Über einen Zukunftsfonds soll es, laut Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), mehr Mittel für die Länder geben.
Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) will neue Dynamik in die Finanzausgleichsverhandlungen bringen und hat den Ländern heute einen neuen Vorschlag vorgelegt. Dieser sieht einen Zukunftsfonds vor, über den zielgebunden zusätzliche Mittel fließen sollen, hieß es auf APA-Anfrage. Diese sollen den Bereichen Kinderbetreuung, Wohnen und Klima/Umwelt zu Gute kommen. Während die VP-geführten Länder positiv gestimmt waren, blieben die roten skeptisch.
Finanzausgleich: Brunner bietet Ländern mehr Geld über Fonds an
Vom Prinzip her ist
vorgesehen, dass es in jedem Bundesland definierte und messbare Ziele in
den Bereichen Kinderbetreuung, Wohnen sowie Klima und Umwelt geben
soll. Erreichen die Länder diese, soll es mehr Geld seitens des Bundes
geben. Der Finanzminister sieht darin einen "völlig neuen und
innovativen Denkansatz" im Finanzausgleich. Es gehe nicht nur darum,
Geld von einer Gebietskörperschaft in die andere zu geben, sondern
gemeinsam Österreich zukunftsfit zu machen.
Wie Länder und
Gemeinden ihre Ziele erreichen, bleibe diesen überlassen. Dies erlaube
eine hohe Flexibilität bei gleichzeitig gemeinsamen Zielen. Als
prioritär sieht die Regierung die Bereiche Kinderbetreuung, wo Kanzler
Karl Nehammer (ÖVP) schon jüngst eine Offensive angekündigt hat, Wohnen
sowie Klima und Umwelt. Für die Pflege waren schon vor einigen Monaten
zusätzliche Mittel seitens des Bundes zugesichert worden.
Gespräche im Bereich Gesundheit und Pflege "auf einem guten Weg"
In den
Bereichen Gesundheit und Pflege sieht Gesundheitsminister Johannes Rauch
(Grüne) die Gespräche indes "auf einem guten Weg". Alle Beteiligten
hätten ein gemeinsames Ziel, alle seien bereit, sich zu bewegen. Er
halte die Chance auf eine Einigung für intakt.
Der Bund habe sein
Angebot zuletzt vor allem im Bereich Pflege nachgebessert. Auch für den
Ausbau von Fachambulanzen, Tageskliniken und ähnlichen ambulanten
Einrichtungen seien nun mehr Mittel vorgesehen. Zusätzlich solle die
Stärkung des niedergelassenen Bereichs zu einer Entlastung der Spitäler
führen, die vor allem von den Ländern finanziert werden. Details aus den
Verhandlungen nannten freilich weder Brunner noch Rauch, wodurch offen
blieb, wie viel zusätzliches Geld fließen soll.
Markus Wallner (ÖVP) sah Verhandlungen auf einem guten Weg
Vorarlbergs
Landeshauptmann und Ländervertreter Markus Wallner (ÖVP) sah die
Verhandlungen nun auf gutem Weg. Nach der Gesprächsrunde am Freitag
sprach er von einem "Schritt in die richtige Richtung". Nach den
angekündigten Bundesmitteln von 4,5 Mrd. Euro für die Elementarpädagogik
begrüßte Wallner "ausdrücklich" den von Brunner vorgeschlagenen
Zukunftsfonds, über den für Länder und Gemeinden zusätzliche Mittel
fließen sollen.
"Wichtig sind gemeinsame Zielsetzungen in diesem
Fonds - diese müssen vor allem auch gemeinsam ausgearbeitet werden",
betonte der Landeshauptmann. Die Ausgaben der Länder und Kommunen
stiegen bei Elementarpädagogik, Pflege und Gesundheit stark an, viel
stärker als beim Bund. Diese Entwicklung müsse der Bund mit mehr Mitteln
abgelten, schließlich müssten Länder und Gemeinden diese Aufgaben nicht
nur weiterhin qualitativ hochwertig erfüllen, sondern die Angebote auch
weiter ausbauen. Bis zur außerordentlichen Landeshauptleutekonferenz in
Wien am 18. September werde man intensiv weiterverhandeln "und dort hoffentlich einen weiteren Schritt vorankommen."
Bund habe "erste Schritte in die richtige Richtung gemacht"
Ähnlich
der oberösterreichische Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP): Der Bund
habe "erste Schritte in die richtige Richtung gemacht". Das
nachgebesserte Angebot sei "erfreulich, weil es erstmals ansatzweise
realistisch jene Herausforderungen abbildet, vor denen die Bundesländer
mit der Pflege und Gesundheitsversorgung stehen". Zufrieden ist er aber
noch nicht: "Es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht und
weitere Verhandlungen sind notwendig." Der geplante Zukunftsfonds "wäre
ein ganz neues System, aber ich glaube es hat Potenzial, wenn Bund,
Länder und Gemeinden für wichtige Bereiche wie Kinderbetreuung,
Klimaschutz oder Wohnen gemeinsam Ziele festlegen und gemeinsam daran
arbeiten, sie zu erreichen", so Stelzer.
Wiens Bürgermeister Ludwig sah Vorstoße "grundsätzlich positiv"
Wiens
Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), der ebenfalls Teil der Ländergruppe
ist, sieht es zwar "grundsätzlich positiv", dass "endlich Bewegung" in
die Verhandlungen kommt - mit dem Vorschlag des Bundes kann er
allerdings relativ wenig anfangen, wie einer der APA übermittelten
Stellungnahme zu entnehmen ist. Die sinnvollste Variante wäre immer noch
die Anpassung des Verteilungsschlüssels, da Länder und Gemeinden
zunehmend mehr Leistungen erfüllen würden, hieß es darin. Die Ausgaben
würden sich deutlich dynamischer entwickeln als jene des Bundes.
Das
neue Angebot des Finanzministers umfasst laut Ludwig-Büro rund 1,3 Mrd
Euro pro Jahr an "frischem Geld" für Länder und Gemeinden. Der Wiener
Anteil daraus mache rund 300 Mio. Euro aus. Zugleich würden im Zeitraum
von 2024 bis 2026 aufgrund der vom Bund gesetzten, mit den Ländern
nicht abgestimmten, steuerlichen Maßnahmen - etwa die Abschaffung der
sogenannten kalten Progression - die Minderertragsanteile der Länder und
Gemeinden rund 13 Mrd. Euro betragen.
Wien büße pro Jahr dadurch rund 1 Mrd. Euro ein
Wien
büße pro Jahr dadurch rund 1 Mrd. Euro ein. Das entspreche in etwa dem
Betrag, der für den öffentlichen Verkehr aufgewendet werde, hob man
hervor. Nun würde mit nur 300 Mio. Euro nicht einmal ein Drittel der
entfallenen Mittel ersetzt, rechnet man vor. Ganz wesentlich sei auch,
dass der Betrag, der als Kompensation für entgangene Einnahmen durch die
Steuerreform zur Verfügung steht, frei verfügbar sein müsse: "Die
Länder und Gemeinden müssen die Möglichkeit haben, ihre laufenden Kosten
zu bedecken", forderte Ludwig.
Skeptisch blieb auch der
Vorsitzende der Landeshauptleute-Konferenz, Kärntens Landeshauptmann
Peter Kaiser (SPÖ), der eigenen Angaben zu Folge "Sorgenfalten" hat. Die
gebotene Summe sei viel zu wenig: "Das geht sich beim besten Willen
nicht aus. Wenn die Bundesregierung dabei bleibt, dann sind viele
derzeitige Leistungen insbesondere in der Gesundheits- und
Pflegeversorgung gefährdet."
Städtebund-Generalsekretär Thomas
Weninger nannte das Angebot des Bundes "zu niedrig". Für ihn ist klar,
dass es weitere Verhandlungen und Anpassungen geben muss. Immerhin sieht
er im Zukunftsfonds einen ersten Ansatz.