Die aus dem Schwarzmeerraum eingewanderte Quaggamuschel breitet sich in den heimischen Gewässern zunehmend aus.
Der Bodensee-Fischerei macht sie schon lange zu schaffen, mittlerweile hat sie auch Gewässer in Oberösterreich und Kärnten erreicht. Ihre scharfkantigen Schalen sind nicht nur sehr unangenehm für Badende, sie können auch Rohre verstopfen, Stege und Boote beschädigen. Die Muschel zu entfernen ist schwer. Ihre Verbreitung kann man kaum verhindern, höchstens bremsen.
APA/H. BLATTERER
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Quaggamuschel breitet sich in Österreich aus
Der Name leitet sich vom ausgestorbenen Quagga Zebra ab, dessen Muster den Ringen auf der Schale der wenige Zentimeter großen Muschel ähnelte. Heimisch ist die Quaggamuschel (Dreissena rostriformis) im Aralsee und in den Zuflüssen des Schwarzen Meeres. Von dort wurden ihre winzig kleinen Larven durch Boote, Wassersportausrüstung, aber auch Vögel mittlerweile bis Mitteleuropa und Nordamerika verschleppt. Ihre hohe Toleranz gegenüber Temperatur, Nährstoffarmut oder Salzgehalt erleichtert ihr, in neuen Lebensräumen Fuß zu fassen und dort heimische Arten zu verdrängen.
Die invasive
Muschel hat längst den Bodensee für sich in Beschlag genommen. 2016
erstmals nachgewiesen, hat sie sich seither massiv ausgebreitet und ist heute praktisch überall im See zu finden. Für das Ökosystem Bodensee hatte und hat das drastische Auswirkungen: Weil sich die Quaggamuschel u.a. von Plankton ernährt, das sie aus dem Seewasser herausfiltert, kommen andere Arten - etwa der Bodenseefelchen - zu kurz.
Situation für die Bodenseefischerei verschlechterte sich
Das
und auch andere Gründe haben dazu geführt, dass sich die Situation für
die Bodenseefischerei enorm verschlechtert hat. Wurden bis 2015 rund um
den Obersee noch 400 bis 600 Tonnen an Speisefischen gefangen - zwei
Drittel davon Felchen - so waren es seither im Mittel 270 Tonnen. Im
vergangenen Jahr belief sich der Fangertrag auf 153 Tonnen Fisch. Damit
sich der Felchenbestand erholen kann, gilt ab 2024 ein dreijähriges
Fangverbot. Auch in Bezug auf die Trinkwasserversorgung - etwa vier
Millionen Menschen in Baden-Württemberg trinken Wasser aus dem Bodensee -
ist die Ausbreitung der Quaggamuschel
"problematisch, da diese sich an den Entnahmebauwerken und in den
Leitungen ansiedeln kann", wie es auf der Homepage der
Bodensee-Wasserversorgung heißt. Die Reinigung von Leitungen und
Filteranlagen ist aufwendig und entsprechend teuer.
In Oberösterreich dürfte die Quaggamuschel
2020 Attersee und Traunsee besiedelt haben. Mittlerweile wurde sie auch
im Mondsee, den Feldkirchner Badesee sowie den Flüssen Donau, Traun und
Ager nachgewiesen, informierte Umweltlandesrat Stefan Kaineder (Grüne)
über die Ergebnisse eines Monitorings, das im Juni mittels eDNA
(environmental DNA/Genmaterial aus organischen Rückständen, Anm.) an 23
oberösterreichischen Seen durchgeführt wurde. "Das schreitet massiv
voran", kennt auch Landesfischermeister Siegfried Pilgerstorfer das
Problem, machen könne man nur wenig dagegen. Die Muschel hafte extrem
fest am Grund des Sees und könne kaum entfernt - und auch nicht für
kulinarische Zwecke gepflückt - werden, Fischernetze verfangen sich in
ihr und werden beschädigt.
Quaggamuschel in Kärnten 2022 zum ersten Mal nachgewiesen, in OÖ 2020
In Kärnten ist die Quaggamuschel
2022 zum ersten Mal nachgewiesen worden. Entdeckt wurden Exemplare
bisher nur im Ossiacher See. Im Wörthersee und im Keutschacher See wurde
die Muschel per DNA-Test nachgewiesen. "Wir stehen ganz am Beginn der
Ausbreitung. Wie schnell das geht, ist nicht ganz prognostizierbar", sagte Martin Konar, Biologe am Kärntner Institut für Seenforschung auf APA-Anfrage. Um
der Ausbreitung entgegenzuwirken, werden die Menschen aufgerufen,
Wassersportgeräte und Badesachen nach dem Gebrauch sorgfältig mit heißem
Wasser zu reinigen. Problematisch sind laut Experten auch Boote, die von einem Gewässer in ein anderes verlegt werden.
Wenn sich die Quaggamuschel
vermehrt, breitet sie sich flächig auf jedem möglichen Untergrund aus.
Rohre oder Filter können so leicht verstopfen, aber auch Schiffsrumpfe
und Uferbereiche können betroffen sein. Die scharfen Kanten der Muscheln
könnten etwa Badende verletzen. Für Boote und Stege dürfte der
Wartungsaufwand steigen. Wie sich die Ökosysteme der Seen durch den
Vormarsch der Quaggamuschel
verändern, lässt sich schwer sagen, so Konar. "Bestimmte Fischbestände
werden vielleicht zurückgehen, andere Fischarten könnten profitieren."
Wegbekommen werde man die invasive Art jedoch nicht mehr.
In Niederösterreich und Salzburg wurden zwar noch keine Quaggamuscheln festgestellt, wohl aber eine Schwesternart, die ebenfalls invasive Zebramuschel: Diese ist
laut Land Niederösterreich mittlerweile in der Donau und in einigen
Zubringern weit verbreitet. Sie siedle sich ebenfalls an der Oberfläche
von Steinen, Kies sowie Totholz an und könne beim Badebetrieb Probleme
wie Schnittverletzungen verursachen, da auch sie sehr scharfkantig sei.
"Eine ökologische Beeinträchtigung der Wasserpflanzen und Fische ist bisher jedoch nicht aufgetreten", wurde betont.
Zebramuschel in Salzburg
In
Salzburg dürfte heuer ebenfalls die Zebramuschel wieder große
Populationen in den meisten Seen bilden. Quagga-Nachweise gab es aber
bisher noch keine. Laut der Abteilung Gewässerschutz des Landes werden
Anfang September Wasserproben an den Uferbereichen der großen Seen
entnommen. Anhand von DNA-Untersuchungen soll dann festgestellt werden,
ob die Quaggamuschel bereits Einzug im Bundesland gehalten hat. Ein positiver Nachweis lässt jedoch keine Rückschlüsse darüber zu, in welcher Menge sie in den jeweiligen Seen auftritt.
In der Steiermark wurde die Quaggamuschel - vorerst - noch nicht nachgewiesen, aber es wurden laut Auskunft des Referates für Gewässeraufsicht und Gewässerschutz im Rahmen eines österreichweiten Monitorings Proben von den drei großen steirischen Seen Grundlsee, Altausseer See und Toplitzsee an das Landwirtschaftsministerium zur eDNA-Analyse eingeschickt. Ergebnisse seien bis Ende des Jahres zu erwarten. Auch in Tirol ist derzeit kein Vorkommen der Quaggamuschel bekannt. Allerdings wird im Sommer bzw. Herbst das Artinventar sowohl heimischer als auch gebietsfremder Fisch-, Krebs- und Muschelarten in 40 ausgewählten Tiroler Seen erhoben. In diesem Zug soll geprüft werden, ob die Quaggamuschel in Tirol bereits vertreten ist, hieß es seitens des Landes. Auch im Burgenland wurde die invasive Art noch nicht nachgewiesen.