Am Donnerstag ist eine 48-Jährige in Graz in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen worden. Sie hatte im Mai versucht ihre Tochter zu Ersticken und wollte nach eigenen Angaben danach Suizid begehen.
Die 48-jährige Steirerin "fühlte sich dem Alltag nicht mehr gewachsen", beschrieb es Staatsanwalt Christian Kroschl bei dem Prozess in Graz. Die Frau lebte allein mit ihrer Tochter. Als ihre Mutter 2023 starb, brach ihr letzter Halt weg. Sie habe sogar Angst gehabt, alleine einkaufen zu gehen, erzählte sie vor Gericht mit leiser Stimme unter Tränen. Sie suchte Hilfe bei einer Therapeutin, bei ihrer Ärztin, doch irgendwie "ist sie durch unser an sich sehr gutes Netz gerutscht", meinte der Verteidiger.
Am 1. Mai wollte sie
Suizid begehen und auch ihre Tochter töten, "um das Ganze zu beenden".
Davor seien Tage voller Verzweiflung und Schlaflosigkeit gelegen. "Der
Suizid war geplant, aber es war eine plötzliche Entscheidung", versuchte
die 48-Jährige zu erklären. "Wollten Sie das Kind mitnehmen?", fragte
Richterin Angelika Hacker. Die Frau bejahte: "Ich habe Angst gehabt,
dass sie mich findet und ein Leben lang darunter leiden muss", lautete
ihre Erklärung.
Sie überraschte das Kind im Schlaf. Doch die heute
13-Jährige konnte sich ins Bad flüchten. Die Frau verständigte dann
ihren Bruder in Deutschland, dieser rief eine Schwester an, und so wurde
die Hilfskette in Gang gesetzt.
Gerichtspsychiater Manfred Walzl sprach von einer "schwer depressiven Episode mit psychotischen Symptomen", die psychologische Sachverständige Anita Raiger ortete außerdem eine "schwere Angststörung".
Aufgrund der Expertisen plädierte der Ankläger für eine Einweisung in ein therapeutisch-forensisches Zentrum, und die Laienrichter folgten seiner Empfehlung. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig.
Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.