Das lange ausstehende Klimaschutzgesetz will Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) weiterhin Realtität werden lassen.
Das möchte Gewessler trotz Widerstands des Koalitionspartners ÖVP in der aktuellen, bis September 2024 laufenden Legislaturperiode. Im Ö1-"Mittagsjournal" sah sie Österreich auf einem guten Pfad. Die Treibhausgasemissionen seien 2022 laut derzeit laufender Berechnungen des Umweltbundesamts um mehr als 6 Prozent gegenüber 2021 gesunken.
Kopf wertete Realisierung des Klimaschutzgesetzes als unwahrscheinlich
Dass
Wirtschaftsbund-Generalsekretär und ÖVP-Mandatar Karlheinz Kopf die
Realisierung des Gesetzes mit verpflichtenden Emissionsreduktionspfaden
zuletzt als eher unwahrscheinlich gewertet hat, ließ Gewessler unbeirrt.
Vor nicht allzu langer Zeit habe Kopf auch prophezeit, dass Österreich
nie ein Pfandsystem bekommen werde, und nun werde genau das Realität.
"Ich lasse mich beim Klimaschutz von einzelnen Abgeordneten nicht aus
der Bahn werfen", sagte sie: "Da würde ich nicht weiterkommen."
Auf
Sektorziele zu verzichten, wie es Kopf ebenfalls vorgeschlagen hat,
will Gewessler nicht. Wichtig sei, "dass wir ein ehrliches Gesetz machen
und ein Gesetz, das wirkt". Dafür brauche es einen ehrlichen Blick,
welcher Sektor welchen Beitrag leiste. Eine ähnliche Diskussion habe man
unter anderem in Deutschland geführt, und auch auf europäischer Ebene
gebe es erst jetzt wieder Ziele für einzelne Sektoren.
"Erneuerbares Wärme Gesetz" soll umgesetzt werden
Die
Ministerin nannte auch das "Erneuerbare Wärme Gesetz" mit dem Ausstieg
aus Gasheizungen als Vorhaben, das im letzten Jahr der
Regierungszusammenarbeit mit der ÖVP noch umgesetzt werden soll. Nach
dem Ende der Zweidrittelblockade der SPÖ habe es bereits Gespräche auf
parlamentarischer Ebene gegeben. Zur Frage, ob sich nicht im
Verkehrsbereich zu wenig tue, verwies Gewessler auf Rückgänge der
Treibhausgasemissionen in allen Bereichen. Zwar spiegelten sich hier
auch die hohen Energiepreise wieder, das sei aber nicht allein
ausschlaggebend. Bei 5 Prozent Wirtschaftswachstum im Vorjahr seien die
Emissionen um mehr als sechs Prozent zurückgegangen.
Von der SPÖ
kam in Sachen Erneuerbare Wärme ein Dementi. Man sei seit Wochen
verhandlungsbereit, "aber einen echten Verhandlungstermin gibt es bisher
nicht. So wird man die Klimawende nicht schaffen", kritisierte
Umweltsprecherin Julia Herr in einer Aussendung: "Zahlreiche wichtige
Gesetzesvorhaben stagnieren seit Monaten, weil sich die Grünen nicht in
der Regierung gegen die ÖVP-Blockadepolitik durchsetzen können. Das geht
zu Lasten der Bevölkerung und zeigt nur zu deutlich, dass sich diese
Regierung überlebt hat."
Hafenecker wertete Gewessler als Fehlbesetzung
FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker wertete Gewessler nach diesem Interview als absolute Fehlbesetzung. Die Grünen ordneten alles dem Klimaschutz unter, meinte er in einer Aussendung, "ohne Vernunft und Rücksichtnahme auf Landsleute, die bei diesem Klimakommunismus unter die Räder kommen". Für NEOS-Umweltsprecher Michael Bernhard lügen sich die Grünen hingegen in die eigene Tasche. "Die entscheidenden Gesetze und Reformen fehlen, für die Menschen in Österreich hat die grüne Regierungsbeteiligung keine nennenswerten Verbesserungen gebracht", konstatierte er.