Bei den Arbeitgebervertretern kommt die vom neuen IHS-Chef Holger Bonin vorgeschlagene steuerfreie Mobilitätsprämie unterschiedlich gut an.
Die Wirtschaftskammer (WKÖ) kann sich eine derartige vom Arbeitgeber zu bezahlende Prämie vorstellen, die Hoteliervereinigung ist dagegen. Es habe zwischen 2008 und 2016 bereits eine Übersiedlungsprämie gegeben, die "leider ein Flop war", sagte ÖHV-Präsident Walter Veit im Ö1-"Morgenjournal" am Dienstag.
Seeber sieht Mobilitätsprämien-Vorschlag weitgehend positiv
WKÖ-Tourismus-Obmann Robert Seeber sieht den Mobilitätsprämien-Vorschlag von Bonin weitgehend positiv. "Eine überregionale Vermittlung der Arbeitskräfte ist einfach notwendig, das brauchen wir. Es ist auch eine staatliche Aufgabe, aber eine Prämie allein genügt nicht", sagte Seeber gegenüber Ö1. Um den Fachkräftemangel zu beseitigen, müsse außerdem die Kinderbetreuung ausgebaut werden und mehr Überstunden steuerlich begünstigt werden.
Die von Bonin vorgeschlagene Mobilitätsprämie
wäre grundsätzlich für jeden Beschäftigten in Mangelberufen vorgesehen,
unabhängig davon ob er aus einer Beschäftigung kommt, einen neuen
Arbeitgeber sucht oder ob er aus der Arbeitslosigkeit kommt. Damit könne
etwa Tourismus-Fachkräften aus Ostösterreich der Wechsel nach
Westösterreich erleichtert werden, sagte Bonin kürzlich im
APA-Interview. Für den Arbeitskräftemangel gebe es aber nicht "die eine
Lösung", sondern man müsse an "vielen kleinen Stellschrauben" drehen. Im
1. Quartal zählte die Statistik Austria rund 228.300 offene Stellen in
Österreich.
Unterstützung mit sogenannter "Entfernungsbeihilfe"
Derzeit gibt es mit der sogenannten
"Entfernungsbeihilfe" eine finanzielle Unterstützung des
Arbeitsmarktservice (AMS) für Arbeitslose, die eine von ihrem Wohnort
weit entfernte Arbeitsstelle annehmen. Auch Lehrlinge können die
Beihilfe beziehen.
Die Höhe der Mobilitätsprämie soll laut Bonin
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausverhandelt werden. Die Prämie
könne man bis zu einer Größenordnung von 20.000 Euro steuerfrei stellen,
sagte der neue IHS-Chef im Ö1-"Morgenjournal". "Wenn jemand umzieht,
dann ist das mit vielen Kosten verbunden."
Kocher will Maßnahmenpaket ausarbeiten
Um die Mobilität von
Arbeitslosen und Beschäftigten besser zu unterstützen, will Arbeits- und
Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) in den nächsten Monaten ein
Maßnahmenpaket mit dem AMS und den Sozialpartnern ausarbeiten. "Ich
unterstütze den Vorschlag von Holger Bonin", sagte Kocher bei einer
Arbeitsmarkt-Pressekonferenz auf Journalistennachfrage am Montag. Es
gehe nun darum, die Details des Maßnahmenpakets zu klären.
Für den Wifo-Arbeitsmarktökonomen Peter Huber wäre eine Mobilitätsprämie "vielleicht ein Puzzlestein in einer Lösung". Wenn die Prämie zu großzügig konzipiert sei, dann fördere man Menschen, die ohnehin gewandert wären, sagte Huber im ORF-Radio. Wenn man sie sehr streng handhabt, dann kriegt man nur sehr wenige Menschen, wie damals zwischen 2008 und 2016. Man müsse sich aber "im Klaren sein", dass "die Mobilitätspläne vieler Leute nicht an den finanziellen Kosten scheitern" würden, so der Wifo-Ökonom.