Österreich könnte nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU einen weiteren Sitz im EU-Parlament erhalten.
Seit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union sind nur mehr 705 der insgesamt 751 Sitze im EU-Parlament besetzt. Nun will die Bürgerkammer Europas mit den Europawahlen 2024 wieder wachsen. Eine Mehrheit der EU-Abgeordneten stimmte am Donnerstag in Straßburg für die Vergrößerung ihres Hauses von 705 auf 716 Mandate. Stimmen auch die 27 EU-Staats- und Regierungschef dem Vorhaben zu, könnte Österreich bald ein zusätzliches Mandat erhalten.
Die
Niederlande und Spanien würden dann je zwei Mandate mehr bekommen;
Dänemark, Finnland, die Slowakei, Slowenien, Irland, Lettland und eben Österreich
je einen zusätzlichen Sitz. Damit soll der demografische Wandel seit
der vorigen Europawahl vor vier Jahren abgebildet werden, heißt es in
der Aussendung des Parlaments. Die EU-Abgeordneten wollen demnach auch
eine Reserve von 28 Sitzen für Europamandatare "transnationaler Listen"
behalten.
Bisher vertreten 19 Abgeordnete Österreich
im EU-Parlament (Neos:1, Grüne:3, FPÖ:3, SPÖ:5, ÖVP:7). Die endgültige
Entscheidung obliegt den 27 EU-Staats- und Regierungschefs, die das
Vorhaben bereits bei ihrem Treffen Ende Juni in Brüssel beraten könnten.
"Ich
halte diese Diskussion gerade in schwierigen Zeiten wie diesen für
nicht zielführend", betonte ÖVP-Delegationsleiterin im EU-Parlament,
Angelika Winzig, in einer Aussendung. "Der Fokus des Europaparlaments
muss auf anderen Themen liegen, wie der Senkung der Energiepreise, dem
Abbau von Abhängigkeiten von Drittstaaten und der Bekämpfung von
Inflation." Die ÖVP-Delegation hat sich bei der Endabstimmung enthalten.
Die
FPÖ kritisierte den Vorschlag, insbesondere die "transnationalen
Listen", scharf. Es handle sich dabei um eine "Entmündigung der
Nationalstaaten", sagte der freiheitliche EU-Abgeordnete Roman Haider
vor der Abstimmung dem ORF. Dieser Schritt in Richtung "Zentralstaat"
werde "auf keinen Fall unsere Zustimmung" erhalten.