Die beiden in U-Haft befindlichen verdächtigen Jugendlichen bestreiten laut Staatsanwaltschaft St. Pölten mutmaßliche Anschlagspläne auf die Wiener Regenbogenparade am Wochenende.
Die Jugendlichen im Alter von 14 und 17 Jahren "räumen die Teilnahme an Chats ein, bestreiten aber die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten", sagte Sprecher Leopold Bien am Dienstag zur APA. Die Staatsanwaltschaft hat Beschwerde gegen die Haftentlassung eines 20-Jährigen eingelegt, wie auch der "Kurier" berichtete. Nach der Beschwerde sei das Oberlandesgericht Wien am Zug, sagte Bien. Gegen den 20-Jährigen besteht laut Landesgericht St. Pölten "kein dringender Tatverdacht".
Die St. Pöltner Volkspartei forderte in einer Aussendung einen Gipfel mit Sicherheitsbehörden, Integrationsexperten und allen Gemeinderatsfraktionen, "denn hier wurde von den Verantwortlichen lange genug weggeschaut". "Es ist unerträglich, dass St. Pölten immer wieder bei Terror-Ermittlungen zum Thema wird", meinte der VP-Klubobmann im Gemeinderat, LAbg. Florian Krumböck. Er verwies auf die aktuell aufgedeckten Anschlagspläne, den Terroranschlag im November 2020 in Wien oder Hausdurchsuchungen 2017 nach der Explosion einer Pizzeria in Hollabrunn: "Die Landeshauptstadt rückt hier immer wieder in den Fokus. Wir müssen uns in St. Pölten daher dringend darüber unterhalten, wie wir die religiöse und gesellschaftliche Radikalisierung von jungen Menschen hintanhalten können."
Gegen die drei mutmaßlichen Islamisten wird wegen terroristischer Vereinigung und krimineller Organisation ermittelt. Das Trio war Samstagmittag festgenommen worden - rund eine Stunde vor Beginn des Paradezuges. Am Sonntag wurde über zwei Beschuldigte wegen Tatbegehungsgefahr U-Haft verhängt, der 20-jährige Bruder des 17-Jährigen wurde auf freien Fuß gesetzt. Die beiden älteren Beschuldigten haben ihren Wohnsitz in St. Pölten, der 14-Jährige lebt in Wien.
Alle drei Burschen sind jüngsten Informationen der APA zufolge in geordneten familiären Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Eltern sollen keine stark ausgeprägte religiöse Gesinnung oder gar radikalislamistische Tendenzen aufweisen. Die Verdächtigen dürften sich online und nicht in Moscheen radikalisiert haben. Einem geregelten, strukturierten Alltag gingen sie zuletzt nicht nach - einer hatte eine Lehre als Versicherungskaufmann abgebrochen, der Jüngste soll eher unregelmäßig die Schule besucht haben.