"Diese Koalition ist nicht am Ende", sagte Grünen-Klubobfrau Sigrid Maurer im Sommerinterview mit der APA.
Maurer will die Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP im Bund bis zum Schluss fortsetzen. Die Bilanz der vergangenen Jahre spreche trotz aller Differenzen für sich. Regieren würden die Grünen gerne auch nach der Nationalratswahl, mit allen Optionen, aber "niemals mit den Freiheitlichen". Die türkis-blauen Koalitionen in den Ländern kritisierte Maurer vehement.
"Wir haben
in diesen dreieinhalb Jahren mehr für den Klimaschutz weitergebracht,
als in den drei Jahrzehnten davor passiert ist", betonte Maurer. Auch
auf Klimaticket, Plastikpfand, Sozialleistungsvalorisierung oder
Pflegestipendium verwies sie, "jetzt steht noch eine große
Gesundheitsreform bevor". Beim offenen Informationsfreiheitsgesetz sei
sie sehr zuversichtlich, da habe ÖVP-Verfassungsministerin Karoline
Edtstadler "ihre Hausaufgaben noch fertig zu erledigen". Nicht vergessen
dürfe man, dass es sich dabei um das letzte Puzzlestück eines riesigen
Antikorruptionspakets handle, das bereits beschlossen sei. Für anderes
wolle man weiterkämpfen, auch für das Klimaschutzgesetz.
Grünen-Klubchefin Maurer im Interview
"Wir
Grüne haben einen Gestaltungsanspruch", unterstrich sie, entsprechend
wollen die Grünen auch nach der nächsten Wahl wieder mitregieren. "Wir
sind vollkommen überzeugt davon, dass wir bei der Klimakrisenbekämpfung
weiter Tempo machen müssen, um künftigen Generationen überhaupt noch
einen Planeten, der bewohnbar ist, übergeben zu können", sagte sie:
"Keine andere Partei ist hier glaubwürdig." Damit verbundene Ängste will
Maurer direkt angehen. Ihr Credo: "Damit wir unser Land und unsere
Lebensqualität bewahren können, müssen wir uns verändern."
In
welchen Konstellationen das möglich sein werde, "darüber wird das
Wahlergebnis entscheiden und nicht ich". Es sei leider zu beobachten,
dass in einigen europäischen Ländern rechtskonservative bis
rechtsextreme Politiker an die Macht kämen. Deren Kurs, statt auf
Lösungen auf Hetze zu setzten und letztlich das Schlechteste aus den
Menschen herauszuholen, verurteile man aufs schärfste. "Es ist die
Aufgabe demokratischer Parteien, sich zusammen zu sammeln und hier klare
Linie zu fahren", sagte sie: "Logischerweise würden die Grünen niemals
mit den Freiheitlichen koalieren." Wie die ÖVP das sehe, sei für diese
die "Gretchenfrage".
"Natürlich erfüllt es mich mit Sorge, wenn eine einst staatstragende Partei in diese Richtung kippt."
"Natürlich erfüllt es mich mit Sorge, wenn
eine einst staatstragende Partei in diese Richtung kippt. Wir halten
dagegen", sagte sie etwa in Richtung der Volkspartei in Niederösterreich
und deren Regierungsprogramm mit der FPÖ unter Udo Landbauer.
ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner habe sich von ihrer
Selbstvermarktung als Landesmutter verabschiedet und setze nun auf
Polarisierung und Abgrenzung: "Johanna Mikl-Leitner hat sich damit
selbst ein Stück weit aus dem Spiel genommen. Jedenfalls, was Seriosität
und tatsächliche Politik für die Breite betrifft."
Die von
Mikl-Leitner vorgenommene Abgrenzung als "normal denkenden Mitte"
wertete sie als problematisch. "Wer sind denn die nicht Normalen? Ist es
das schwule Pärchen mit einem Kind?", fragte sie. Seien Zuwanderer etwa
aus der Ukraine nicht normal oder Menschen mit Behinderung? "Politik
muss sich immer um alle Menschen kümmern", unterstrich die Klubobfrau:
"Und die Mitte ist dort, wo die Menschen sind - in ihrer gesamten
Vielfalt und ihrer gesamten Unterschiedlichkeit." Der grüne Zugang sei
es, das gemeinsame vor das Trennende zu stellen.
Allzu große
Sorgen, dass türkis-blaue Regierungen Errungenschaften etwa im
Klimaschutz wieder zurückdrehen könnten und Verfassungsmehrheiten für
weitere entsprechende Vorhaben nach der nächsten Wahl außer Reichweite
rücken könnten, will sich Maurer nicht machen. "Ich bin absolut keine
Anhängerin der Depression und des Pessimismus", betonte die Klubobfrau.
Schon bisher sei die Koalition unter schwierigsten Rahmenbedingungen -
drei verschiedene Bundeskanzler, Pandemie, die Teuerungskrise oder der
Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine - beim Gesetzesoutput sehr
produktiv gewesen.
Schnedlitz wies Kritik von Maurer zurück
"Da verschieben sich die Dinge", verwies Maurer
auf die Gaskrise und den forcierten Ausstieg aus fossiler Energie:
"Das, was die Grünen jahre- oder jahrzehntelang gepredigt haben und
wofür man mitunter belächelt wurde, ist mittlerweile Staatsräson."
FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz wies in einer Aussendung am Samstag die von Maurer an seiner Partei geübte Kritik zurück. Die Grünen repräsentierten nicht einmal ansatzweise die Mitte, und Maurers Aussagen hätten einen tiefen Blick in das grüne Demokratieverständnis gegeben, "Das zeigt das wahre Gesicht der Grünen", meinte er: "Alles, was ihnen nicht zu Gesicht steht, sollte ausgegrenzt und am besten wohl gleich verboten werden. Damit beweist diese Partei einmal mehr, dass sie der Inbegriff einer Ausgrenzungs- und Verbotspartei ist. Es sind in Wahrheit die Grünen, mit denen kein Staat zu machen ist."