Im Vorjahr hat die Regierung die Abschaffung der kalten Progression beschlossen. Nun hat Finanzminister Brunner die Kosten dafür beziffert. Vermögenssteuern lehnt der ÖVP-Minister weiter ab.
Insgesamt kostet das Ende der kalten Progression im kommenden Jahr rund 3,5 Mrd. Euro, so Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) am Sonntag in der ORF-"Pressestunde". Laut Finanzministerium verschiebt sich dadurch auch die Grenze für die Steuerpflicht - und zwar von derzeit rund 11.700 auf ca. 12.500 Euro Jahreseinkommen.
Ende der kalten Progression "automatische Steuerreform"
Brunner nannte das Ende der kalten Progression eine "automatische Steuerreform jedes Jahr". Deren Volumen hänge aber jeweils von der Inflation ab - je geringer die Inflation, desto weniger Entlastungseffekt gebe es. Insofern sei auch nicht in jedem Jahr mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Euro zu rechnen - wobei der Politiker hier nicht von einer Entlastung der Steuerzahler sprechen wollte, sondern von der Vermeidung einer zusätzlichen Belastung.
Finanzminister Brunner gegen Vermögenssteuern
Nach wie vor eine
Absage erteilte Brunner jeglichen Steuererhöhungen - das galt sowohl
neuen Vermögens- wie auch einer Erbschaftssteuer. In beiden Fällen wäre
auch vermutlich der Aufwand höher als der Ertrag, meinte er. Nicht
nähertreten will er derzeit einer häufigeren Erhöhung von
Sozialleistungen - eine vierteljährliche Anpassung sei etwa nicht
angedacht.
Ein Sparpaket sei nicht geplant, sagte Brunner auf eine entsprechende Frage. Man müsse aber schauen, dass jene Maßnahmen, die aufgrund der Krise eingeführt wurden, danach auch wieder eingestellt würden. Das betreffe etwa die Covid-Maßnahmen. Außerdem müssten in allen Ressorts Prioritäten gesetzt werden.
Skepsis bei Änderung des Verteilungsschlüssels im Finanzausgleich
Beim Finanzausgleich verwies
der Minister auf den Vorschlag des Bundes, über fünf Jahre insgesamt
bis zu zehn Milliarden Euro für die Bereiche Gesundheit und Pflege
zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Das haben die Länder bereits
abgelehnt. Man habe schon auch eine gemeinsame Verantwortung, reagierte
Brunner auf dieses Nein. So müssten etwa die Maastricht-Kriterien
eingehalten werden. Und man habe den Ländern etwa in der Covid-Pandemie
intensiv geholfen - das sei auch richtig und gut gewesen.
Nach wie
vor skeptisch ist Brunner hinsichtlich einer Änderung des
Verteilungsschlüssels zur Abgabenaufteilung. Derzeit erhält der Bund
rund zwei Drittel. 22 Prozent gehen an die Länder, elf Prozent an die
Kommunen. Die Länder wollen den Bund dagegen in Richtung 60 Prozent
drücken.
Natürlich könne man immer über alles reden, wenn es für die Zukunft Sinn mache, meinte Brunner. Wenn man aber über die großen Themenkomplexe Gesundheit, Pflege und Kinderbetreuung diskutieren und hier auch Strukturreformen umsetzen wolle, müsse man bei der derzeitigen Form bleiben. "Wenn wir nur am Schlüssel drehen, müsste man nicht lang drüber reden. Das wäre ein Sache von drei Minuten."