Die Auswirkungen der Klimakrise bekommen meist nicht unbedingt deren Verursacher zu spüren. Kinder zählen dabei zu den besonders vulnerablen Gruppen.
Eine aktuelle Befragung im Rahmen des Forschungsprojekts "StartClim" unter armutsbetroffenen Familien in Österreich offenbart, dass hier oft kaum Möglichkeiten zu Gegenmaßnahmen gegen Hitze realisierbar sind. Rund ein Drittel gab für die eigenen Kinder eine sehr starke oder starke Belastung an.
"Unsere Wohnung ist sehr, sehr heiß. Wir haben einen kleinen Ventilator, der verteilt nur die heiße Luft. Alles andere wäre zu teuer", erzählte etwa eine Familie mit drei Kindern aus Wien. Insgesamt wurden 99 Haushalte mit 190 Kindern im Alter von null bis zehn Jahren in einem qualitativen Verfahren auf Belastung, Anpassungsstrategien und den Bedarf in Wohnung und öffentlichen Raum befragt. Die Ergebnisse wurden bei einem Medientermin von Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) und der Volkshilfe präsentiert.
Die bei den
Kindern wahrgenommenen spezifischen gesundheitlichen Veränderungen waren
unter anderem schlechterer Schlaf bei 67 Prozent, Unwohlsein und
vermehrtes Weinen (62), geringere Motivation, sich zu bewegen (54) und
Aggressionen bei rund jedem zweiten Kind (51). 45 Prozent nahmen zudem
körperliche Symptome wie Übelkeit, Ausschlag, Kopfschmerzen und
Schwindel oder einen Rückzug der Kinder (43). Zudem wurde ein
signifikanter Zusammenhang mit der Nennung dieser Hitzefolgen und der
2022 beobachteten Anzahl von Hitzetagen am jeweiligen Wohnort
registriert.
Die Befragung erhob auch, wie die Eltern ihr
Verhalten im Wohnraum und im öffentlichen Raum verändern und welche
Bedürfnisse sie hier haben. Die Möglichkeiten sind dabei jedoch sehr
begrenzt, wie sich am Beispiel einer niederösterreichischen Familie
zeigt. "Das Haus hat sich schon sehr aufgeheizt, im Obergeschoss sind es
gerade 29 Grad. Eine Klimaanlage und die damit verbundenen
Stromausgaben kann ich mir nicht leisten", berichtet diese. So bleibt
die Option, im Freien nach Abkühlung zu suchen, doch auch hier gibt es
Hürden. Fast die Hälfte der Haushalte gab an, wegen der Kosten keine
Option auf Besuche im Schwimmbad oder einen Ausflug an einen See zu
haben.
Gerade im Bereich der Infrastruktur fehle zudem die Miteinbeziehung der Perspektive von Kindern, sagte Hanna Lichtenberger im Gespräch mit der APA. Die Sozialwissenschafterin, bei der Volkshilfe im Bereich Kinderarmut, Asyl und Migration tätig, nannte Kleinigkeiten, wie nicht erreichbare Wasserhähne in Parks, aber im Gegenzug würden etwa schon Nebelduschen in der Öffentlichkeit helfen, die Hitze erträglicher zu machen. Insgesamt wäre eine kostenlose lokale öffentliche Infrastruktur sowohl klima- als auch sozialpolitisch ein Ansatzpunkt, um Familien in Armutslagen allgemein und insbesondere bei Hitze zu helfen, so das Ergebnis der Studie.