Am 12. August findet das Begräbnis für den Grazer "Armenpfarrer" und VinziWerke-Gründer Wolfgang Pucher, der im Urlaub in Kroatien plötzlich verstorben ist, statt.
Das teilten die VinziWerke sowie die Diözese Graz-Seckau am Freitag mit. Das Requiem wird um 14.00 Uhr - auf seinen Wunsch hin - in seiner Heimatpfarre Graz-St. Vinzenz im Stadtbezirk Eggenberg stattfinden. Dort haben üblicherweise nur rund 350 Menschen Platz, eine Live-Übertragung ist aber angedacht.
Begräbnis für Armenpfarrer Wolfgang Pucher am 12. August
Das Begräbnis wird danach wohl am Vinzi-Friedhof, einem Teil des Friedhofs St. Leonhard, nahe dem Vinzidorf, stattfinden. Dort wollte Pucher seine letzte Ruhe finden, hieß es am Freitag auf APA-Nachfrage seitens der VinziWerke. Einen etwas ungewöhnlichen Wunsch hatte er ebenfalls gegenüber seinen Mitmenschen öfter mitgeteilt: Er wollte, dass das Straßenschild der Heßgasse in sein Grab mit hineingelegt wird.
In
der Grazer Heßgasse, die heute übrigens namenlos ist, war in den
1970er-Jahren eine "Delogiertensiedlung". In vier Häusern lebten dort
damals rund 800 Menschen, davon 200 Kinder, ohne Dusche, ohne
Waschmaschine unter heute unvorstellbaren Umständen. Der Straßenname
stigmatisierte die Bewohnerinnen und Bewohner, wenn sie sich für eine
Arbeitsstelle bewarben. Pfarrer Pucher machte 1978 die Stadtpolitik
darauf aufmerksam, sodass diese Adresse schließlich gelöscht und die
Häuser den angrenzenden Gassen zugeordnet wurden. Das abmontierte
Straßenschild nahm Pucher damals an sich und bewahrte es seither auf.
Straßenschild im Sarg von Pfarrer Wolfgang Pucher
"Das
entfernte Straßenschild dieser Siedlung habe ich erhalten und ich habe
testamentarisch festgelegt, dass dieses Schild, wenn ich diese Welt
verlasse, in meinem Sarg auf meinen Körper gelegt wird", ließ er noch
vor seinem Tod sein Umfeld wissen. "Mein Leben ist nicht so fehlerfrei
und integer, wie ich es selber gerne gelebt hätte und wie andere
Menschen mich einschätzen. Ich weiß, dass ich vor meinem ewigen Richter
nicht so gut wegkomme, wie manche meinen. Die Straßentafel, die ich
mitbringe, ist für mich Zeichen meines guten Willens für die Ärmsten
unserer Pfarre und auch der Stadt Graz das Bestmögliche zu tun. Was in
vielen Fällen auch tatsächlich gelungen ist. Ich werde Gott bitten, mich
für den Dienst an den Armen in jene ewige Gemeinschaft aufzunehmen, zu
der wir alle unterwegs sind." Dieses Zitat Puchers wurde am Freitag
seitens der VinziWerke der APA übermittelt.
Ablauf von Requiem und Begräbnis
Der genaue Ablauf von
Requiem und Begräbnis wird nun seitens der Diözese Graz-Seckau geplant.
Klar ist, dass die Pfarre St. Vinzenz wohl nicht für die vielen Menschen
genug Platz haben wird, die sich von Pucher verabschieden wollen. Daher
wird das Requiem wohl via Livestream ins Internet übertragen. Details
sollen in den kommenden Tagen festgelegt werden.
Seitens der
VinziWerke sieht man sich nach dem Tod Puchers vor einer großen Lücke:
Der Geistliche habe oft mit wenigen Anrufen viel erreicht, wenngleich er
nicht mehr ins operative Tagesgeschäft der Organisation eingebunden
war. Dennoch war er eine "richtungsweisende Größe, moralische Instanz
und geistlicher Beirat", hieß es. Zeit seines Lebens habe er sich
gewünscht, dass "die Menschen die VinziWerke weitertragen", auch nach
seinem Tod. Die Hilfsorganisation bitte daher "alle Menschen, die uns
bisher verbunden waren, uns auch weiterhin zu unterstützen". Neue
helfende Hände seien ebenfalls immer willkommen.