Scharfe Kritik haben die Länderchefs bei den Verhandlungen zum Finanzausgleich am Bund geübt. Die bisherigen Vorschläge seien eine "Gefahr für die Daseinsvorsorge" und damit "inakzeptabel".
Bei den Verhandlungen zum Finanzausgleich kritisieren die Landeschefs am Dienstag eine "Hinhaltetaktik des Bundes". Diese seien eine Gefahr für die Daseinsvorsorge, hieß es nach einem Treffen im Wiener Rathaus, an dem laut einer Aussendung heute die Landeshauptleute Hans Peter Doskozil (Burgenland, SPÖ), Thomas Stelzer (Oberösterreich, ÖVP), Markus Wallner (Vorarlberg, ÖVP) und Gastgeber Michael Ludwig (SPÖ) teilgenommen haben.
Ländern fordern beim Finanzausgleich mehr Geld vom Bund
Im Rahmen der gemeinsamen Beratungen hätten die vier Landeschefs, die stellvertretend die Verhandlungen zum Finanzausgleich mit dem Bund führen, klare Position bezogen, teilte man mit. "Aufgrund der deutlich ansteigenden Aufgabenbereiche von Ländern und Gemeinden ist die Neuverteilung der gemeinsamen Ertragsanteile unerlässlich. Wir fordern daher eine Erhöhung des vertikalen Schlüssels auf 24,959 Prozent für die Länder und 14,550 Prozent für die Gemeinden. Nur so können wir eine nachhaltige Daseinsvorsorge für die Bevölkerung sicherstellen und notwendige Investitionen in den Bereichen Klimaschutz und Infrastruktur ermöglichen", hieß es.
Vorschläge vom Bund für Finanzausgleich Gefahr für Versorgung der Bevölkerung
Der in der Vorwoche eingebrachte Vorschlag
des Bundes stelle eine Gefahr für die Versorgung der Bevölkerung dar,
wurde befunden. "Denn trotz der prognostizierten demografischen
Entwicklung werden vom Bund etwa im Bereich der Pflege keine Mittel
zusätzlich zur Verfügung gestellt. Auch ist der Bund nicht bereit, den
künftigen Bedarf in Form einer adäquaten Valorisierung abzudecken. Unter
diesen Rahmenbedingungen können Pflege und Gesundheit nicht ausreichend
finanziert werden. Die Aufgaben, die wir zu erledigen haben, brauchen
einfach mehr Geld um die Standards aufrecht zu erhalten können."
Verwiesen wurde auch auf eine aktuelle Studie des WIFO, wonach Aufgabenbereiche wie Gesundheit, Pflege, Soziales oder Bildung eine "deutlich dynamischere Entwicklung" auf als die Bundesaufgaben aufweisen würden. Der derzeitige Verteilungsschlüssel (68 Prozent Bund, 20 Prozent Länder, 12 Prozent Gemeinden) im Finanzausgleich wird nach Ansicht der Länder den Herausforderungen daher nicht mehr gerecht.
Länder fordern bei Finanzausgleich Schließung von "finanziellen Deckungslücken"
Der
am 3. Juli vorgelegte Vorschlag des Bundes erweise sich bei "genauer
und saldierter Betrachtung als inakzeptabel", hielt man fest. So würden
entgegen den vom Bund behaupteten 2 Mrd Euro jährlich lediglich rund 213
Mio. Euro für die Länder bzw. rund 260 Mio Euro für die Gemeinden in
Form von "frischem Geld" in Aussicht gestellt.
Man poche darum erneut auf die bereits im Mai getroffenen Beschlüsse der Länder. Die notwendige Anpassung des vertikalen Schlüssels sei unumgänglich, da die Bundesländer derzeit zusätzliche finanzielle Mittel in der Höhe von 4,835 Mrd Euro und die Gemeinden zusätzliche finanzielle Mittel in der Höhe 2,754 Mrd Euro pro Jahr benötigen würden - damit das vertikale Ungleichgewicht aufgehoben und die vorhandenen "finanziellen Deckungslücken" geschlossen werden könnten, wie man vorrechnete.