Eine mögliche Erteilung von Asyl für den Wagner-Söldnerführer Jewgeni Prigoschin hat Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) nicht ausgeschlossen.
"Was das Thema Asyl betrifft, möchte ich darauf verweisen, was ich schon mehrmals in diesem Zusammenhang gesagt habe: Da sind Einzelfallprüfungen vorgesehen und so ist es auch in Zukunft vorgesehen", antwortete Karner am Montag der APA in Wien auf eine entsprechende Frage.
Prigoschin hatte sich am Wochenende gegen die russische Militärführung aufgelehnt und seine Streitmacht nach Moskau in Bewegung gesetzt. Berichten zufolge vermittelte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko am Samstagabend eine Einigung zwischen Prigoschin und Kreml-Chef Wladimir Putin, die Straffreiheit und Exil für den Chef der Söldnergruppe Wagner im westlichen Nachbarland vorsieht. Von Prigoschin fehlt aber seit Samstagabend jede Spur.
Karner betonte, dass die
Vorgänge wie jene am Wochenende in Russland "auch immer eine Auswirkung
auf die innere Sicherheit" hätten. "Unmittelbar nach Bekanntwerden
dieser Vorgänge durch die Wagnergruppe hat der Staatsschutz reagiert,
hier entsprechend Aufträge erteilt, den Polizeieinsatz in Teilbereichen
auch zu erhöhen", sagte der Innenminister. Aus polizeitaktischen Gründen
wolle er "nicht sagen, wo", doch gehe es um "Gebäude oder Personen, die
hier in Gefahr sein könnten". Man komme "sehr konsequent" der Aufgabe
nach, die Sicherheit von Österreicherinnen und Österreichern "und der
hier lebenden Menschen" zu gewährleisten.
Karner äußerte sich am Rande eines Treffens mit seinem slowakischen Amtskollegen Ivan Šimko in Wien.
Der frühere slowakische Verteidigungsminister meinte, dass man die
sicherheitspolitische und militärische Bedeutung "von diesem Vorfall,
der am Samstag begann und endete, nicht überbewerten" solle. "Er hat
eine politische Bedeutung, und diese zeugt von der geringen Stabilität
der politischen Ordnung in Russland."
Šimko zog diesbezüglich
einen Vergleich zum August-Putsch des sowjetischen Militärs gegen den
damaligen Machthaber Michail Gorbatschow im Jahr 1991. Er selbst sei
damals Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im damaligen
tschechoslowakischen Parlament gewesen, erinnerte Šimko. Der Putsch habe
nur einen Monat, nachdem die letzten sowjetischen Besatzungssoldaten
die Tschechoslowakei verlassen hätten, stattgefunden. "Das war ein
gewisses Sicherheitsrisiko. Wer weiß, was passiert wäre, wenn wir das
mit dem Verlassen der russischen Armee davor nicht geschafft hätten."