Die FPÖ sah sahn sich am Montag bei einer Zwischenbilanz 95 Tagen nach der konstituierenden Landtagssitzung weiterhin mit "Reformgeist" ausgestattet.
Etwas mehr als drei Monate nach der Besiegelung des umstrittenen Pakts von ÖVP und FPÖ hat sich in Niederösterreich der Staub etwas gelegt. Als kommende Projekte umgesetzt werden sollen ein Erlass gegen das Gendern im Landesdienst und die Wirtshausprämie.
Rein vom Arbeitsklima her dürfte es zwischen Volkspartei und FPÖ aktuell nicht allzu überhitzt zugehen. In der Zeit vor der Landtagswahl am 29. Jänner war Landeshauptfrau und ÖVP-Landeschefin Johanna Mikl-Leitner noch der Lieblingsreibebaum des freiheitlichen Landesparteiobmanns Udo Landbauer gewesen. Am Montag räumte der nunmehrige LH-Stellvertreter ein, mit der Volkspartei "inhaltlich durchaus hart umgegangen" zu sein: "Aber Realpolitik ist kein Kindergeburtstag und inhaltliche Differenzen sind in einer Demokratie nun mal normal." Ergebnistechnisch sei man jedenfalls "auf einem sehr, sehr guten Weg".
Bereits umgesetzt worden seien Entlastungsmaßnahmen mit
einem Volumen von 200 Millionen Euro. Ins Treffen geführt wurden von
Landbauer der Wohn- und Heizkostenzuschuss, die Abschaffung der
ORF-Landesabgabe sowie der Pflegescheck von 1.000 Euro. Beantragt werden
könne - wie im Vorjahr - auch das einkommensunabhängige "blau-gelbe
Schulstartgeld" von 100 Euro pro Kind. Am (morgigen) Dienstag in der
Sitzung der Landesregierung beschlossen wird der mit 31,3 Millionen Euro dotierte Corona-Hilfsfonds, den Landbauer am Montag als "historisch" bezeichnete.
Im
Herbst umgesetzt werden soll die nicht unumstrittene Wirtshausprämie.
"Das ist nicht nur ein klares Bekenntnis zur unseren heimischen
Betrieben, sondern auch ein starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich
und selbstverständlich für den Erhalt und die Förderung der heimischen
Wirtshauskultur", betonte der Landesvize. Details sollen "zu gegebener
Zeit" präsentiert werden. Die im schwarz-blauen Arbeitsübereinkommen
festgehaltene Prämie hatte "Die Tagespresse" zur Versendung von
Fakebriefen an 500 niederösterreichische Gastronomen inspiriert, eine
Klage der Freiheitlichen ist anhängig. Bei der Umsetzung der Maßnahme
werde trotz "des Drucks so mancher" ein "Nachgeben nicht geschehen",
hielt Landbauer fest.
Der Erlass gegen das Gendern im Landesdienst wird laut FPÖ-Klubobmann
Reinhard Teufel "bis zum Sommer" erarbeitet. Betroffen sein sollen alle
öffentlichen Dokumente. "Das ohnehin für viele schwer fassbare
Amtsdeutsch" sei "schon kompliziert genug", begründete Teufel den
Schritt. Eine klare Kommunikation mit den Bürgern sei für eine Behörde wichtig.
Erneuert wurde von Landbauer, der in der Landesregierung auch für Verkehr zuständig ist, ein Ja zum Ausbau der Straßeninfrastruktur im Bundesland. Zu einem etwaigen "Klima-100er" gebe es hingegen ein "klares Nein". Vom Energieversorger EVN forderten die Freiheitlichen einmal mehr Tarifsenkungen ein. Landbauer äußerte euch den Wunsch nach mehr Transparenz bei der Preisgestaltung.