2022 haben die Österreicher aufgrund der Inflation etwas weniger Verpackungsmüll getrennt als im Jahr davor.
Die Sammelmenge, die bei der Altstoff Recycling Austria (ARA) einging, verringerte sich um 3,9 Prozent auf etwas mehr als 1 Million Tonnen, wie das heimische Abfallunternehmen am Dienstag bekanntgab. Der Rückgang sei auf den Ukrainekrieg und die damit verbundene Teuerungswelle zurückzuführen.
Sammelmengen bei Metall leicht gestiegen
Leicht gestiegen sind die Sammelmengen bei Metall auf rund 32.000 Tonnen (plus 0,6 Prozent) und Glas auf 259.000 Tonnen (plus 1,8 Prozent). Rückläufig entwickelte sich hingegen die Mülltrennung bei Papier auf 574.000 Tonnen (minus 6,7 Prozent) und Leichtverpackungen auf 175.00 Tonnen (minus 3,0 Prozent).
Die
Sammelumstellung bei Leichtverpackungen seit Jänner 2023 zeige
allerdings erste positive Effekte: in den Umstellungsregionen legten die Mengen um 30 Prozent zu, bundesweit um rund 11 Prozent.
Neben der Errichtung der "größten und modernsten Sortieranlage Europas" habe die
ARA in neue Bereiche investiert, "um Stoffkreisläufe entlang der
gesamten Wertschöpfungskette zu schließen". Das Unternehmen meldete ein
Patent für das Recycling von Kunststoffen an.
Inflation: Weniger Verpackungsmüll
Die ARA treibe die
Kreislaufwirtschaft seit 30 Jahren voran und habe in diesem Zeitraum -
mit einem Marktanteil von 70 Prozent und knapp 16.000 Kundinnen und
Kunden - gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft über 14 Millionen
Tonnen CO2 eingespart. Das entspreche rund 130 Mrd. Pkw-Kilometern.
Die Leistung sei in den vergangenen drei Jahrzehnten um 60 Prozent gesteigert und die Stückkosten um 53 Prozent gesenkt worden. "Die ARA hat Wirtschaft, Gesellschaft und Politik in den letzten 30 Jahren auf die Kreislaufwirtschaft vorbereitet - jetzt ist deren Zeit gekommen", so ARA-Aufsichtsratschef Alfred Berger. Die Recycling-App Digi-Cycle, ein Joint Venture mit der Saubermacher AG, die
digitale Datenplattform DiGiDO oder der Bau der modernsten
Sortieranlage Europas bereiteten den Weg "für ein zukunftsweisendes,
zirkuläres Wirtschaftssystem".
Auf regulatorische Herausforderungen wie Recyclingquoten, die Neuerungen von Abfallwirtschaftsgesetz und Verpackungsverordnung, das europäische Lieferkettengesetz oder die "Packaging and Packaging Waste Directive" (Verpackungsmüllrichtlinie) der EU habe die ARA mit Investitionen reagiert. Sie öffne neue Bereiche, um die Wertstoffmengen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu steigern.
ARA fordert koordinierende Stelle auf Regierungsebene
Um
"Circular Economy" (Kreislaufwirtschaft, Anm.) systemisch zu verankern,
müsse sie sektoren- und lieferkettenübergreifend erfolgen, betonte
ARA-Vorstand Harald Hauke. Die ARA fordere daher eine koordinierende Stelle auf Regierungsebene, die in Abstimmung mit den europäischen Institutionen zusammenarbeitet und eine praxistaugliche Umsetzung ermöglicht.
Die im "Green Deal" der EU festgeschriebenen Maßnahmen hätten "tiefgreifende Veränderungen in Wirtschaft und Politik" zur Folge. Die
ambitionierten Ziele bei Kunststoff-Recycling - mindestens 55 Prozent
bis 2030 in allen EU-Mitgliedsstaaten - sowie mindestens 30 Prozent
Rezyklat-Einsatz im Jahr 2030 bei der Neuproduktion erforderten ein
neues wirtschaftliches Handeln.
Im abgelaufenen Jahr stellte die
ARA laut Eigenangaben rund 36.000 Tonnen Ballenware für das mechanische
Recycling zur Verfügung und lieferte rund 330 Tonnen Rezyklate an
Verpackungsproduzenten. ARA-Vorstand Martin Prieler rechnet mit einer
weiteren Steigerung auf rund 50.000 Tonnen Ballenware bis 2025. "Der
Bedarf an Rezyklaten wird enorm steigen - wir benötigen eine
qualitativere Sortierung, eine höhere Ausbringung der Sortieranlagen
sowie sortenreinere Aufbereitung."
Sammlung, Sortierung und alternatives Recycling
Die
drei Schlüssel zum Erfolg der Recyclingziele seien Sammlung, Sortierung
und alternatives Recycling. Doch nicht alle Kunststoffe eigneten sich
für das mechanische Recycling. "Um auch diesen Anteil zurück in den
Kreislauf zu führen, haben wir eine völlig neue Lösung entwickelt und
ein Patent anmelden können", freut sich Hauke.
Mit über zwei Millionen öffentlichen Sammelbehältern werde die Sammlung von Verpackungen vorangetrieben. Die
neue Anlage in Oberösterreich, ein gemeinsames Projekt von ARA,
Bernegger und Der Grüne Punkt, spiele bei der Sortierung eine
Schlüsselrolle. "Die Anlage im Ennshafen schließt 50 Prozent der Sortierlücke in Österreich", betonte Prieler.
Während die
aktuelle Anlageninfrastruktur eine Sortiertiefe von 58 Prozent
gewährleiste, sollen jene der ARA 80 Prozent schaffen. Nach einem ersten
Test ab Februar 2024 starte sie ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres im regulären Betrieb. Sie werde mit Leichtverpackungen ausgelastet sein, die zu 70 Prozent aus Österreich und zu 30 Prozent aus Deutschland kommen. "Die sortierten Mengen bilden eine optimale Basis für die Aufbereitung von Rezyklaten und sind ein Teil der umfassenden ARA-Strategie zur Erfüllung der Recyclingziele."
Viele Stoffe sind nicht recyclingfähig
Wegen
unterschiedlicher Zusammensetzungen und Verschmutzungen sind viele
Stoffe oder Verpackungen nicht recyclingfähig - nicht jeder Kunststoff
kann stofflich verwertet und dem mechanischen Recycling zugeführt
werden. Es brauche Alternativen für mechanisches Recycling.
Die
meisten Mischkunststoff-Fraktionen (MKF) entsprächen allerdings auch
nicht den Voraussetzungen für das chemische Recycling. Sie müssten dafür
zusätzlich aufbereitet werden. Für das Recycling von Rest-Kunststoffen
hat die ARA ein
Patent angemeldet. Sie entwickelte eine Lösung für eine
Polyolefin-Aufbereitung (PO) für Sortierreste aus österreichischen
Sortieranlagen.
Unter Berücksichtigung der gesteigerten Mengen,
der neuen Sortieranlage und der alternativen Aufbereitungsmethoden könne
ab 2025 eine Sortiertiefe von 80 Prozent erreicht werden, ist die ARA zuversichtlich. "Mit diesen Maßnahmen steigern wir die Recyclingquoten von 25 Prozent auf rund 50 Prozent", so Prieler.
Recycling
müsse bei allen in Umlauf gebrachten Wertstoffen von Beginn an
berücksichtigt werden. Neben chemischem Recycling müssten das Recycling
von Baustoffen sowie Textilrecycling zentrale Eckpfeiler der
Kreislaufwirtschaft sein.
Praxisorientierter Ansatz beim Textilrecycling
Beim Textilrecycling verfolge die ARA einen praxisorientierten Ansatz, um die Wirtschaft auf die
ab 1. Jänner 2025 geltende Verordnung zur getrennten Sammlung aller
Textilprodukte vorzubereiten. Jährlich landeten etwa 220.000 Tonnen
Textilien im Müll, nur etwa ein Fünftel davon werde getrennt gesammelt.
77 Prozent aller Textilien gelangten in die thermische Verwertung (Müllverbrennung). Sie gehen also dem mechanischen und chemischen Recycling als Rohstoff verloren. "Das ist eine Ressourcenverschwendung, die es so nicht geben dürfte", hielt Prieler fest. Für Textilrecycling brauche es verbindliche Ökodesign-Anforderungen. Die Recyclingfähigkeit der Materialien stelle die Branche vor große Herausforderungen, denn die
Verarbeitung zu Sekundärrohstoffen werde bei der Textilproduktion nicht
berücksichtigt. Mit der Lenzing Gruppe, dem Wäschedienstleister
Salesianer Miettex, dem schwedischen Zellstoffproduzenten Södra sowie
der Caritas sollen in einem gemeinsamen ARA-Pilotprojekt bis zu 100
Tonnen Baumwolltextilien zu neuen Lyocell- und Viskosefasern verarbeitet
werden.
Für das Erreichen der Recyclingziele sei die
gesellschaftliche Motivation, also der Mülltrennungseifer der
Bevölkerung, entscheidend - neben unternehmerischer Innovationskraft und
politischen Vorgaben.
Die ARA ist laut Eigenangaben Marktführer unter den Sammel- und Verwertungssystemen für Verpackungen, Elektroaltgeräten und Batterien. Zu ihr gehören die Tochterunternehmen ARAplus GmbH, Austria Glas Recycling GmbH, DiGiDO GmbH, Digi-Cycle GmbH und ERA GmbH. Sie steht im Eigentum heimischer Unternehmen und agiert als Non-Profit-Unternehmen nicht gewinnorientiert.