Der Parteivorstand der SPÖ hat am Mittwoch das Konzept für eine höhere Vermögensbesteuerung beschlossen. "Häuslbauer" sollen nicht von den Steuern betroffen sein.
Demnach sind wie schon bei bisherigen Plänen Vermögen und Erbschaften
bis zu einer Million Euro ausgenommen. Neu ist, dass zusätzlich das
Eigenheim großteils aus der Bemessungsgrundlage ausgeklammert wird. "Es
ist höchste Zeit, dass wir die Superreichen zur Kasse bitten", findet
Parteichef Andreas Babler.
"Luxusgrenze" nimmt "Häuslbauer" von SPÖ-Vermögenssteuern aus
Mit der Ausnahme für
Eigenheime sei die Zeit der Ausreden vorbei, meinte Babler in einer
Pressekonferenz Mittwochnachmittag. Denn bisher hätten sich die
Superreichen hinter den "Häuslbauern" versteckt: "Wer jetzt noch dagegen
ist, macht Politik für die Superreichsten im Land." Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer meinte in einer Aussendung, die Einschränkung sei insbesondere für
sein Bundesland wichtig, wo Wohnungseigentum mittlerweile so wertvoll
geworden sei, dass bei einer unbedachteren Ausgestaltung der Steuer auch
Menschen betroffen gewesen wären, "die das in einem Hochpreisland
buchstäblich nicht verdient haben".
Allerdings wird auch im SPÖ-Konzept
ein gewisser Teil des Eigenheims bei der Bemessung herangezogen -
nämlich jener über einer "Luxusgrenze" von 1,5 Millionen. Was die
Steuersätze angeht, soll bei der Millionärssteuer zwischen einer und
zehn Millionen ein Wert von 0,5 Prozent gelten. Zwischen zehn und 50
Millionen soll der Satz ein Prozent betragen. Darüber ist einer von zwei
Prozent vorgesehen.
SPÖ für Millionärssteuer und Erbschaftssteuer ab einer Mio. Euro
Bei der Erbschaftssteuer wird enger
gestaffelt. Zwischen einer und fünf Millionen läge der Wert bei 25
Prozent. Von fünf bis zehn Millionen sind 30 Prozent vorgesehen. Ab zehn
bis 50 Millionen will die SPÖ
einen Satz von 35 Prozent, darüber einen von 50 Prozent. Bringen soll
die Erbschaftssteuer 500 bis 800 Millionen im Jahr. Bei der
Millionärssteuer erwartet man fünf Milliarden. Im Gegenzug soll die
Grunderwerbssteuer auf Erbschaften und Schenkungen abgeschafft werden.
Betriebe
sind zu 85 Prozent von der Erbschaftssteuer ausgenommen, wenn sie fünf
Jahre weiter bestehen. In der Landwirtschaft würde sich bis zu einer
Größe von 150 Hektar nichts ändern.
Konzept soll bei ordentlichen Parteitag beschlossen werden
Beschlossen werden soll das Konzept
neben diversen anderen Anträgen unter anderem zur Änderung der Statuten
bei einem ordentlichen Parteitag, der zu Faschingsbeginn (11.11.) über
zwei Tage verteilt in der Grazer Messe in Szene gehen soll. Dort soll
Babler ein weiteres Mal zum Parteichef gewählt werden, ebenso Präsidium
und Vorstand. Auch die Organisationsreform soll umgesetzt werden.
Da man in Graz zwar die Liste für die EU-Wahl beschließt, nicht jedoch die für die kommende Nationalratswahl, wird es 2024 noch einen Bundesparteirat geben. Ob bei der EU-Wahl noch einmal Andreas Schieder an der Spitze ran darf, wie das die Wiener Landesgruppe gerne hätte, oder die Gewerkschafterin Evelyn Regner, ihres Zeichens Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, dürfte im Oktober in einem Vorstand vorentschieden werden.
Kritik an Konzepten für Vermögenssteuern
Kritik an den Konzepten für Vermögenssteuern kam erwartungsgemäß aus der ÖVP, konkret aus deren Wirtschaftsflügel. Auf eine Vermögenssteuer zu pochen, "bei der mehr als ein Drittel der Einnahmen in Bürokratie versickern", zeige einmal mehr, "dass die SPÖ lieber Populismus betreibt als echte Entlastung für die Menschen in Österreich zu wollen", meinte Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger in einer Aussendung.
Auch die Industrie warnte: "Die Vermögensteuer wurden bereits aus gutem Grund - seitens der SPÖ - abgeschafft. Eine Neueinführung veralteter Konzepte bringt uns kaum weiter und belastet unnötig Leistungsträger in unserem Land", meinte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV).