2023 haben sich rund 15.400 Menschen für den Medizin-Aufnahmetest angemeldte. Das sind weniger als im Jahr zuvor.
11.735 der rund 15.400 angemeldeten Bewerber und Bewerberinnen und
damit ähnlich viele wie im vergangen Jahr traten beim heurigen
Aufnahmetest zum Medizinstudium in Wien,
Graz, Innsbruck und Linz an. Begleitet war der Test, der festlegt, wer
einen der 1.850 Studienplätze bekommt, auch heuer von der Forderung nach
mehr Studienplätzen. Der Innsbrucker Vizerektor hingegen "wäre
glücklich" über eine Quote für deutsche "Numerus-Clausus-Flüchtlinge".
Für den Medizin-Aufnahmetest gibt es 15.400 Interessenten für 1.850 Studienplätze
Die
Teilnehmer und Teilnehmerinnen versuchen bei der rund achtstündigen
schriftlichen Prüfung einen der 1.850 Studienplätze an den Medizin-Unis Wien
(760 Studienplätze), Innsbruck (410) und Graz (370) bzw. an der Uni
Linz (310) zu ergattern. Rund die Hälfte der Teilnehmer entfällt auf die
MedUni in der Bundeshauptstadt (5.851), 2.334 auf Innsbruck, 2.033 auf
Graz und 1.517 auf die Linzer Johannes Keppler Universität, die die
Messe Wels als Austragungsort nutzte.
Neu für die Bewerberinnen ist der Bereich Sozialkompetenzen
Neu
ist für die Bewerberinnen und Bewerber heuer ein Bereich, der die
Sozialkompetenzen abfragen soll. So müssen die Kandidaten etwa ein
"soziales Dilemma" lösen, Emotionen erkennen und darauf reagieren und
durch richtige Antworten zeigen, dass es ihnen gelingt, "unruhige
Patienten" zu beruhigen. "Der MedAT ist einer der wenigen Tests auch im
deutschsprachigen Raum, der diese Komponente berücksichtigt", betonte
die Wiener Vizerektorin für Lehre Anita Rieder bei einer Pressekonferenz in der Wiener Messe, wo die MedUni Wien den Test abhält.
Medizin-Aufnahmetest starteten in Innsbruck Freitagfrüh
In
Innsbruck haben Freitagfrüh in der Messehalle die Aufnahmetests für
angehende Medizinstudenten begonnen. 410 Studienplätze waren zu
vergeben. Der Med-Uni-Vizerektor für Lehre und
Studierendenangelegenheiten, Wolfgang Prodinger, sprach sich vor Beginn
des Tests bei einem Pressegespräch in der aktuellen Debatte rund um
deutsche "Numerus-Clausus-Flüchtlinge" für eine "Mediziner-Quote" aus.
Sekptisch über "Änderungen schnell zu erwarten sind"
Zugleich
gab er sich aber skeptisch, dass solche "Änderungen schnell zu erwarten
sind." Letzten Endes bleibe es außerdem "eine politische Entscheidung".
"Ich wäre aber glücklich, wenn eine solche Quote kommen würde, denn
dann hätten wir mehr österreichische Absolventen", so der Vizerektor.
Zugleich aber verteidigte Prodinger die Medizin-Studenten aus
Deutschland: "Diese haben Österreich auch gut getan."
Mikl-Leitner sprach über Quote für "Numerus-Clausus-Flüchtlinge"
Ins Spiel
gebracht hatte eine solche Quote die Niederösterreichische
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), die dafür eintrat, den
"Numerus-Clausus-Flüchtlingen" einen Riegel vorzuschieben. Unterstützung
bekam sie durch ein Gutachten des Innsbrucker Europarechtsexperten
Walter Obwexer, der der Auffassung war, dass Österreich die
Zulassungsbeschränkungen des jeweiligen Heimatlandes für ausländische
Medizinstudenten anwenden dürfe. Anderer Meinung war wiederum wenig
später Europarechts-Kollege Peter Hilpold im APA-Gespräch.
Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) war hingegen in dieser Frage
noch vorsichtig geblieben. Man prüfe den Mikl-Leitner-Vorstoß gerade
"sehr intensiv". Polaschek setzte eine eigene Arbeitsgruppe mit Experten
aus Europa- und Verfassungsrecht ein, inwieweit man auf Basis der
Expertise an die EU-Kommission herantreten sollte.
Rieder betonte
hingegen, dass - auf den Tag genau - vor 18 Jahren durch den
Europäischen Gerichtshof festgehalten wurde, dass Bewerbern aus der EU
ein Studium grundsätzlich ermöglicht werden müsse - genauso aber auch
andersherum. Von den 7.500 Bewerbern in Wien
hatten heuer 1.830 kein österreichisches Maturazeugnis. Mit 1.400 kam
der Großteil davon aus Deutschland. Ähnlich in Innsbruck, wo von den
1.448 Bewerbungen aus EU-Ländern 1.333 auf Deutschland entfielen.
In Humanmedizin gehen 95 Prozent an Studenten aus der EU
In
der Humanmedizin gehen mindestens 95 Prozent der Studienplätze an allen
Unis an Kandidaten aus der EU und mindestens 75 Prozent an
Studienwerber mit österreichischem Maturazeugnis. In der Zahnmedizin
werden die Plätze unabhängig von der Nationalität an die Bewerber mit
dem besten Testergebnis vergeben.
Österreichweiter Ärztemangel in Wien nicht zu sehen
Einen österreichweiten Ärztemangel sieht man in Wien
nicht. Viel eher sei es ein regionales und zum Teil auch nationales
Verteilungsproblem, der in den letzten Jahren neu ausgebildeten Ärzte
und Ärztinnen. Problemfelder seien unter anderem die schlechte
Bezahlung, die "Migration in die lukrative und nur teilweise
versorgungsrelevante Privatmedizin" und der internationale Wettbewerb um
Jungmediziner und -Medizinerinnen.
Forderungen nach mehr Studienplätzen nicht unterstütz
Auch der Forderung nach mehr
Studienplätzen könne man nichts abgewinnen. Österreich liege mit der
Zahl der Absolventen und Absolventinnen im internationalen Spitzenfeld
und bilde in Bezug auf die Einwohnerzahl wesentlich mehr Menschen aus
als vergleichbare Länder. Bis 2028 erfolge ohnehin ein schrittweiser
Ausbau auf 2.000 Studienplätze österreichweit. Diese Zahl sei noch
möglich, ohne das darunter die Qualitätsstandards leiden müssten.
SPÖ fordert Verdoppelung der Medizinstudienplätze
Die
SPÖ fordert indes die Verdoppelung der Medizinstudienplätze. Um dem
Mangel an Kassenärzten und -Ärztinnen entgegenzuwirken, schlägt die SPÖ
vor, jene über Stipendien oder Bonussysteme zu bevorzugen, die sich
bereit erklären, dem öffentlichen Gesundheitssystem eine gewisse Zeit
lang zur Verfügung zu stehen. "An immer mehr Ecken und Enden kracht es.
Ärzte und Ärztinnen fehlen, Wartezeiten werden immer länger - außer man
zahlt privat. Dabei zeigt sich Jahr für Jahr: Es gibt genug junge
Menschen, deren Traum es wäre, Leben zu retten. Wir sollten ihnen die
Chance, ihren Traum zu erfüllen, auch geben", betonte Klubobmann Philip
Kucher gegenüber der APA. Die Vorsitzende der ÖH an der MedUni Carolin
Vollbrecht sieht den Vorschlag, innerhalb "kürzester Zeit" die
Studienplätze zu verdoppeln, hingegen kritisch, da darunter die
Qualitätsstandards leiden würden.
"Mehr Studienplätze" forderta auch die ÖH
"Mehr Studienplätze" lautet auch
die jährliche Forderung der Österreichischen HochschülerInnenschaft
(ÖH). Das strenge Aufnahmeverfahren führe bei vielen Bewerbern und
Bewerberinnen zu großer psychischer Belastung und verstärktem
Konkurrenzdenken untereinander. Außerdem würden die derzeit verfügbaren
Studienplätze nicht ausreichen, um den "chronischen ÄrztInnenmangel"
auszugleichen, kritisierte das ÖH-Vorsitzteam in einer Aussendung. Ein
weiteres Problem sei, dass das Aufnahmeverfahren oft mit teueren
Vorbereitungskursen einhergehe. "Diese Art der sozialen Selektion führt
dazu, dass Bildung gerade im medizinischen Bereich noch immer stark
vererbt wird", kritisierte Nina Mathies (VSSTÖ) vom Vorsitzteam.