logo



[email protected]

Bankenübergewinnsteuer: Ablehnung von Ökonomen und Banken

14-08-2023, 12:33

Finanzexperten sehen in der Forderung nach einer Bankenübergewinnsteuer ein Risiko für den Standort Österreich.

Während die Zinsen für Kredite stark steigen, stagnieren die Einlagezinsen. SPÖ und FPÖ fordern deshalb eine Bankenübergewinnsteuer oder eine Regulierung. Dem können Ökonomen und - naturgemäß - Banker nur wenig abgewinnen.

Ökonomen warnen vor Schaden durch Bankenübergewinnsteuer

"Die Geldpolitik hat das Zinsergebnis der Banken jahrelang negativ beeinflusst", zitieren die OÖN Thomas Url, Bankenexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo): "Jetzt kehren wir teilweise zur Normallage zurück." Der wichtigste Beitrag dazu komme vom Wegfall der Strafzinsen an die EZB für das Parken von Einlagen. Die Leitzinserhöhungen wurden laut Url auf beiden Seiten - wenn auch nur teilweise - weitergegeben. Der durchschnittliche Wohnbaukredit-Effektivzins in Österreich sei von Juli 2022 bis Juni 2023 von 2,1 auf 4,25 Prozent gestiegen. Der Durchschnittszins für Spareinlagen mit bis zu einem Jahr Laufzeit kletterte von 0,18 auf 2,66 Prozent. Stiegen zuerst die Kreditzinsen stärker, so hätten die Banken zuletzt die Einlagenzinsen stärker erhöht. Eine Sondersteuer würde nur dem Standort Österreich schaden, ergänzte der Ökonom.

Der wirtschaftsliberale Thinktank Agenda Austria verweist in einer Aussendung darauf, dass die Weitergabe der Leitzinsen in Österreich vergleichsweise hoch war. Nur Großbritannien, Frankreich und Luxemburg schnitten hier besser ab. "Geld gibt es aufgrund der lang anhaltenden Nullzinsphase sowie der Hilfsprogramme der Regierungen der letzten Jahre aber nach wie vor im Überfluss, das hohe Angebot drückt die Zinsen", so Agenda-Austria-Ökonom Hanno Lorenz.

Hohe Zinsüberschüsse bei Banken gemeldet

Die Erste Group steigerte den Zinsüberschuss im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 25 Prozent und gegenüber 2020 um 45 Prozent. Bei der RBI stieg er um 25 beziehungsweise 82 Prozent, berichtete die Zeitung.

Allerdings: In der Phase der Negativzinsen habe man diese auch nicht an die Sparer weitergeben dürfen, merkte Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger gegenüber den OÖN an. Bei der Oberbank ist der Zinsüberschuss im Vorjahr um 17 Prozent gestiegen. Aber die Banken hätten auch höhere Verwaltungsaufwendungen, merkte der Oberbank-Chef an. Und: "Von den Populisten wird übersehen, dass eine Sondersteuer negative Folgen für den Finanzplatz Österreichs hätte".

(APA/Red)

Nachrichtenquelle


© 2017-2024 wienpress.at [email protected]