Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) möchte Bargeld als Zahlungsmittel in der Verfassung verankern.
Man wolle der Bevölkerung "eine klare Versorgungssicherheit geben", meinte Nehammer im APA-Sommerinterview, "dass auf der einen Seite genug Möglichkeiten gegeben sind, Bargeld zu beziehen, auf der anderen Seite aber auch ausgeben zu können". Im September soll es dazu einen Runden Tisch mit der Bankenwirtschaft und der Nationalbank geben.
Bargeld in der Verfassung: Es gehe um "Wahlfreiheit"
Man habe "die Erkenntnis gewonnen, dass den Menschen das Thema Bargeld sehr wichtig ist", erklärte Nehammer. 47 Milliarden Euro würden jährlich von Bankomaten abgehoben, verwies er auf Daten der Nationalbank. Es gehe ihm um die "Wahlfreiheit", wie man zahlen möchte, betonte Nehammer. Es gebe immer wieder Diskussionen über eine Einschränkung von Bargeld, "das verunsichert die Menschen", glaubt der Kanzler.
"Mir ist
wichtig: Bargeld soll in die Verfassung kommen." Es gehe auch um eine
"Grundversorgung" mit Bargeld in zumutbarer Entfernung und darum,
sicherzustellen, dass auch weiterhin mit Bargeld bezahlt werden könne.
Er habe Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) beauftragt, dies
auszuarbeiten.
Der SPÖ-Forderung nach mindestens einem Bankomaten
in jeder Gemeinde will Nehammer dabei aber nicht unbedingt folgen: Es
handle sich dabei ein Stück weit um "die Unerfahrenheit des politischen
Mitbewerbers", befand Nehammer - "durch solche Festlegungen schränkt man
auch die Möglichkeiten ein". Für die Umsetzung müsse man auch "Freiraum
lassen", denn "sonst schränkt man zu sehr die Wirtschaft ein und dann
kriegt man mehr Probleme als Lösungen". Im September soll im Kanzleramt
ein Runder Tisch mit der Bankenwirtschaft abgehalten werden.
FPÖ gab sich zuletzt als Hüterin des Bargelds
Eigentlich
gab sich zuletzt stets die FPÖ als Hüterin des Bargelds und forderte
sogar eine Volksbefragung über den Schutz des Bargeldes in der
Verfassung und des Rechts auf Cash-Zahlung. Auf die Frage, ob es denn
nicht populistisch sei, hier nun den Freiheitlichen hinterherzulaufen,
meinte Nehammer: Die FPÖ stehe an sich dafür, "viel zu trommeln, ohne
dafür etwas tatsächlich zu tun". Die ÖVP habe immer wieder darauf
hingewiesen, "dass es mit der Volkspartei keine Abschaffung des Bargelds
geben wird, ganz im Gegenteil".
67 Prozent der Zahlungen unter 20
Euro würden in Österreich in bar geleistet, argumentierte Nehammer. Es
gehe hier also um die "Lebenswirklichkeit der Menschen" und es sei
"unsere Verantwortung in der Politik, Rahmenbedingungen zu setzen, dass
das auch weiter möglich bleibt", meinte der Kanzler. "Und ja, natürlich
wird sich eine Oppositionspartei, ganz egal ob SPÖ oder FPÖ, immer auf
Themen versuchen draufzusetzen. Umsetzen kann es immer nur die
Regierung, die tatsächlich politische Verantwortung trägt, und nicht der
Spielfeldrand, der hineinruft."
Vorhaben ist noch nicht in trockenen Tüchern
Apropos Regierung: In trockenen
Tüchern ist das Vorhaben wohl noch nicht. Gefragt, ob der Plan mit dem
Koalitionspartner abgesprochen sei, erklärte Nehammer: "Die Grünen
wissen das, dass die Volkspartei das immer schon auf ihrer Agenda
hatte." Wie man das dann bestmöglich umsetze, "ist natürlich noch der
politische Prozess". Bei Verfassungsfragen ist im Parlament außerdem
eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig - also die Zustimmung der SPÖ oder
der FPÖ.
Bankenvertreter haben übrigens erst vor einer Woche betont, dass die Bargeldversorgung hierzulande eine gute sei: "Österreich hat ein ganz besonders dichtes Bankomatennetz", entgegnete Franz Rudorfer, Geschäftsführer der Bundessparte Bank und Versicherung der Wirtschaftskammer, Kritik der SPÖ an angeblich mangelnder Versorgung im ländlichen Raum. So komme man in Österreich auf 97 Bankomaten pro 100.000 Einwohner, in Deutschland gebe es etwa nur 66 Geldautomaten auf 100.000 Einwohner. Zudem gebe es seit einigen Jahren eine zunehmende Anzahl von sogenannten Cash-back-Möglichkeiten, also dass in Geschäften Geld behoben werden kann.