In den Überschwemmungsgebieten Südösterreichs bleibt die Lage angespannt. Der nachlassende Regen könnte für eine stabilere Lage sorgen. Im Urlauberverkehr könnte es zu massiven Staus kommen.
In der Nacht auf Samstag mussten dennoch Evakuierungen in St. Paul im Lavanttal im Kärntner Bezirk Wolfsberg von rund 70 Haushalten vorgenommen werden. Im südsteirischen Leibnitz wurden die Bewohner eines Seniorenheim in Sicherheit gebracht. Wegen der gesperrten A1 in Slowenien könnten sich umfangreiche Staus im Urlaubsverkehr durch Österreich anbahnen.
Hochwasserlage in Klagenfurt konnte stabilisiert werden
In den Kärntner Bezirken Wolfsberg und Völkermarkt waren gefährdeten Gebäude evakuiert und Hochwasserschutzelemente aufgestellt worden. Kritisch war die Lage einige Zeit auch in Viktring, einem südlichen Vorort der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee. Dort musste die Feuerwehr am Abend ein Rückhaltebecken auspumpen, das überzulaufen drohte. Hier konnte die Lage inzwischen laut Stadtkommunikation Klagenfurt erfolgreich stabilisiert werden.
Campingplatz wegen Hochwasser evakuiert
Auch in Lavamünd mussten laut Radio Kärnten "einige Häuser evakuiert" werden, nachdem es dort Hangrutschungen gegeben hat. Wie der Bezirkshauptmann von Völkermarkt, Gert Klösch, berichtete, war auch ein Campingplatz am Gösselsdorfer See von Hochwasser bedroht. Die Bewohner des Campingplatzes sollten in der Mittelschule Eberndorf untergebracht werden. Schon zuvor war auch ein Campingplatz am nahe gelegenen Turnersee evakuiert worden. Auch in der Ferlacher Ortschaft Waidisch wurden die Bewohner von vier Häusern in Sicherheit gebracht. In Kärnten wurde für neun Gemeinden in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg Zivilschutzwarnung gegeben, in den Gemeinden St. Paul im Lavanttal und Loibach Zivilschutzalarm.
Tausende Feuerwehreinsätz in der Nacht auf Samstag
Im ersten Teil der Nacht fiel der Regen aber nicht ganz so stark aus wie befürchtet, gegen 8.00 Uhr war er in manchen Teilen der Steiermark und Kärntens laut Wetterberichten in leichten Regen bzw. Nieseln übergegangen. Zahlreiche Feuerwehreinsätze wegen Überflutungen gab es in mehreren Gemeinden rund um die Landeshauptstadt, etwa in Krumpendorf am Wörthersee. In Klagenfurt selbst geriet eine Transformatorenstation in Brand. Insgesamt wurden im südlichsten Bundesland 1.100 Feuerwehreinsätze gezählt. 2.500 Feuerwehrleute und 100 Bundesheer-Soldaten seien im Einsatz. Nördlich von Eisenkappel waren zehn Katastrophenfachkräfte mit schwerem Pioniergerät im Einsatz. 20 Pioniere unterstützten die Feuerwehr im Raum St. Paul im Lavanttal und weitere 20 Soldatinnen und Soldaten halfen rund um Viktring den lokalen Einsatzkräften beim Errichten von Hochwassersperren. Ein Transporthubschrauber AB212 flog Logistikeinsätze. Weitere drei Hubschrauber stünden in Kärnten für Einsätze bereit, so ein Heeressprecher.
Auch Landesfeuerwehr aus Niederösterreich hilft in Kärnten
Unterdessen gab es auch auswärtige Hilfe für die Unterkärntner Einsatzkräfte, nicht nur aus Oberkärnten. Laut Klösch waren 70 Mann des Landesfeuerwehrverbandes Niederösterreich mit großen Pumpen im Bezirk Völkermarkt im Einsatz. Der Kärntner Militärkommandant Walter Gitschthaler berichtete in der nächtlichen ORF-Sondersendung, er habe in Graz weitere Kräfte angefordert. Bis zu 200 weitere Soldaten könnten für den Hochwassereinsatz abgestellt werden. Trotz all der Einsätze gab es noch Zeit für grenzüberschreitende Hilfsaktionen: Bei einem Notarzteinsatz im slowenischen Mežica half ein Notarzteinfahrzeug aus dem Bezirk Völkermarkt. Die Rettungskräfte konnten ein 14 Tage altes Baby wohlbehalten gemeinsam mit seiner Mutter ins Klinikum Klagenfurt bringen, wie Rotkreuzsprecherin Melanie Reiter am Samstag mitteilte.
Zivilschutzwarnung in mehreren Bezirken in Steiermark ausgerufen
In
der Steiermark wurde für die Bezirke Deutschlandsberg, Leibnitz und
Südoststeiermark Zivilschutzwarnung gegeben, in mehreren Gemeinden
Katastrophenalarm. In der Nacht auf Samstag musste auch ein Seniorenheim
in Leibnitz evakuiert werden, berichtete Ö3. Insgesamt 27 Bewohnerinnen
und Bewohner seien in Notunterkünfte gebracht worden. Im nahe gelegenen
Ort Heimschuh mussten zuvor Menschen sogar mit Booten in Sicherheit
gebracht werden. Nach einem Dammbruch konnten zwei Personen nur per Seil
mit einem Helikopter gerettet werden. Feuerwehrsprecher Thomas Meier
sagte dem ORF-Radio, man habe "zahlreiche Evakuierungen" durchführen
müssen und eine Notschlafstelle eingerichtet. Zahlreiche
Feuerwehreinsätze gab es auch im benachbarten Burgenland, konkret im
Bezirk Jennersdorf, wo Keller ausgepumpt werden mussten.
Auch in der Steiermark stand das Bundesheer seit Freitagabend im Assistenzeinsatz, nachdem mehrere Gemeinde um Hilfe gerufen hatten. Rund 80 Soldatinnen und Soldaten aus der Strasser Erzherzog Johann-Kaserne unterstützen 30 Feuerwehrleute im Raum Leibnitz. Rund 50 Soldatinnen und Soldaten aus der Feldbacher Kaserne halfen im Raum Feldbach beim Eindämmen der Hochwassersituation - beispielsweise durch Füllen von Sandsäcken.
Entspannung der Lage im Burgenland
Im südlichen Burgenland hat sich die Lage nach den jüngsten Niederschlägen entspannt. In den Bezirken Jennersdorf, Güssing und Oberwart waren nach Angaben der Landessicherheitszentrale (LSZ) noch einige Einsätze im Gange, die etwa Pumparbeiten betrafen. Die Pegel würden fallen. Es seien nur mehr geringe Mengen an Niederschlag zu erwarten, sagte ein LSZ-Sprecher.
Massive Staus im Urlauberverkehr drohen
Auf der ohnehin stark belasteten
Karawankenautobahn (A11) könnte es am Samstag zu massiven Staus im
Urlauberverkehr kommen. Schon um 6.00 Uhr gab es laut Ö3 vor dem
Karawankentunnel einen "kilometerlangen Stau" in Richtung Slowenien, die
Wartezeit betrage eineinhalb Stunden. Gegen 7.00 Uhr wurde der Tunnel
auf slowenischer Seite gesperrt. Von Autofahrerclubs wurde ein
Ausweichen auf die Karawankenroute empfohlen, weil die slowenische A1
zwischen Celj und Ljubljana mehrfach wegen Hochwassers unterbrochen, die
Verbindung zwischen Marburg und Triest wird voraussichtlich bis
mindestens Sonntag nicht befahrbar sein.
Wenn möglich, sollten Fahrten, die nach oder durch den Norden Sloweniens führen, verschoben werden. Ausweichen ist zwar möglich, etwa über den Karawankentunnel (A11) und die slowenische A2, hier werden allerdings lange Staus erwartet. Diese sind die wichtigsten Transitrouten durch Slowenien und wird von vielen Kroatien-Urlaubern aus Ostösterreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei benutzt. Laut dem ORF sollte die Strecke zwischen Maribor und Triest noch bis Sonntag unterbrochen bleiben.
Überschwemmungen auch in Slowenien
In
Slowenien waren zahlreiche Landesteile von katastrophalen
Überschwemmungen betroffen, darunter auch Vororte der Hauptstadt
Ljubljana. Besonders kritisch war die Lage in der Region Koroška in
unmittelbarer Nachbarschaft zu den Überschwemmungsgebieten Kärntens und
der Steiermark. In der gebirgigen Gegend waren einige Orte von der
Außenwelt abgeschnitten oder nur über Kärnten erreichbar. Wie die
Kärntner Landesregierung mitteilte, wurde die Versorgung der Orte
Solčava, Luče und Ljubno vom Roten Kreuz und dem Landeskrisenstab
Kärnten organisiert. In der Stadt Črna na Koroškem waren mehr als 2.000
Menschen ohne Wasser, Strom und Mobilfunknetz. Wie es am Samstag in der
Früh hieß, versuche eine Abordnung der slowenischen Armee, sich in die
abgeschnittene Stadt durchzuschlagen.
Am Samstagvormittag sollte in Ljubljana der Nationale Sicherheitsrat tagen, danach war auch eine Sondersitzung der Regierung geplant. Dabei sollte es vor allem um den Beschluss von raschen Unterstützungsmaßnahmen gehen. Der Hydrologe Janez Polajnar sagte dem Sender RTV Slovenija, dass für Samstag ein weiterer Anstieg der Pegel zu erwarten sei. So werde die Save an der slowenisch-kroatischen Grenze mit einem Durchfluss von 3.900 Kubikmetern pro Sekunde einen Allzeitrekord erreichen. Der wichtigste Fluss Slowenien fließt dort auch am Atomkraftwerk Krško vorbei, für dessen Kühlung er sorgt. "Stabil" sei der Pegel der Drau, auch weil sie in Österreich aufgestaut worden sei, doch steige der Wasserstand der Mur, die bereits den Rand der Hochwasserdämme erreicht habe.