IHS-Chef Holger Bonin sprach scih in der Ö1-Radioreihe "Im Journal zu Gast" dafür aus, Kollektivverträge gleich für mehrere Jahre zu verhandeln.
Der deutsche Ökonom sprach sich außerdem für eine Erbschaftsteuer aus, aber gegen eine Vermögensteuer. Eine Arbeitszeitverkürzung wäre in manchen Bereichen möglich, sollte aber in Kollektiv- und in Einzelverträgen vereinbart und nicht gesetzlich geregelt werden, sagte Bonin am Samstag.
IHS-Chef will Kollektivverträge für mehrere Jahre verhandeln
In einigen Bereichen gebe es Produktivitätsfortschritte, die kürzere Arbeitszeiten ermöglichen würden, sagte Bonin, der am 1. Juli seinen neuen Job als Direktor des Instituts für Höhere Studien antreten wird. Diese Wissensberufe würden aber die Wirtschaft nicht dominieren. In vielen Bereichen sei es nicht einfach möglich, die Arbeitszeit zu verkürzen, etwa im Pflegebereich. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in vier Tagen die Pflege macht, die man sonst mit fünf Tagen machen könnte."
Kinderagesbetreuung sei Schlüssel um Frauen in Vollzeitarbeit zu bringen
Ein zentraler Schüssel dafür, mehr Frauen in die
Vollzeitarbeit zu bringen, wäre die Kindertagesbetreuung, sagte Bonin.
Prämien für Mütter, die zu Hause bei den Kindern bleiben - wie sie von
ÖVP und FPÖ in Salzburg vorgeschlagen wurde -, wären "unter dem
Gesichtspunkt des Arbeitsmarktes kontraproduktiv und deshalb würde ich
das nicht empfehlen".
Fehlende Fachkräfte sollen aus inländischen Reserven kommen
Die fehlenden Fachkräfte sollten zunächst aus den inländischen Reserven kommen, empfiehlt der Ökonom. So seien viele Migranten noch nicht gut in den Arbeitsmarkt integriert, dazu gehöre aber auch eine längere Lebensarbeitszeit.
Bonin: Inflation werde in Österreich noch eine Weile bleiben
Die Inflation in
Österreich wird nach Ansicht Bonins noch eine Weile hoch bleiben. "Das
ist teilweise hausgemacht. Ein wesentlicher Punkt ist die Indexierung
von vielen Dingen, bei Mieten ist es vielleicht am deutlichsten." Man
brauche zwar keinen Mietpreisdeckel, aber man könnte zum Beispiel
festlegen, dass eine bestimmte Mietpreisanpassung nicht überschritten
werden darf, oder die Erhöhung der Mieten über einen längeren Zeitraum
strecken.
Fachkräftemangel trage zur Inflation bei
Zur Inflation trage der Fachkräftemangel über eine
starke Lohndynamik bei, aber auch steigende Gewinne der Unternehmen.
Eine Aussetzung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel würde aber nicht
funktionieren, meint Bonin. "Irgendwann muss man die Mehrwertsteuer auch
wieder einsetzen, dann holt man sich wieder einen neuen Inflationsschub
hinein."
Lohnverhandlungen im Herbst
Die nächsten Lohnverhandlungen im Herbst müsse man
differenziert betrachten. "In einigen Branchen werden wir tatsächlich
auch Lohnsteigerungen benötigen, weil wir ja Fachkräfte-Engpässe haben.
Und wenn wir ja eben nicht wollen, dass die Menschen weiter weglaufen,
dann muss man eben auch an den Löhnen tatsächlich drehen." Bonin
empfiehlt, Kollektivverträge vielleicht über 18 oder 24 Monate
abzuschließen - dass würde einerseits in Zeiten hoher Inflation die
Unsicherheit reduzieren, im Gegenzug wären die Arbeitgeber vielleicht zu
höheren Lohnsteigerungen bereit, meint der neue IHS-Chef.
Abgeschaffte Progression für begrenzte Zeit wirken lassen
Die
eben erst abgeschaffte Progression sollte man für eine begrenzte Zeit
wieder wirken lassen, meint Bonin. "Mir ist vollkommen bewusst, dass das
ein Vorschlag ist, der provokant ist." Der Vorschlag sei nicht wirklich
realistisch, weise aber in die richtige Richtung - nämlich
beispielsweise eine zeitliche Begrenzung oder Streckung der Anpassung
über einen längeren Zeitraum.
Vermögen- und Erbschaftssteuern
bewertet Bonin sehr unterschiedlich. Während einiges für eine
Erbschaftsteuer spreche, die nur einmal wirke, sei er gegen eine
Vermögensteuer, die regelmäßig eingehoben und somit die Investitionen
belasten und die Wirtschaft dämpfen würde.