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Mehr Kontrollen gegen Schwarzarbeit gefordert

6-09-2023, 12:40

Zahlreiche Fälle von Schwarzarbeit sind zuletzt im Dienstleistungssektor, konkret im Security-Bereich bei einem Festival in Niederösterreich und in der Gastronomie in Kärnten aufgeflogen. Nun fordern SPÖ und Gewerkschaft mehr Kontrollen.

Das wollen die zuständige Gewerkschaft vida und die SPÖ nicht auf sich sitzen lassen. Sie orten ein "betrügerisches Geschäftsmodell mit System". Dieses schade Arbeitnehmenden, Steuerzahlern und ehrlichen Firmen gleichermaßen. Die Regierung müsse strengere Regeln einführen, so die Forderung.

SPÖ und Gewerkschaft fordern mehr Kontrollen gegen Schwarzarbeit

Die beiden Branchen, also Hotellerie/Gastronomie sowie der Security-Bereich, seien durch die öffentliche Hand über die Coronakrise gebracht worden, erinnerte vida-Chef Roman Hebenstreit bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien. Und gerade in diesen Wirtschaftsbereichen habe es zuletzt die "tragischen Fälle" auffallend hoher Schwarzarbeit gegeben. Beim Festival, sei die versuchte Flucht im Laufschritt von Schwarzarbeitenden in SMS-Gruppen organisiert worden. In Kärnten versuchten indes Wirte während der Kontrolle der Finanzpolizei noch rasch illegal Beschäftigte zu legalen zu machen, gab sich Hebenstreit schockiert.

Bei Festival in Niederösterreich hagelte es 66 Anzeigen

Beim Festival in Niederösterreich hatte es 66 Anzeigen gehagelt. 48 betrafen alleine zwei Firmen. In der Kärntner Gastronomie waren bei 40 Kontrollen 44 Verstöße festgestellt worden. Bei den Paketzustellern gibt es laut Gewerkschaft grundsätzlich ähnliche Probleme.

Gewerkschafter: "Das ist alles ist fast nicht mehr in Worte zu fassen"

"Das ist alles ist fast nicht mehr in Worte zu fassen", sagte der Gewerkschafter. "Das alles passiert niemandem bloß so." Der entstehende Schaden sei enorm. Würden alle ihre Abgaben ordentlich entrichten, müssten alle weniger bezahlen, gab Hebenstreit zu bedenke. Doch die SPÖ beiße immer wieder mit ihren Anträgen für strengere Regeln auf Granit, bedauerte die sozialdemokratische Tourismussprecherin, Melanie Erasim. "Dabei würden durch solche sowohl die Unternehmen als auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschützt." Zudem gelte, dass man nicht auf Kosten von ausgebeuteten Mitarbeitern Urlaub oder einen Restaurantbesuch genießen könne und wolle.

Hebenstreit in Richtung ÖVP: "Seid ihr in Eurer Verantwortung eigentlich noch normal?"

Hebenstreit fragte auf die ÖVP-"Normalitätsdebatte" anspielend: "Seid ihr in Eurer Verantwortung eigentlich noch normal?". Steuerbetrug und -hinterziehung werde aus seiner Sicht von den ÖVP-Finanz- bzw. Arbeitsministern (Magnus Brunner bzw. Martin Kocher) nämlich "ignoriert". Das sei eine "Provokation für den Steuerzahler".

Gewerkschaft und SPÖ fordern Maßnahmen gegen Schwarzarbeit

Die Gewerkschaft und die SPÖ fordern einige Maßnahmen, begonnen bei mehr Kontrollen und einer Aufstockung der Arbeitsinspektion. Es fehlten zumindest 35 Inspektorinnen um den Richtwert der Internationalen Arbeitsinspektion (ILO) für industrielle Marktwirtschaften zu schaffen. Vorausschauend brauche es aber 50 mehr.

Erstauftraggeberhaftung sei einzuführen

Auch eine Erstauftraggeberhaftung sei einzuführen. So sollen Auftraggeber und Veranstalter für ihre Subunternehmen - an denen sie manchmal auch beteiligt sind - haften, wenn diesen Vergehen nachgewiesen werden. Hebenstreit fordert auch eine verstärkte Anwendung des Straf- anstatt des Verwaltungsrechts, wenn es offensichtlich um Betrug mit System gehe. Die Strafen für Lohn- und Sozialdumping müssten ebenso auf ein abschreckendes Maß erhöht werden.

Hebenstreit beklagt: man zahle nur einmal, "Der Rest ist gratis"

Zudem gehöre insofern zur Vernunft zurückgekehrt, als dass man das Kumulationsprinzip bei Strafen wieder abschaffe. Das sei nämlich "ein Freibrief wiederholt gegen das Sozialrecht zu verstoßen". Man zahle nur einmal, "der Rest ist gratis", beklagte Hebenstreit.

(APA/Red)

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