Seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle "2x" (2018) kann Sängerin Mathea auf ziemlich ereignisreiche Jahre zurückblicken.
Charterfolge, ein Amadeus-Award, zig Millionen Streams bei Spotify und Kollaborationen mit namhaften Kollegen wie RAF Camora oder Clueso. "Ich habe alles dafür gemacht, dass es so passiert", meint sie im Rückblick. "Es war schon eine starke Vision da." Vor kurzem hat mit der Single "Du + ich" das nächste Karrierekapitel begonnen.
Popstar Mathea beginnt mit Single "Du + ich" nächstes Karrierekapitel
Das Leben der gebürtigen Salzburgerin hat sich seit ihrem Eintritt ins Musikbusiness ordentlich gedreht. Bei ihrer jüngsten Tour vergangenen Herbst jubelten ihr die Fans zu, ihren Lebensmittelpunkt hat sie mittlerweile in Berlin. Dabei waren die äußeren Vorzeichen nicht einfach, als ihr erstes Album "M" im Frühjahr 2020 veröffentlicht wurde. "Das war mitten im ersten Lockdown, weshalb mir viele Leute davon abgeraten haben", erinnert sich Mathea im APA-Gespräch. "Eine klassische Album-Promophase ist ja enorm groß, man fährt zu Radiosendern, spielt Konzerte, gibt eine Releaseparty. Mir war es aber trotzdem wichtig, das Album rauszubringen - und es ist tatsächlich sehr gut gelaufen."
Tour von Mathea musste wegen Corona dreimal verschoben werden
Ihre Tour musste sie allerdings dreimal verschieben. "Das tut mir immer noch weh, dass ich so viel Zeit verloren habe. Dafür geht es jetzt so richtig los!", zeigt sich die seit wenigen Tagen 25-Jährige zuversichtlich. Der neue Song leite jedenfalls auch eine "neue Mathea-Ära" ein. "Nach dem ersten Album habe ich bestimmt 100 Lieder geschrieben und versucht, mich weiterzuentwickeln und den Sound zu finden, den ich mit dem zweiten Album machen möchte. Es wird sehr geprägt sein von Einflüssen aus Techno, Dance und Hip-Hop - aber trotzdem noch Pop bleiben."
Textlich wollte Mathea ihrem Weg treu bleiben
Vor allem textlich wolle sie ihrem
bisherigen Weg treu bleiben. "Es ist einfach sehr persönlich und
ehrlich", nickt Mathea, die zwischenmenschliche Dinge oft sehr direkt
anspricht. Insofern passt die Entstehungsweise der Nummern dazu. "Ich
habe sehr viel ausprobiert", verweist sie auf Songwritingteams und
Kreativsessions. Letztlich war es aber das intime Setting bei ihr
zuhause, das am fruchtbarsten gewirkt hat. "Es war eher so: Wir treffen
uns, verbringen eine coole Zeit und schreiben auch noch einen Song",
erzählt sie von der Zusammenarbeit mit Kollegen wie Gerard, der schon
beim Debüt maßgeblich beteiligt war. "Das war ein Lernprozess. Im
Studiokontext ist immer alles so aufgebauscht, es passiert viel
drumherum. Ich brauche aber einen Safe Space, um meine Texte schreiben
zu können."
Sängerin Mathea: "Ich traue mir mehr Dinge anzusprechen"
Die Erfahrung und das in den vergangenen Jahren
aufgebaute Selbstvertrauen spiegeln sich in den einzelnen Zeilen wieder.
"Ich traue mir mehr Dinge anzusprechen - wohl auch, weil ich einfach
älter geworden bin. Es ist sehr reflektiert, ich öffne mich sehr", gibt
sie einen Ausblick auf die Stücke, von denen einige noch im Laufe des
Jahres erscheinen sollen. "Ich habe einfach gemerkt, dass das die Art
von Kunst ist, die ich machen muss, um Sachen los zu werden." So könne
sie ihren Fans vermitteln, dass selbst bei ihr nicht immer nur
Sonnenschein herrscht. "Aber es gibt diesen oder jenen Weg raus!"
Das umstrittene Outfit der Sängerin beim Benefizkonzert für die Ukriane. Credit: APA
Klare Worte des Popstars für ihre Kritiker
Klare
Worte findet Mathea unterdessen für Kritiker. So hat beispielsweise ihr
Outfit bei einem Benefizkonzert für die Ukraine vergangenes Jahr für
viel Aufsehen und teils negative Kommentare gesorgt. "Das ist leider
etwas, was mich als Musikerin verfolgt und wo ich das abkriege im großen
Stil, was Frauen tagtäglich abbekommen." Sie habe nicht damit
gerechnet, dass ihr Styling so große Wellen schlagen würde. "Letztlich
war ich aber irgendwie happy, dass es so viel Aufmerksamkeit bekommen
hat, weil ich meine Message verbreiten konnte." Im Feminismus gehe es
schließlich um Gleichberechtigung. Trete aber ein Musikerkollege
oberkörperfrei auf eine Bühne, werde das kaum registriert. "Man sieht,
dass wir als Gesellschaft noch nicht wirklich weit sind", verweist sie
auf abschätzige Fragen in Interviews. Ihren Fans habe sie jedenfalls
mitgeben wollen: "Zieht euch an, was ihr wollt! Wir lassen uns von
niemandem irgendeinen Scheiß reindrücken."
Der Stellenwert von Mode für die Künstlerin
Wer Mathea auf den
diversen Social-Media-Plattformen folgt, erkennt ohnehin schnell den
Stellenwert von Mode für die Künstlerin. "Das hat sich schon verändert.
Ich habe mich viel mit Fashion beschäftigt und bin wirklich in diese
Welt eingetaucht. Insofern ist die Ästhetik für mich enorm wichtig
geworden. Ich habe Spaß daran, meine Musik visuell zu unterstreichen und
dem eine weitere Ebene geben zu können." Zudem seien Instagram und Co
eine Möglichkeit, "eine direkte Verbindung zu den Hörerinnen und Hörern"
aufzubauen. "Als Promotool ist es großartig, vor 20 Jahren hätte man
sich das als Künstlerin oder Künstler gewünscht. Aber klar, der
Algorithmus braucht Content, das ist durchaus stressig."
Mathea: "Sitze nicht aktiv im Studio und denke mir TikTok-Hooks aus"
In der
Musik spielen die Ausspielkanäle jedenfalls nur eine untergeordnete
Rolle. "Ich sitze nicht aktiv im Studio und denke mir TikTok-Hooks aus",
lacht Mathea. "Aber natürlich ist das in meinem Kopf präsent. Im
Nachhinein machen wir uns sehr viele Gedanken, welcher Song wo gut
platziert werden könnte. Im Prozess selbst versuche ich mich aber davon
so frei wie möglich zu machen. Würde ich danach gehen, würde das meinen
ohnehin schon vorhandenen Perfektionismus auf ein ganz anderes Level
treiben." Und allen Klickzahlen zum Trotz, sei das Liveerlebnis mit
nichts zu vergleichen. "Vor einer Crowd zu stehen, die dir deine Songs
entgegenschreit - das ist ein unfassbares Gefühl." Wer mitfühlen möchte,
hat heuer etwa beim Szene Open Air in Lustenau oder beim
Frequency-Festival in St. Pölten Gelegenheit.