Vor einer dramtischen Situation auf Österreichs Wohnungsmarkt warnen am Donnerstag sechs Bauträger.
Die Gründe dafür seien insbesondere hohe Baukosten, teure Grundstückspreise und komplizierte, langwierige Bauverfahren. Die neu gegründete Initiative "Mehr leistbaren Wohnraum schaffen" forderte bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien beschleunigte Verfahren und einfachere Regelungen. Laut Wohnbauexperte Wolfgang Amann braucht es "dringend mehr geförderten Wohnbau in Österreich".
Sechs Bauträger warnen vor einer Wohnkosten-Explosion 2023
Gab es im Jahr 2021 laut Angaben der Bauträger-Initiative noch 77.100 bewilligte Wohnungen in Österreich, ging dieser Wert binnen eines Jahres um fast 20 Prozent auf 62.600 zurück. Das sei der geringste Wert seit 10 Jahren. "Unsere Studien haben ergeben, dass sich der Trend 2023 fortsetzen wird. Aktuell gehen wir von 51.400 bewilligten Wohnungen und somit einem Rückgang von 33,3 Prozent gegenüber 2021 aus", schlug Experte Amann Alarm. Demgegenüber stehe ein deutlich höherer Bedarf, insbesondere in Ballungszentren wie Wien. Als ein Grund dafür wurde die zunehmende Migration, allen voran durch Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, genannt.
Initiative präsentierte Fünf-Punkte-Plan gegen Wohnungsnot
Die
Initiative "Mehr leistbaren Wohnraum schaffen" präsentierte am
Donnerstag ihren Fünf-Punkte-Plan gegen die Wohnungsnot. So sollte
leistbarer Wohnraum in Zukunft wie große Infrastruktur- oder
Energieprojekte als öffentliches Interesse klassifiziert werden:
"Leistbares Wohnen stellt ein öffentliches Interesse dar - und ist daher
schützenswert. Hier müssen die Verfahren beschleunigt und der
Normen-Dschungel deutlich abgebaut werden", verlangte Thomas Drozda,
Vorstandsdirektor des Bauträgers ARWAG.
"Energiepreise sind im Vergleich zur Miete sehr stark gestiegen"
Drozda betonte, es sei im
Eigeninteresse der Politik, sich mit dem Thema zu beschäftigen.
Leistbarkeit ist für ihn in Relation zum Nettoeinkommen zu sehen: "Die
Energiepreise sind im Vergleich zur Miete sehr stark gestiegen. Viele
Menschen können sich das Wohnen nicht mehr leisten. Die Schuld werden
sie nicht bei der Opposition suchen."
Die Initiative regt zudem
eine Neugestaltung der Einspruchsrechte für Anrainer an: "Die Timeline
ist ein massives Thema: Die Verfahren dauern immer länger und die
Rechtssicherheit ist erst am Schluss gegeben", betonte Wolfgang
Wahlmüller, stv. Generaldirektor des Österreichischen Siedlungswerks
(ÖSW). Heute gebe es drei Instanzen bei Bewilligungsverfahren. Würde es
in zweiter oder dritter Instanz zu einem Baustopp kommen, sei dies mit
erheblichen Kosten verbunden.
Lange Verfahren zur Genehmigung können zu höheren Kosten führen
Auch im Fall einer Genehmigung
können lange Verfahren zu höheren Kosten führen. Die Material- und
Refinanzierungskosten sind zuletzt stark gestiegen. "Das sind Kosten,
die in die Miete einfliessen und die schlussendlich die Bewohner
bezahlen", ergänzte der Obmann der Siedlungs-Genossenschaft
Altmannsdorf-Hetzendorf, Heribert Thurner. Baurechtliche und
Umweltschutz-Verfahren sollten z.B. gleichzeitig stattfinden, um
schneller abgeschlossen zu sein. Naturschutz solle aber nicht gegen den
Wohnbau stehen: "Wir wollen zusammenarbeiten. Keiner möchte in einer
ungesunden Natur leben", unterstrich Siegfried Igler, Obmann "Neues
Leben".
Wohnbauexperte appellierte an Politik für mehr leistbares Wohnen
Wohnbauexperte Wolfgang Amann appellierte an die Politik,
für mehr leistbare Wohnungen auch den Leerstand anzugehen: "Es muss mehr
Anreize geben, damit mehr Menschen ihre Anlageobjekte vermieten." In
einigen Bundesländern gebe es bereits Initiativen, die den Leerstand
teurer machten. Amann verlangt aber auch entschärfte Mietregelungen für
Privatvermieter, beispielsweise geringere Mieterschutzansprüche als bei
institutionellen Vermietern.