Am Donnerstag erreicht die erste Hitzewelle des Jahres in Österreich ihren Höhepunkt. Stellenweise sind bis zu 35 Grad möglich. Die Zahl der Hitzetage hierzulande hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht.
Die Belastung wird durch die sehr hohe Luftfeuchtigkeit noch verstärkt. Die Zahl der Hitzetage (mindestens 30 Grad) hat sich in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht, die Rekorde lagen bei mehr als 40 Tagen pro Jahr. Hitzewarnungen können Leben retten, betonten Experten in einer Aussendung. Vulnerable Gruppen sind stärker belastet.
Erste Hitzewelle in Österreich im Sommer 2023 erreicht Höhepunkt
Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), die GeoSphere Austria sowie das Kompetenzzentrum Klima und Gesundheit der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) weisen gemeinsam auf die Wichtigkeit rascher Hitzeinformationen hin. Mit Bewusstseinsbildung und gesellschaftlicher Solidarität, rechtzeitiger Hitzewarnungen und abgestimmter Planung könnten letztlich die meisten hitzebedingten Krankenhausaufenthalte und Todesfälle vermieden werden.
Hitzebedingte Todesfälle nehmen drastisch zu
Mit dem
Sommer kommt es wieder zu Hitzewellen, also mehrere aufeinanderfolgende
heiße Tage. Das hat auch Konsequenzen für den menschlichen Körper:
Belastungen, Krankenhausaufenthalte und hitzebedingte Todesfälle nehmen
drastisch zu. Der Behaglichkeitsbereich eines bekleideten Menschen im
Ruhezustand liegt um die 23 Grad Celsius. Bei sehr hohen Temperaturen
und vor allem langanhaltender Hitze muss der menschliche Körper
Schwerstarbeit leisten. Das Herz-Kreislaufsystem wird stärker
beansprucht und es kommt in Folge zu Kopfschmerzen, Dehydrierung,
Reizbarkeit, Übelkeit, Schwindel, Erschöpfungs- und Schwächegefühl bis
hin zu Muskel- und Bauchkrämpfen, Fieber und Kreislaufkollaps. Wenn der
Körper so beschäftigt ist, nimmt natürlich die geistige und körperliche
Leistungsfähigkeit auch ab.
"Hitze betrifft die gesamte Bevölkerung"
"Hitze betrifft die gesamte
Bevölkerung: vom Baby oder Kleinkind bis zum Erwachsenen, aber
insbesondere vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere und/oder
pflegebedürftige Personen, Kinder insbesondere Säuglinge und
Kleinkinder, schwangere Frauen, Personen mit chronischen Erkrankungen",
sagte Andrea E. Schmidt, Leiterin des Kompetenzzentrums Klima und
Gesundheit der GÖG. Zunehmend mehr Menschen benötigen ärztliche
Betreuung. "Unsere Auswertungen der langjährigen Zeitreihen zu
Hospitalisierungen aufgrund von Hitzeschlägen, Sonnenstich oder
Hitzekollaps zeigen, dass in heißen Sommern die Inzidenz dieser
Diagnosen durchschnittlich rund 27 Prozent höher ist als in den
restlichen Sommern", erläuterte Schmidt.
Mehr Todesfälle durch extreme Hitzewellen
Extreme Hitzewellen
führen auch zu mehr Todesfällen aufgrund von kardiorespiratorischen und
anderen Krankheiten sowie zu Übersterblichkeit. "In den Jahren 2017 und
2018, in den denen es Rekordwerte an Hitzetagen und Tropennächten
gegeben hat, war auch die Hitze-assoziierte Übersterblichkeit deutlich
höher als in den Jahren zuvor oder danach", berichtete Bernhard Benka,
Leiter des AGES-Geschäftsfelds Öffentliche Gesundheit. 2017 wurden 375
Hitze-assozierte Todesfälle registriert, 2018 waren es 550. Im Vorjahr
gab es 231 Hitze-assozierte Todesfälle.
Engagierter Klimaschutz hilft gegen Zunahme der Hitzetage
Engagierter Klimaschutz
kann weitere Zunahme der Hitzetage bremsen. Im Zeitraum 1961 bis 1990
gab es zum Beispiel in den Landeshauptstädten Österreichs pro Jahr
zwischen drei und zwölf Hitzetage, die Rekorde lagen größtenteils bei 20
Hitzetagen pro Jahr. Im Zeitraum 1991 bis 2020 gab es in einem
durchschnittlichen Jahr in den Landeshauptstädten bereits zwischen neun
und 23 Hitzetage und die Rekorde lagen größtenteils bei mehr als 40
Hitzetagen. Beim Innsbrucker Flughafen gab es in diesen drei Jahrzehnten
mit 22,6 Hitze-Tagen die meisten in den heimischen Landeshauptstädten,
in Eisenstadt waren es 21 und bei der Hohen Warte in Wien 20,9. Die geringste Zahl verzeichnete Bregenz mit durchschnittlich 8,5 Hitzetage pro Jahr.
40 Hitzetage pro Jahr in Österreich
"Der
derzeit noch extreme Wert von 40 Hitzetagen pro Jahr in Österreich wird
bei einem weltweit ungebremsten Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr
2100 der Normalfall sein", sagte Marc Olefs, Leiter der Abteilung
Klima-Folgen-Forschung der GeoSphere Austria. "Die Rekorde werden dann
in einem derzeit noch völlig unvorstellbaren Bereich von 60 bis 80
Hitzetagen pro Jahr liegen. Bei Einhaltung des Pariser Klimaziels könnte
sich die Zahl der Hitzetage in Österreich knapp über dem aktuellen
Niveau einpendeln." Mit Einhaltung des Pariser Klimaziels - die globalen
Erwärmung auf "deutlich unter" zwei Grad Celsius gegenüber der
vorindustriellen Zeit zu begrenzen - wird es laut der GeoSphere-Prognose
zwischen 2071 und 2100 27,5 Hitzetage pro Jahr in Innsbruck geben und
jeweils 25,6 in Wien und Eisenstadt.
Einfluss des Städtebaus auf die Hitzebelastung
Städtebau
hat einen starken Einfluss auf die Hitzebelastung. Gezielte Maßnahmen,
wie Begrünung, reflektierende Dachfarben, eine geeignete Art der
Bebauung und Wasserflächen können die extreme Hitzebelastung in den
Städten effizient vermindern. Mit speziellen Computerprogrammen
(Stadtklimamodellen) berechnet die GeoSphere Austria sehr detailliert,
wie sich unterschiedliche Maßnahmen im Städtebau auf die jeweiligen
Stadtteile auswirken. 2022 wurde das Projekt Lucretia abgeschlossen, das
den Einfluss von unterschiedlichen Arten von Landnutzung und
Landbedeckung auf die Temperatur in Wien
und Graz untersuchte. "Ein Ergebnis der Berechnungen war zum Beispiel,
dass die Umwandlung von Acker- in Industriefläche zu einem
durchschnittlichen Anstieg von ungefähr zwölf Sommertagen pro Jahr
führt, also Tagen mit mindestens 25 Grad. Umgekehrt führt die Umwandlung
von Straßenflächen in Grünfläche zu einer Reduktion von
durchschnittlich etwa acht Sommertagen pro Jahr", erläuterte die
Stadtklima-Expertin Maja Zuvela-Aloise (GeoSphere). "Grob gesagt können
massive Änderungen der Bebauung die Zahl der Sommertage um ungefähr 20
bis 80 Prozent erhöhen oder senken."
Hitze-Mortalitätsmonitoring von AGES und GeoSphere Austria
Das
Hitze-Mortalitätsmonitoring wird von der AGES in Zusammenarbeit mit
GeoSphere Austria, Statistik Austria und TU Graz durchgeführt. Es
basiert auf statistischen Zeitreihenanalysen, in die fallbasierte
All-Ursachen-Sterbedaten und tägliche Messwerte der maximalen sowie der
minimalen Lufttemperatur einfließen. Seit 2019 werden für die Temperatur
tägliche Messwerte von 181 Messstationen im gesamten Bundesgebiet
herangezogen. Ist in einer Region eine Hitzewelle zu erwarten, schickt
die GeoSphere Warnungen an Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altersheime,
Kinderbetreuungseinrichtungen sowie Freiwilligen- und
Blaulichtorganisationen. "Das immer genauere Wissen um die
Hitze-assoziierte Übersterblichkeit ist wichtig, da die meisten
hitzebedingten Krankheits- und Todesfälle durch bessere Vorbereitung und
Vermeidung von Exposition vermieden werden könnten", betonte Benka.