Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) hat eine Koalition mit FPÖ-Chef Herbert Kickl ausgeschlossen.
Dieser sei ein "Sicherheitsrisiko" für das Land und auch ein Risiko für die Freiheitlichen, "weil mit ihm kein Staat zu machen ist", erklärte der ÖVP-Obmann bei einem Hintergrundgespräch am Dienstag. Die Regierungsarbeit lobte Nehammer, die grüne Kritik an Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner ist für ihn "ideologisch" gefärbt.
Nehammer schließt Koalition mit Kickl aus
Der Kanzler zeigte sich überzeugt, dass man die Regierungstätigkeit bis zur Wahl wie geplant weiterführen werde. Als wichtige Projekte für das heurige Jahr sieht er die Weiterführung der Gesundheitsreform sowie den Finanzausgleich, bei dem sich Nehammer zwischen den Regierungsverhandlern und den Ländern als "Mediator" sieht.
Das
Arbeitsklima in der Koalition betrachtet der Regierungschef als "gut"
und "vertrauensvoll". Man kenne die Konfliktpunkte und Unterschiede der
beiden Parteien: "Wir gehen routiniert mit Konflikten um."
Nehammer kritisierte Wortwahl von Kogler
Erst
auf Nachfragen kritisierte Nehammer die Wortwahl von Vizekanzler Werner
Kogler (Grüne), der Aussagen Mikl-Leitners als "präfaschistoid"
bezeichnet hatte. Er habe die Grünen schon früher als pragmatisch und
lösungsorientiert, in manchen Fragen aber auch als ideologisch und
dogmatisch kennen gelernt. Die entsprechende Äußerung reihte er in
zweitere Kategorie.
Dass sich die Landeshauptfrau des Begriffs
Normalität bedient hatte, um darzustellen, woran sie sich orientiere,
verteidigte der Kanzler. Er finde es nicht normal, dass über solch einen
Begriff überhaupt so lange diskutiert werde: "Ich halte das für ein
Weggehen von den Sorgen der Menschen." Man solle so etwas durchaus sagen
können, ohne in den Generalverdacht zu kommen, Minderheiten
diskriminieren zu wollen.
Kritik an Kickl von Karl Nehammer
Nicht sparsam mit Kritik ging Nehammer
mit FPÖ-Chef Kickl um: "Bundeskanzler und Kickl sind Begriffe, die sich
eigentlich ausschließen." Durch alles, was dieser bisher auch in
Regierungsfunktion gezeigt habe, sei er ein "Sicherheitsrisiko" für das
Land. Auch dass Kickl "sehr stark russischer Propaganda verfallen" sei,
richte sich gegen die nationale Sicherheit. Zudem ziehe der
FP-Vorsitzende die wehrhafte Neutralität in Zweifel, wenn er gegen den
Raketenschutzschirm Sky Shield sei. Die Neutralität will Nehammer
übrigens nicht debattieren. Dies sei in Österreich nur eine
Eliten-Diskussion.
Sein Ziel sei es jedenfalls, einen
Bundeskanzler Kickl zu verhindern, erklärte Nehammer. Wenn dieser nicht
Platz eins belege, gehe er davon aus, dass der FPÖ-Chef auch nicht als
Vizekanzler zur Verfügung stehe. Eine Zusammenarbeit mit ihm lehnte
Nehammer auf Nachfrage dezidiert ab, nicht aber mit der FPÖ. In dieser
seien ja auch andere Politiker tätig.
Inhaltlich setzt Nehammer weiter auf Innovation. Schon für Donnerstag lädt der Kanzler zu einem Mikrochip-Gipfel, zu dem etwa die Chefs von Infineon und AT&S erwartet werden. Österreich gehöre in dem Bereich zu den europäischen Top-Vier-Nationen mit 72.000 Arbeitsplätzen. Sein Ziel sei es, so weit zu kommen, dass Österreichs Identitätsmerkmal nicht nur Lipizzaner und Mozartkugeln seien sondern auch die Mikrochips-Produktion. Bei dem Gipfel soll nun erörtert werden, welche Rahmenbedingungen die Branche brauche.