Der Bereich Sonderpädagogik hat schon länger mit einem Lehrermangel zu kämpfen. Die NEOS kritisieren nun einen Blindflug in dem Bereich.
Zuletzt hat sich dieser weiter verschärft - Lehrervertreter haben deshalb immer wieder gefordert, wieder eine eigene Ausbildung für diesen Bereich zu schaffen. Seit der neuen Lehrerausbildung 2015 gibt es stattdessen einen Schwerpunkt Inklusion. Ob damit der Personalbedarf gedeckt werden kann, sei aber offen, kritisieren die NEOS einen Blindflug des Ministeriums.
Lehrermangel in der Sonderpädagogik
Die erwarteten Zahlen an Lehramtsabsolventinnen und -absolventen mit einer Spezialisierung auf Inklusion wären theoretisch hoch genug, um den Bedarf zu decken, betont Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre im Gespräch mit der APA. Sie verweist dabei auf Zahlen aus der aktuellen Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage durch Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).
Laut Bedarfsprognose gibt es bis 2030
voraussichtlich jedes Jahr einen Einstellungsbedarf zwischen knapp 1.400
(2023) und rund 1.000 (2030) Lehrpersonen-Wochenstunden. Bei
Vollbeschäftigung (Unterrichtsverpflichtung von 24 Stunden) würden damit
rein rechnerisch jährlich zwischen 42 und 58 neue Köpfe benötigt, wobei
dabei noch nicht der zunehmende Trend zur Teilzeit berücksichtigt ist.
NEOS kritisieren Blindflug bei Sonderpädagogik
Demgegenüber
werden 2023 im Volksschulbereich 240 bis 250 Bachelorabschlüsse von
Lehrerinnen und Lehrern mit Fokus auf Inklusive Pädagogik erwartet, dazu
60 bis 70 Masterabsolventinnen und -absolventen. Insgesamt hat derzeit
etwa jeder zehnte Lehramtsstudierende (sowohl im Volksschulbereich als
auch den anderen Schularten) einen Ausbildungsschwerpunkt auf Inklusiv-
und Sonderpädagogik gewählt.
"Die Frage ist aber, ob die
Spezialisierung eine ausreichende Ausbildung ist, ob die Absolvent:innen
wirklich in den Inklusions- und Sonderschulbereich gehen, wie lange sie
dort bleiben und warum sie in ein anderes Feld wechseln", so Künsberg
Sarre. Das werde vom Bildungsministerium aber offensichtlich nicht
erhoben. "Die Schulen müssen einen Haufen unnötiger Daten erheben. Aber
das, was man für eine effiziente Steuerung bräuchte, fehlt."
Forderung nach Wiedereinführung einer eigenen Ausbildung
Tatsächlich
ist im Vergleich zur früheren Sonderschullehrer-Ausbildung schwerer
abschätzbar, wie viele Absolventen tatsächlich dem Bereich
Sonderpädagogik zur Verfügung stehen werden. Seit der Ausbildungsreform
werden Lehrer nämlich nicht mehr für bestimmte Schularten qualifiziert.
Stattdessen können sich Volksschullehrer auf "Inklusive Pädagogik"
spezialisieren und Lehrer der Sekundarstufe anstelle eines zweiten
Unterrichtsfachs eine Vertiefung in "Inklusiver Pädagogik" wählen - in
beiden Fällen meist mit dem Schwerpunkt auf Behinderungen. Die
Ausbildung dauert dabei mit fünfeinhalb bzw. sechs Jahren deutlich
länger als früher. Die Lehrergewerkschaft hat deshalb - auch mit Verweis
darauf, dass immer mehr Schüler sonderpädagogische Unterstützung
brauchen - wiederholt die Wiedereinführung einer eigenen Ausbildung
gefordert.
Dem schließen sich die NEOS nicht an, Inklusion müsse eine Basisausbildung sein und dürfe nicht zur Wahl stehen. Für bestehende Pädagoginnen und Pädagogen brauche es Fort- und Weiterbildungen, vergleichbar mit verpflichtenden Fortbildungen zu Deutsch als Zweitsprache. Darüber hinaus wäre ein Quereinstieg aus anderen Berufen, die mit Kindern mit Behinderung arbeiten, "sicherlich denkbar und sinnvoll", so Künsberg Sarre. Der Quereinsteiger-Lehrgang müsse aber eine entsprechend hohe Qualität haben.