegen der anhaltend hohen Inflation in einer prekären
finanziellen Situation, das "Nicht-Handeln der Regierung" verschärfe die
Lage weiter, so Becher. Als Gegenmittel setzt die SPÖ weiter auf einen
sofortigen Stopp sämtlicher Mieterhöhungen bis 2025, auch für
Geschäftsmieten. Die Indexwertanpassung bei den Richtwert- und
Kategoriemieten für 2023 sollen rückgängig gemacht werden. Zusätzlich
fordert die SPÖ insgesamt ein neues System mit einem Universalmietrecht
mit klaren Mietobergrenzen und einem neuen Index für die
Mietpreisentwicklung, vorgeschlagen wird eine Orientierung am
EZB-Leitzinssatz bei einer Deckelung von 2 Prozent jährlich.
Der
Entwurf der Koalition für einen "Mietendeckel" wiederum sieht unter
anderem vor, dass die Mieten die kommenden Jahre nicht mehr als fünf
Prozent pro Jahr steigen dürfen. Bei Altbau-Richtwertmieten sowie
geförderten Miet-und Genossenschaftswohnungen soll die
Inflationsanpassung ab 2025 jährlich stattfinden anstatt der bisherigen
kumulierten Valorisierung alle zwei Jahre. Bei Altbau-Kategoriemieten
ist nur mehr eine Erhöhung pro Jahr erlaubt. Der freie, nicht
preisregulierte Mietsektor ist nicht berücksichtigt.
Da ein größerer Teil des Pakets als Verfassungsbestimmung angelegt ist, müssten entweder SPÖ oder FPÖ mit der Koalition stimmen. Die ÖVP hat jedoch nicht ausgeschlossen, es im Notfall auch über einfachgesetzliche Regelungen zu versuchen.