Am Dienstag ist ein zweitägiger Mordprozess gegen einen 65-Jährigen um die Tötung seiner Frau im August 2022 in Wiener Neustadt gestartet. Ein Urteil soll am Donnerstag fallen.
Der wegen der Tötung seiner Frau im August 2022 in Oberwaltersdorf im Bezirk Baden angeklagte 65-Jährige bekannte sich vor dem Gericht in Wiener Neustadt zum Mordvorwurf nicht schuldig. Der Mann gestand jedoch Totschlag. Nach der Tat hatte er angegeben, das Opfer leblos entdeckt zu haben.
65-Jähriger bei Mordprozess in Wiener Neustadt: "Da hat mein Hirn auslassen"
"Ich habe meine Frau getötet. Durch die Kränkung und Demütigung hat es mir die Füße weggezogen", sagte der 65-jährige Niederösterreicher. Der Angeklagte soll die 57-Jährige am 24. August des Vorjahres in den Morgenstunden mit 15 wuchtigen Schlägen mit einem Spitzmeißel gegen den Kopf umgebracht haben, sagte die Staatsanwältin. Die Verletzungen seien mit "Brutalität und Endgültigkeit" zugefügt worden, sagte der gerichtsmedizinische Gutachter. Das Opfer starb laut dem Sachverständigen an einem massiven Schädel-Hirn-Trauma.
Nach einer morgendlichen Laufrunde war der Angeklagte am 24. August 2022 ins Schlafzimmer gegangen, um sich zu seiner Frau ins Bett zu legen. Sie hatte ihn laut seiner Aussage zurückgewiesen. Daraufhin habe er einen Spitzmeißel vom Ankleidezimmer genommen, der dort als Schutz vor Einbrechern versteckt war. Auf seine Worte "Du bist so ein undankbares Luder. Warum machst du das?", habe die Frau erwidert: "Du bist selber schuld, du Egoist. Und jetzt geh und lass mich weiterschlafen." Der Angeklagte berichtete vor Gericht unter Tränen: "Sie hat mich weggeschickt wie einen Hund. Da hat mein Hirn auslassen. Das war so eine Demütigung. Ich war nicht Herr meiner selbst." Mehrmals habe er daraufhin mit der Waffe auf den Hinterkopf der Frau eingeschlagen.
Daten auf Uhr wurden 65-Jährigem zum Verhängnis
Nach der Tat hatte der Beschuldigte die
Katzenklappe beschädigt, dadurch einen Einbruch fingiert und wegen der
Überwachungskameras einen Kurzschluss verursacht. Die gereinigte
Tatwaffe hatte er auf dem Weg zum Einkaufen in einem Windschutzgürtel
entsorgt. Nach seiner Rückkehr hatte er den Notruf gewählt und
vorgegeben, seine Frau tot aufgefunden zu haben. "Ich habe mich mehr als
stümperhaft benommen bei dieser Tat", resümierte der 65-Jährige: "Ich
war mein ganzes Leben so ein rechtschaffener Mensch. Ich habe alles
zerstört." Er war zunächst als Zeuge vernommen, aber wenig später
festgenommen worden.
Bei der Kriminalpolizei und vor der Haft- und
Rechtsschutzrichterin soll der Pensionist sinngemäß behauptet haben,
dass ein unbekannter Einbrecher seine Frau umgebracht habe. Dem
Angeklagten wird deshalb auch angelastet, die Begehung einer mit Strafe
bedrohten Handlung wissentlich vorgetäuscht zu haben. Zu diesem Vorwurf
bekannte sich der 65-Jährige schuldig. "Ich habe geglaubt, ich kann
durch dieses Lügengerüst die Tat verschleiern", sagte der Angeklagte.
Daten auf der Uhr des Mannes sollen Ermittler auf die Spur des
Verdächtigen gebracht haben.
Die 38 Zentimeter lange und 800 Gramm schwere Tatwaffe war am 11. September unter einem Busch entdeckt worden, am 13. Oktober legte der bisher unbescholtene Niederösterreicher ein Geständnis ab. Von dem Fund habe er damals noch nichts gewusst, erklärte der 65-Jährige.
Verteidiger sieht bei Mordprozess spontane Tat
Verteidiger Michael Dohr sprach von einer
"Spontantat aufgrund eines Gefühlsausbruchs" und einer "plötzlichen
Kränkung" als Auslöser. "Es gibt absolut kein Motiv, warum er das getan
hat", betonte der Rechtsanwalt. Das Haus und weitere Vermögenswerte
waren auf die Frau überschrieben, in den Testamenten des Paares war
jeweils der Partner als Alleinerbe bestimmt. Er habe genug Pension, "ich
brauchte kein Geld", betonte der 65-Jährige zur Frage nach einem
möglichen Motiv.
Der Angeklagte sprach von einer Vorzeigeehe zu Beginn. Ab 2022 habe er sich "vernachlässigt gefühlt". Die Ehepartner hatten einander immer wieder Briefe geschrieben. In einer Nachricht des späteren Opfers vom August 2022 war zu lesen: "Es geht mir gar nicht gut, du merkst es nicht einmal. Du bist so ein Egoist." Die Persönlichkeit seiner Frau habe sich mit einer Krebserkrankung verändert, sagte der 65-Jährige.
65-Jähriger bestritt bei Mordprozess Pläne für Tötung
Als "Demütigung" und
"Provokation" hatte er etwa empfunden, dass seine Frau im August den im
Haus befindlichen Revolver versteckt hatte - mit den Worten "es ist zu
unser beider Sicherheit". Das spätere Opfer soll unter falschem Namen
einen Beratungstermin für eine Scheidung gemacht, die Codes für die
Videoüberwachung geändert und einen Arbeitsplatz gesucht haben. Davon
will der Angeklagte erst nach dem Tod seiner Frau erfahren haben.
Mehrere Fragen der Staatsanwältin drehten sich rund um einen möglichen Plan für die Tötung, einen solchen bestritt der Angeklagte. "Es gibt meines Erachtens nach einen objektiven Beweis, dass diese Tat niemals geplant war", erklärte der Verteidiger. Laut Pulsuhr hatte der Angeklagte wenige Minuten zuvor eine Pulsfrequenz von 66. Um 7.01 Uhr war der Wert extrem angestiegen, 47 Minuten später lag er noch bei 109.
Mehrere Gutachten sollen bei Mordprozess präsentiert werden
Die Befragung des Beschuldigten dauerte bis in die Abendstunden, danach standen mehrere Gutachten auf dem Programm. Anhand von Spuren sei "mit Sicherheit" auch von einer Gewaltanwendung gegen den Hals auszugehen, sagte der gerichtsmedizinische Sachverständige. Der Angeklagte bestritt jedoch, seine Frau gewürgt zu haben. An der Leiste wurde eine weitere Stichverletzung festgestellt, die dem Gutachter zufolge nicht mit einem Spitzmeißel zugefügt worden war. Laut einem Sachverständigen hatte der Angeklagte zum Tatzeitpunkt weder Alkohol noch Drogen im Blut. Der Geschworenenprozess am Landesgericht Wiener Neustadt war gegen 18.30 Uhr nach wie vor im Gange. Für Donnerstag waren Zeugenbefragungen geplant.