Bei den Internationalen Brigaden beteiligten sich vor 85 Jahren im Spanischen Bürgerkrieg auch rund 1.400 Österreicher. In Katalonien wird nun nach den Überresten der österreichischen Interbrigadisten gesucht.
Der Einsatz der im Oktober 1936 gegründeten Internationalen Brigaden ist neben der Legion Condor, die aufseiten Francos durch die Bombardierung der baskischen Stadt Guernica (Gernika) traurige Berühmtheit erlangte, der bekannteste und umfangreichste Ausdruck ausländischer Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg 1936-39. In den Internationalen Brigaden beteiligten sich vor 85 Jahren auch rund 1.400 Österreicher an der "Guerra Civil".
Überreste österreichischer Interbrigadisten in Spanien gesucht
Das letzte überlebende Mitglied der Internationalen Brigaden, die während des Spanischen Bürgerkriegs (1936-39) aufseiten der linksbürgerlichen Republik gegen die aufständischen faschistischen Truppen rund um General Franco kämpften, verstarb Ende Mai im Alter von 101 Jahren in Frankreich.
Das blutigste Gefecht des Spanischen Bürgerkriegs
Die Schlacht am Ebro gehörte zu den blutigsten und längsten Gefechten des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1939). Es war die letzte große Offensive der republikanischen Regierung gegen die vorrückenden franquistischen Truppen des Putsch-Generals und späteren Diktators Francisco Franco. Historiker schätzen, dass zwischen dem 25. Juli und dem 16. November 1938 weit über 30.000 Soldaten in der katalanischen Mittelmeerregion fielen.
Zahlreiche Österreicher bei der Schlacht am Ebro
Darunter befanden sich auch zahlreiche Österreicher, die hauptsächlich im Exil von der Kommunistischen Internationalen rekrutiert wurden und sich freiwillig den Internationalen Brigaden anschlossen, um auf der Seite der spanischen Republik gegen den mit Franco, Deutschlands Nazi-Diktator Adolf Hitler und Italiens "Duce" Benito Mussolini in ganz Europa vorrückenden Faschismus zu kämpfen.
Universität Barcelona wertet Truppenbewegungen aus
Alfons Aragoneses, Leiter der
Forschungsabteilung Memoria Democratica (Demokratische Erinnerung) des
Justizministeriums der katalanischen Regionalregierung, sitzt vor einer
langen Liste gefallener oder vermisster Interbrigadisten. Sie stammt aus
russischen Archiven über Truppenbewegungen während der Ebro-Schlacht
vor 85 Jahren, welche derzeit vom Sidbrint-Projekt der Universität von
Barcelona ausgewertet werden.
Die im Spanischen Bürgerkrieg gefallenen Österreicher
Max Bander und Rudolf Auerhahn kamen aus Graz, Richard Bichler und Johann Piller aus Wien,
Konrad Hess aus Salzburg, Ferdinand Humer aus Innsbruck, Karl Pfob und
Friedrich Hackl aus Linz. Die Liste ist lang - 70 Gefallene und
Vermisste. Weitere 142 Namen stammen von Interbrigadisten aus
Deutschland und den Niederlanden. Zu ihren Herkunftsorten steht in der
Liste auch ihr Geburtsdatum sowie der Ort und Tag ihres Todes.
Österreichischen Interbrigadisten gehörten zum Thälmann-Bataillon
"Die
österreichischen Interbrigadisten gehörten dem Thälmann-Bataillon an,
welches an der Ebro-Schlacht teilnahm, und wir vermuten, dass sich ihre
Überreste in den zahlreichen Massengräbern in der Umgebung in der Nähe
von Dörfern wie Miravet, Flix oder Mora d ́Ebre befinden", erklärt
Aragoneses im Gespräch mit der APA. Im Rahmen der XI. Brigade gab es
auch ein eigenes Österreicherbataillon, das nach den Februarkämpfen 1934
"12 de febrero" hieß.
Über 900 anonyme Massengräber in Katalonien ausfindig gemacht
Aragoneses und sein Team haben in
Katalonien in den vergangenen 13 Jahren bereits über 900 anonyme
Massengräber aus der Bürgerkriegszeit mit den Überresten von
schätzungsweise 14.000 Personen ausfindig gemacht, die nun nach und nach
geöffnet werden. Darunter dürften sich schätzweise auch die Überreste
von rund 2.000 Interbrigadisten aus verschiedensten Ländern befinden.
Vor
kurzem fand das Forscherteam bestehend aus Archäologen, Historikern,
Anthropologen und Gerichtsmedizinern in der Zone der Ebro-Schlacht ein
verschüttetes Feldlazarett mit 174 Körpern. "Anhand von Geldmünzen und
Ringen konnten wir bereits mehrere Interbrigadisten ausmachen", erklärt
Aragoneses.
Ziel ist nich tnur die historische Aufarbeitung
"Unser Ziel ist nicht nur die historische Aufarbeitung
der Bürgerkriegsgeschehnisse, die in Spanien selbst nach der
Franco-Diktatur nicht ausreichend stattgefunden hat. Wir wollen den
anonym in Massengräbern verschütteten Verstorbenen auch ihre Identität
zurückgeben und ihnen eine würdevolle Bestattung ermöglichen", so der
Generaldirektor der Memoria Democratica.
Datenbank mit DNA von Überrresten soll helfen
Seit 2016 verfügt seine
Abteilung auch über eine Datenbank, auf der die DNA von Überresten aus
Massengräbern mit denen von nach Familienangehörigen Suchenden
verglichen werden können. In Spanien haben sich bereits 7.000 Personen
in der DNA-Datenbank eingetragen.
DNA_Vergleichsmaterial zu Identifizierung österreichischer Interbrigadisten benötigt
Das Problem mit Blick auf die
Identifizierung von Überresten der österreichischen Interbrigadisten:
"Außerhalb Kataloniens und Spaniens wissen wenige von unserer Arbeit.
Wir haben aus Österreich bisher noch keinerlei Anfragen. Für die
Identifizierung der österreichischen Interbrigadisten brauchen wir
allerdings DNA-Vergleichsmaterial", erklärt Eulalia Mesalles, die das
Projekt "Alvah Bessie" der Memoria Democratica leitet.
US-Schriftsteller schrieb über Bürgerkriegserlebnisse
Der
amerikanische Schriftsteller und Hollywood-Drehbuchautor Alvah Cecil
Bessies (1904-1985) war Mitglied der Kommunistischen Partei der USA und
kämpfte im spanischen Bürgerkrieg im Abraham Lincoln Bataillon der
Internationalen Brigaden. In seinem autobiografischen Buch "Men in
battle" von 1939 beschrieb er seine Bürgerkriegserlebnisse in
Katalonien, wo er in den 1960er-Jahren erfolglos nach vermissten
Freunden aus dem Lincoln-Bataillon suchte.
Memoria Democrática kontaktierte DÖW in Wien
Auf der Suche nach
österreichischen Interbrigadisten setzte sich die Memoria Democrática
bereits im Mai 2022 auch mit dem Dokumentationsarchiv des
Österreichischen Widerstandes (DÖW) in Wien in Kontakt.
"Es
gibt im Spanienarchiv des DÖW über jeden österreichischen Freiwilligen
ein Personendossier mit Kopien der vorhandenen Dokumente. Aktuell liegen
uns aber keine konkreten Suchanfragen nach vermissten Angehörigen vor",
erklärte DÖW-Historiker Manfred Mugrauer auf Anfrage der APA.
Rund 1.400 Österreicher bei Spanischem Bürgerkrieg beteiligt
"Laut
Forschungen des Historikers Hans Landauers nahmen rund 1.400
österreichische Freiwillige in den Reihen der Internationalen Brigaden
am Spanischen Bürgerkrieg teil, von denen rund 256 Österreichern in
Spanien gefallen sind. In 80 Prozent der Fälle konnte Landauer Ort, Art
und Zeit des Todes feststellen. 82 österreichische Interbrigadisten sind
später in Konzentrationslagern gestorben", so Mugrauer.
Hans Landauer ging als 16-Jähriger nach Spanien
Hans
Landauer war selbst 1937 als 16-Jähriger nach Spanien gegangen. Er
verstarb am 19. Juli 2014 als letzter der österreichischen "Freiwilligen
für die Freiheit", wie ihr Selbstverständnis nach dem Zentralorgan der
Internationalen Brigaden namens "El Voluntario de la Libertad" auch
lautete. Der spätere Polizeibeamte ermittelte ab den frühen
1980er-Jahren in der Pension als ehrenamtlicher DÖW-Mitarbeiter die
Spuren seiner ehemaligen Kameradinnen und Kameraden und baute damit das
"weltweit größte Archiv eines nationalen Kontingents der Spanienkämpfer"
auf wie in einem 2016 vom DÖW editierten Band mit dem Titel "80 Jahre
Internationale Brigaden" nachzulesen ist.
50. Jahrestag des Ausbruchs des Guerra Civil im Jahr 1986
Zum 50. Jahrestag des
Ausbruchs der Guerra Civil im Jahr 1986 war unter seiner Ägide auch das
Buch "Für Spaniens Freiheit" erschienen, das die erste umfassende
Aufarbeitung dieses Kapitels der Geschichte der österreichischen
Arbeiterbewegung darstellte. Zehn Jahre später sollte noch das gemeinsam
mit dem Schriftsteller Erich Hackl veröffentlichte "Lexikon der
österreichischen Spanienkämpfer" folgen.