Wie üblich zieht sich das Ringen um den Finanzausgleich in den Herbst hinein.
Bei einer Runde der Spitzenvertreter der Gebietskörperschaften Montagfrüh konnte noch keine Verständigung erzielt werden. Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) und Sozialminister Johannes Rauch (Grüne) verkündeten in einem Pressegespräch im Anschluss, dass man bereit sei, über fünf Jahre gesamt bis zu zehn Milliarden Euro für die Bereiche Gesundheit und Pflege zusätzlich zur Verfügung zu stellen.
Bund offeriert 10 Milliarden für Gesundheit/Pflege
Teils
geht es dabei um frisches Geld, teils um Zuwendungen, die es jetzt
schon gibt, die aber auslaufen würden, wie die Kompensation des
Pflegeregresses. Zudem machten die Bundespolitiker klar, dass im
Gegenzug für die Zuwendungen Reformen stattfinden müssten: "Geld alleine
ist nicht die Lösung, es braucht selbstverständlich auch Reformen",
betonte Brunner.
Rauch unterstrich einmal mehr, in welche Richtung
es im Gesundheitssystem gehen müsse, weg von den Spitälern hin zum
niedergelassenen Bereich, dem etwa ein Ausbau bei den
Primärversorgungseinrichtungen bevorstehen soll. Frisches Geld müsse
aber jedenfalls an Reformen gebunden sein. Da werde es eine ganze Reihe
an Gesetzesänderungen brauchen, kündigte der Sozialminister an.
Planung von Ausbau der Fachambulanzen
Konkret
plant man neben einer Stärkung des niedergelassenen Bereichs mit mehr
Kassenstellen auch einen Ausbau der Fachambulanzen in den Spitälern.
Ebenfalls im Plan enthalten ist eine Ausweitung des Impfprogramms sowie
eine Wirkstoffverschreibung für die Medikamentenversorgung. Wahlärzte
sollen an E-Card und ELGA angebunden werden.
In Sachen Pflege
sollen, wie Rauch betonte, die zuletzt beschlossenen Pakete langfristig
abgesichert werden. Dabei geht es etwa um höhere Gehälter für
Beschäftigte, eine Weiterfinanzierung der Förderung für die
24-Stunden-Betreuung und einen Ausbau des Community-Nursing.
Brunner pochte auf klare Aufgabenverteilung
Brunner
pochte insgesamt auf eine klare Aufgabenverteilung und auch. auf
Überprüfbarkeit via Transparenzdatenbank. Man sei bereit, als Bund bei
Themen wie Kinderbetreuung, Pflege und Gesundheit einen spürbaren
Beitrag zu leisten. Es könnten aber nur alle Gebietskörperschaften
gemeinsam die anstehenden Herausforderungen meistern.
Eine
Einigung bezüglich des umstrittenen Schlüssels zur Abgabenaufteilung gab
es heute nicht, daher auch keine Teileinigungen. Ein Ergebnis werde im
Gesamten präsentiert werden, unterstrich der Finanzminister.
Detailvorschläge würden in den kommenden Wochen erarbeitet und dann im
Herbst weiter nach einem Ergebnis gesucht.
Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) kennt den Vorschlag zwar
noch nicht, lehnte ihn in einer Pressekonferenz nach einer Sitzung der
Landesregierung am Montag aber sofort ab. Zehn Milliarden auf fünf Jahre
seien zu wenig, nötig seien sieben bis acht Milliarden Euro für Länder,
Städte und Gemeinden pro Jahr. Angestrebt wird von den Ländern ein
Finanzausgleich mit 60,5 Prozent für den Bund, 25 Prozent für die Länder
und 14,5 Prozent für die Kommunen. Derzeit sei die Verteilung in etwa
so: 66 Prozent Bund, 22 Prozent Länder, 11 Prozent Kommunen. Eine
Fortschreibung lehnten die Länder unisono ab, sagte Kaiser.
Kaiser und Schaunig argumentieren mit Kostensteigerungen
Kaiser
und Finanzreferentin Gaby Schaunig (SPÖ) argumentieren mit den
dynamischen Kostensteigerungen in den Bereichen Gesundheit, Soziales,
Pflege, Bildung und öffentlicher Verkehr. Gemeinden und Länder seien
einer Wifo-Studie zufolge in den vergangenen Jahren bereits in
Vorleistung gegangen. Schaunig pochte auf mehr Tempo bei den
Verhandlungen, die bis Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen.
Der Städtebund blieb indes bei seinen Forderungen. Eine Änderung der vertikalen Verteilung der Steuereinnahmen zugunsten der Städte und Gemeinden sei unumgänglich, wenn die öffentlichen Leistungen in gewohnter Weise weiterbestehen sollen, meinte Generalsekretär Thomas Weninger in einer Aussendung.