Am späten Montagabend (Ortszeit) verurteilte EU- und Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) im UNO-sicherheitsrat in New York Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine.
Sie rief Russland dazu auf, seine Truppen unverzüglich und bedingungslos aus der ganzen Ukraine - innerhalb der international anerkannten Grenzen - abzuziehen. Es ist die erste Stellungnahme eines österreichischen Regierungsmitglieds vor dem UNO-Sicherheitsrat seit dem Beginn von Russlands Invasion.
Edtstadler verurteilt Russlands Krieg vor UNO-Sicherheitsrat
Edtstadler kritisierte Russlands
"grundlosen und nicht zu rechtfertigenden Angriffskrieg" als
unverhohlene Verletzung der Charta der Vereinten Nationen, die nicht
unbeantwortet bleiben dürfe. "Ein Angriff gegen ein Mitglied dieser
Organisation ist eine Angriff gegen uns alle." Die Achtung von
Völkerrecht sei keine Option, sondern eine Verpflichtung. Man dürfe
nicht akzeptieren, dass das Recht des Stärkeren Vorrang über
Rechtsstaatlichkeit erhalte. Unverhohlene Verletzungen des Völkerrechts
müssten von der internationalen Gemeinschaft mit entschiedenen
Konsequenzen beantwortet werden.
Edtstadler übte auch Kritik am UNO-Sicherheitsrat selbst
Dabei übte Edtstadler Kritik am UNO-Sicherheitsrat selbst, dem Russland
als permanentes Mitglied angehört. "Das Schweigen dieses Rates, des
mächtigsten Gremiums in dieser Organisation, angesichts der russischen
Aggression ist zutiefst beunruhigend."
Edtstadler übte Kritik an Konsequenzen für Ukrainer
Edtstadler
kritisierte in ihrer Rede weiters die schrecklichen Konsequenzen für
die ukrainische Zivilbevölkerung. Sie erinnerte daran, dass sie sich von
den Zerstörungen und dem Horror selbst ein Bild im vergangenen November bei einer Reise nach Kiew gemacht hatte. Österreich verurteile vehement die absichtlichen Angriffe Russlands auf die ukrainische Infrastruktur. "Die humanitären Folgen, wie die Zerstörung des Kachowka-Staudamms, sind beispiellos."
Edtstadler: "Viele dieser Handlungen stellen Kriegsverbrechen dar"
"Viele
dieser Handlungen stellen Kriegsverbrechen dar, und einige können sogar
auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinauslaufen, wie die in Wien
ansässige UNO-Untersuchungskommission herausgefunden hat", so Edtstadler
weiter. Man dürfe nicht zu Gleichgültigkeit übergehen. Nachdem
Straffreiheit nur den Zyklus der Gräueltaten weiter befeuere, "müssen
und werden die Täter zur Verantwortung gezogen werden". Österreich
unterstütze dies voll und ganz, auch durch den Internationalen
Strafgerichtshof.
Aufruf an Russland, den Transprot von Getreide nicht zu blockieren
Edtstadler rief Russland
auch in Hinblick auf die Initiative für den sicheren Transport von
Getreide und Lebensmitteln aus ukrainischen Häfen dazu auf, eine
Verlängerung nicht zu blockieren. Die Auswirkungen auf Lebensmittel- und
Energiepreise weltweit seien eine direkte Folge der russischen
Aggression. Edtstadler lobte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für seine Schwarzmeer-Initiative.
Edtstadler forderte Verurteilung der nuklearen Drohungen Russlands
Edtstadler forderte auch eine Verurteilung der wiederholten nuklearen Drohungen Russlands. "Die nuklearen Risiken sind heute höher als sie für viele Jahrzehnte lang waren, sogar höher als am Höhepunkt des Kalten Kriegs."
Nuklearwaffen hätten das Potenzial für katastrophale Folgen, humanitär
und für die Umwelt. Dies unterstreiche die Notwendigkeit für
Fortschritte in der nuklearen Abrüstung und für ein Abgehen vom
Paradigma der nuklearen Abschreckung. Das Atomwaffen-Tabu müssen bewahrt
werden, jede Drohung eines Einsatzes bleibe untragbar. Es sei auch
wichtig, dass die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) die in
diesem Krieg anvisierten Atomkraftwerke sichere.