In Österreich leben derzeit 70 bis 80 Wölfe. Aus ökologischer Sicht ist ihre Präsenz positiv, doch die Wölfe hatten im ersten Halbjahr 2023 bereits 162 Schafe und Ziegen gerissen, so Christian Pichler vom Weltweiten fonds für die Natur (WWF).
Pichler plädierte dafür, Herdenschutz durch Hirten, Hunde und Zäune zu forcieren und finanziell adäquat zu fördern. "Seit circa 15 Jahren kommen die Wölfe aus allen Richtungen auf natürliche Weise nach Österreich zurück", berichtete Pichler. Weil ihre Populationen in Deutschland, Polen, Frankreich, Italien, der Schweiz, Kroatien, Slowenien und der Slowakei wachsen, gelangen vermehrt junge Wölfe aus diesen Ländern auf Partner- und Reviersuche ins Land. Ende des Vorjahres gab es hierzulande sieben Wolfsfamilien und zusätzlich rund 40 Einzelwölfe.
Wolfspräsenz in Österreich mache Herdenschutz laut Experten nötig
Es sei "aus ökologischer Sicht gut", dass sich der
Wolf wieder ansiedelt. "Er hat lange als natürlicher Gegenspieler des
Wildes gefehlt", sagte Pichler. Parasiten und Krankheiten hätten sich
dadurch vermehrt bei Wildtieren ausgebreitet. Pichler verwies darauf,
dass zum Beispiel belegt sei, dass durch die Anwesenheit der Wölfe
Tuberkulose bei Wildtieren eingedämmt wird. Auch wäre die Zahl der Rehe,
Hirsche und Wildschweine so sehr gewachsen, dass es unter anderem bei
wichtigen Schutzwäldern massiven Verbiss gibt.
Präsenz der Wölfe verursacht Konflikte
Die Präsenz der Wölfe verursacht freilich Konflikte. So gab es von Jänner bis Juni 2023 bereits 162 nachgewiesene Risse bei Schafen und Ziegen. Teilweise versuche man, dem mit Abschüssen entgegenzuwirken. In Kärnten wurden sechs "Problemwölfe" legal getötet, einer jeweils in Salzburg und Osttirol.
Zusätzlich töte man sie hierzulande oft illegal, wie ein jüngst im Bezirk Tulln (NÖ) in der Donau gefundenes Tier bezeuge. "Die Politik betreibt einen absolut destruktiven Kurs", sagte der Kärntner Schafzüchter und Biologe Leopold Feichtinger. "Es wird nur der Abschuss propagiert, obwohl das europarechtlich sehr fragwürdig ist", meinte Feichtinger.
Experten sind sich einig: Man solle in Herdenschutz investieren
Stattdessen solle man in Herdenschutz investieren,
waren sich die Experten einig. "In Österreich werden vor allem Schafe
großteils ungeschützt auf Weiden gehalten", kritisierte Pichler. Und er
betonte: "Aus unserer Sicht ist es nötig, umzudenken und endlich
Herdenschutz voranzutreiben". Zum Beispiel habe man bei Pilotprojekten
im Tiroler Oberland damit sehr gute Erfahrungen: "Dort gab es heuer noch
keine Risse, obwohl mehrere Wölfe in der Gegend nachgewiesen worden
sind.". Der Herdenschutz wird vom Land Tirol auch finanziell gefördert,
es sind sechs Hirten sowie neun Hütehunde im Einsatz. Sie betreuen 1.400
Schafe. Die Tiere werden Nacht für Nacht in wolfsicher eingezäunte
Übernachtungsplätze geführt und Tag für Tag zu Futterstellen geleitet.
Dies sei auch für die Artenvielfalt in der Region von Vorteil, denn
dadurch wird im Gegensatz zur "freien Weideführung" Über- und
Unterweidung bestimmter Flächen vermieden, hieß es. Zusätzlich habe sich
die Gesundheit der Schafe verbessert, weil Krankheiten wie "Moderhinke"
und "Gamsblindheit" schneller erkannt und unter Kontrolle gebracht
wurden.
"Grenzwertig" seien die Bedingungen für Hirten
"Grenzwertig" seien lediglich die Bedingungen für die
Hirten und Hirtinnen, stellte der WWF-Experte fest. Teils hätten diese
ungenügende sanitäre Einrichtungen in den Hütten, kein Fließwasser und
kaum Licht und Rückzugsräume.