Am Mittwoch erreichte die Schieflage bei Kika/Leiner auch den Nationalrat.
Die SPÖ forderte in einem "Dringlichen Antrag" eine Jobgarantie für die Beschäftigten und die Rückforderung von Steuerrückständen sowie die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen gegenüber allen Investor Rene Benko zuzurechnenden Unternehmen. Die ÖVP attackierte Vizeklubobfrau Julia Herr wegen angeblicher Interventionen für den Unternehmer.
Denn für Benko sei der Kika/Leiner-Deal ein lukratives Geschäft gewesen. Dass dieser nur Interesse an den Immobilien, nicht aber am Möbel-Geschäft gehabt habe, sei immer absehbar gewesen, meinte Herr. Besonders entrüstete sie, dass Benko laut einem "Falter"-Bericht möglicherweise einen Steuerdeal durch das Finanzministerium bekommen habe. In Richtung ÖVP meinte die SP-Abgeordnete: "Für ihre befreundeten Millionäre haben sie wieder dafür gesorgt, dass sie keine Steuern zahlen müssen."
Kika/Leiner sei kein Einzelfall gewesen, verwies Herr
darauf, dass auch bei der AUA nach den Staatshilfen Beschäftigte gehen
hätten müssen. Position der SPÖ sei immer gewesen, dass
Wirtschaftshilfen nicht bedingungslos fließen dürften - sondern im
Gegenzug zu Garantien. Nunmehr verlören 1.900 Beschäftigte wohl ihren
Job und der größte Gläubiger sei die Republik Österreich: "Es geht also
auch um Steuergeld in Millionenhöhe." Von der ÖVP forderte Herr: "Setzen
sie sich so vehement, wie sie sich für einen der reichsten Menschen der
Welt eingesetzt haben, für die Beschäftigten ein."
Die Antworten
auf den "Dringlichen" kamen freilich nicht wie erhofft vom Kanzler
sondern von dessen Staatssekretärin. Claudia Plakolm (ÖVP) versicherte,
dass alle Anstrengungen unternommen würden, Schaden für die Steuerzahler
zu verhindern und die Beschäftigten gemäß ihrer Fertigkeiten und
Interessen am Arbeitsmarkt zu vermitteln. Mehrere Unternehmen hätten
schon Aufnahmen zugesagt.
Plakolm will, dass die Mitarbeiter rasch
wieder Sicherheit finden, indem sie umfassend unterstützt werden. Das
AMS führe bereits mit dem Wirtschaftsministerium Gespräch, um schnell
neue Perspektiven für die Mitarbeiter zu finden.