Mit großer Sorge beobachtet der oberösterreichische Verfassungsschutz das Zusammenfinden von rechtsextremer und teils gewaltbereiter Corona-Maßnahmen-Gegner-Szene (CMG).
Vor allem die Identitäre Bewegung Österreichs (IBÖ) habe die als Rekrutierungsraum genutzt, ist aus dem "Oö. Aktionsplan gegen Extremismus" herauszulesen, der am Montag in der Landesregierung beschlossen werden soll. Erhöhte Gefahr gehe demnach immer noch vom Islamismus aus. Erwähnung finden auch Klimaaktivisten.
Annäherung von Rechten und Coronaleugnern bereitet Sorgen
Das 2010 erstmals erstellte und seither mehrmals überarbeitete "Oö. Handlungskonzept gegen Extremismus" wurde heuer im Auftrag von Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) neuerlich überarbeitet und in "Oö. Aktionsplan gegen Extremismus" umbenannt. Der Aktionsplan beinhaltet Präventionsmaßnahmen verschiedener Landes-Dienststellen. In der nun vorgelegten Fassung sind gut 60 neue dazugekommen, die vor allem auf Bildung und Aufklärung, Medienkompetenz und Demokratiebewusstsein abzielen. Zudem enthält das Papier neben Berichten diverser Organisationen und Dienststellen auch einen des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung zur aktuellen Lage.
Rechtsextremismus stelle weiterhin ein erhöhtes Risiko dar
Die
Verfassungsschützer sind der Ansicht, dass vom Rechtsextremismus
weiterhin ein erhöhtes Risiko ausgehe. Besonderes Augenmerk widmet man
auch gewaltbereiten Teilen der CMG-Bewegung, hier besonders
"konspirativen Treffen" der CMG-Führungskader mit Rechtsextremen. Vor
allem die gut organisierte IBÖ und die (von IBÖ-Chef Martin Sellner
mitgegründete, Anm.) Gruppierung "Die Österreicher - DO5" hätten die
Corona-Proteste für Rekrutierungen geschickt genutzt. In Oberösterreich
blicken die Verfassungsschützer vor allem nach Steyregg und in den
Bezirk Vöcklabruck, wo die IBÖ besonders aktiv ist, sowie auf die
CMG-Aktivitäten in Steyr.
Grenze zwischen Neuen Rechten und herkömmlicher Neonazi-Szene verschwimmt
Die Grenze zwischen der Neuen Rechten,
zu der die Identitären gezählt werden, und der herkömmlichen
Neonazi-Szene verschwimme zunehmend. Auch zwischen der IBÖ und
deutschnationalen Burschenschaften gebe es Kontakte und personelle
Überschneidungen. Gegen Burschenschafter werde immer wieder wegen
Verhetzung oder wegen Verstößen gegen das Verbotsgesetz ermittelt, meist
geht es dabei um Taten im Netz. Dauerthema für die oö. Ermittler sind
rechte Vorkommnisse in der Gedenkstätte Mauthausen und im
Hitler-Geburtsort Braunau. Die erst kürzlich bekanntgewordenen
Waffenfunde bei Mitgliedern eines Motorradclubs in Verbindung mit der
ehemaligen Neonazi-Gruppe Objekt 21 sind in dem Bericht noch nicht
thematisiert.
Bedrohung durch Islamismus auch weiterhin hoch
Die Bedrohung durch den Islamismus sei weiterhin
hoch, heißt es in dem Papier weiter. Die Szene ist jung und
Social-Media-affin. Predigten von zum Teil seit Jahren inhaftierten
Rednern werden weiter geteilt und je nach aktuellem Anlass neu
ausgelegt, auch religiöse Hymnen (Nasheeds) dienen der Verbreitung
radikaler Inhalte. Folgen den einschlägigen Online-Kontakten reale,
verstärke das meist die Radikalisierungstendenz. Insgesamt verfestige
sich eine Szene, die vor allem aus jungen Musliminnen und Muslimen sowie
Konvertiten bestehe. Die zuletzt aufgeklärten Straftaten wurden in der
Regel im Netz gesetzt. Als bevorzugte Ziele islamistischer
Terroranschläge kommen nach wie vor leicht zugängliche
Menschenansammlungen infrage, die Auswahl erfolge eher willkürlich. Die
größte Gefahr gehe von radikalisierten Einzeltätern und autonom
agierenden, kleinen Gruppen aus, die auf einfache Mittel setzen, für die
man kaum Logistik braucht.
Im Fokus des Verfassungsschutzes stehen die Staatsverweigerer
Nach wie vor im Fokus des
Verfassungsschutzes sind Staatsverweigerer, die Szene sei aber nach der
Verurteilung prominenter Exponenten geschwächt. Dennoch blieb ein Kern
übrig und man geht davon aus, dass dieser weiter nach Wegen suchen
werde, um die Verwaltung mit "Papierterrorismus" zu behindern. Die
linksextreme Szene in Oberösterreich sei klein und vor allem bei Demos
aktiv, heißt es in dem Bericht, problematisch für die öffentliche
Sicherheit könne das Verständnis von Autonomen sein, Gewalt als
legitimes Mittel anzusehen. Erwähnung finden in dem Bericht auch als
"militant" bezeichnete Klima-Aktivisten. In Oberösterreich seien vor
allem die Gruppen "Last Generation" und "Extinction Rebellion" aktiv.
Auch wenn ihnen ein hohes Rekrutierungspotenzial attestiert wird, handle
es sich derzeit nur um eine niedrige zweistellige Zahl an Personen.
Diese Gruppen werden derzeit explizit nicht als linksextrem eingestuft.
Nicht zu unterschätzen seien nach Ansicht des Verfassungsschutzes
militante Tierrechtsgruppierungen.
Palette der Maßnahmen im Aktionsplan
Die Palette der Maßnahmen im
Aktionsplan reicht von Lehrveranstaltungen und Workshops in Schulen und
Universitäten über Jugend- und Sozialarbeit, Elternberatung bis hin zu
diversen Kursen für Migranten - Sprachkurse ebenso wie beispielsweise
ein Kooperationsprojekt für ein Vermittlungsformat für Asylwerbende in
der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Auch diverse Förderungen für
Kulturprojekte sind enthalten, etwa für die Kulturhauptstadt Bad Ischl -
Salzkammergut 2024, die einen Schwerpunkt auf Erinnerungskultur legt,
ebenso die Unterstützung des Lern- und Gedenkortes Schloss Hartheim, für
dessen Betrieb das Land 2023 rund 470.000 Euro aufwendet, oder für die
KZ-Gedenkstätte Ebensee, die jährlich von rund 200 Schulklassen besucht
wird.
Land schließt extremistische Bewegungen von Förderungen aus
Seit 2019 schließt das Land extremistische Bewegungen oder
Vereine sowie ihnen nahestehende Förderwerber von Landesförderungen aus.
Wer extremistisch ist, beruht auf einer Einschätzung des
Verfassungsschutzes. Extra betont wird, dass der IBÖ und ihr
nahestehenden Vereinen keine Räumlichkeiten des Landes für
Veranstaltungen oder sonstigen Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden
dürfen. "In Oberösterreich hat Extremismus keinen Platz und das muss
auch so bleiben", sieht Stelzer einen "gemeinsamen Auftrag" für Politik
und Gesellschaft.