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Almwirtschaft ist durch Klimawandel unter Druck

10-06-2023, 07:00

Der Klimawandel setzt auch die heimische Almwirtschaft unter Druck: Wetterkapriolen, Vegetationsveränderungen, längere Bewirtschaftungsperioden und steigender Viehbedarf.

Der Klimawandel und seine Auswirkungen stellt auch die heimische Almwirtschaft vor Herausforderungen. Wie Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger im Gespräch mit der APA berichtete, sehen sich die Almbäuerinnen und Almbauern darüber hinaus mit Personalmangel konfrontiert. Die Zahl der Tiere auf den Almen war zuletzt rückläufig.

Zunehmende Hitze macht Almwirtschaft zu schaffen

Zu schaffen mache den Agrariern insbesondere die zunehmende Hitze und damit eine leichte Verschiebung bzw. Verlängerung der Saison mit früherem Almauftrieb, sagte Moosbrugger. Dadurch steige zwar der Futterertrag, auf der Kehrseite nehme aber der Bedarf an aufgetriebenem Vieh zu. Der Grund: Bei größerem Futterangebot werden die Almen weniger von den Tieren abgefressen und die Verbuschung nimmt zu. Ohne zusätzliches Vieh entsteht so ein Pflegebedarf auf den Weiden. Wird diese Arbeit nicht geleistet, droht die Gefahr, dass die Flächen zuwachsen. "Der höhere Futterertrag und das Steigen der Waldgrenze in Kombination mit der Abnahme des Viehs ist die Kernherausforderung, die wir zu bewältigen haben."

Langfristig könne man nur so viele Weiden offenhalten, wie dafür Tiere vorhanden seien. Denn der wirtschaftliche Aufwand, der für die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen betrieben werden müsste, sei von den meisten Betrieben kaum zu stemmen. Problematisch ist laut Moosbrugger in diesem Kontext auch ein immer größer werdender Personalmangel auf den Almen. Um Almhirtin bzw. Almhirt zu werden, bedürfe es eines besonderen Bezugs zur Viehwirtschaft. "Das ist durchaus eine besondere Arbeit. Der Komfort ist sehr überschaubar." In vielen Fällen scheitere es allerdings nicht nur an den verfügbaren Arbeitskräften, sondern auch an den Zusatzkosten für die Betriebe. Der Personalbedarf liege im Bereich von hunderten Arbeitskräften, eine genaue Zahl könne er nicht nennen.

APA ©APA

7.200 Hirten in der Almwirtschaft tätig

Aktuell sind in der österreichischen Almwirtschaft rund 7.200 Hirtinnen und Hirten hauptberuflich tätig. Sie bewirtschaften gut 8.000 Almen auf einer Gesamtfläche, die laut Daten der Landwirtschaftskammer (LKÖ) rund 24 Prozent des österreichischen Grünlandes entspricht. Auf den Weiden grasen hierzulande etwa 300.000 Rinder, die jährlich gut 55.000 Tonnen Milch produzieren. Zusätzlich halten die Almbauern etwa 13.700 Ziegen, 107.200 Schafe sowie 10.400 Pferde. In der Vergleichsperiode von 1993 bis 1996 zu 2016 bis 2019 ist der Futterertrag um 13,8 Prozent gestiegen, der Viehbesatz ist um etwa 18 Prozent gefallen.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage der Höfe beschrieb Moosbrugger als schwierig. Wie der Rest der Branche kämpfe die Almwirtschaft mit den zuletzt gesunkenen Erzeugerpreisen bei gleichzeitig hohen Ausgaben. Mit den klimabedingten Umbrüchen könnte sich die Lage verschärfen, befürchtet der LKÖ-Präsident. Selbst wenn die Zeit der Bewirtschaftung deutlich länger werden sollte und dabei mehr Futter anfalle, werde die Almbewirtschaftung deswegen nicht automatisch attraktiver. Die zentrale Frage sei, ob man es schaffe, künftig den Tierbestand zu erhöhen.

Wasserversorgung sei gesichtert

Zur Wasserversorgung sagte Moosbrugger, dass diese aufgrund der jüngsten Niederschläge gesichert sei. Ob der zunehmenden Dürreperioden dürfte das Thema die Bäuerinnen und Bauern in Zukunft jedoch verstärkt beschäftigen. Notwendige Investitionen in Bewässerungsmöglichkeiten bezeichnete er als "extreme finanzielle Herausforderung", zumal die benötigten Wassermengen groß seien.

Bei der Vermessung zur Bestimmung der Almflächen, an die agrarische Fördergelder geknüpft sind, ortet der LKÖ-Präsident keinen Aufholbedarf. Seit heuer komme ein neues System zum Einsatz, das zur Vermessung Satellitendaten heranziehe. Damit würden menschliche Schätzungsfehler reduziert und die Rechtssicherheit erhöht. Die Flächenvermessung und die Förderungen für Almbetriebe waren in der Vergangenheit immer wieder ein juristischer und politischer Streitpunkt gewesen.

Wölfe bedrohen Almwirtschaft ebenfalls

Die Landwirtschaftskammer (LKÖ) sieht für die Almen eine steigende Bedrohung durch große Beutegreifer wie Wölfe. Alleine im vergangenen Jahr seien in Österreich 2.000 Schafe verwundet oder getötet worden, viele davon auf Almflächen. Zu Beginn der heurigen Saison habe sich die Lage zugespitzt. "Bei betroffenen Bauern liegen die Nerven blank", sagte LKÖ-Präsident Josef Moosbrugger im Gespräch mit der APA. Er fordert einfachere Regeln für den Abschuss als Notfallmaßnahme.

Wien. Für Rufe nach einer Stärkung des Herdenschutzes durch den Einsatz von Hirtenhunden oder engmaschigerer Umzäunung hat Moosbrugger wenig Verständnis. Gerade kleinstrukturierten Betrieben, die einen Großteil des Sektors ausmachen, fehle es dafür an wirtschaftlichen Mitteln. Die Ausbildung der Tiere und die entsprechende Ausstattung sei teuer und nicht durch die Erlöse aus Schafprodukten zu kompensieren. "Wer glaubt, dass das Thema Wolf mit Herdenschutz zu lösen ist, lebt fernab der Realität", so der Agrarier. Und: "Wölfe sind so schlau, dass sie auch Zäune überspringen und überwinden können."

Der LKÖ-Präsident plädiert dafür, die regulatorischen Hürden für den Abschuss von Wölfen als Notfallmaßnahme zu senken. Gefragt sei insbesondere eine rasche Umstufung des Wolfes in der sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union. Die darin verankerte Schutzregelung erachtet Moosbrugger als nicht mehr zeitgemäß, zumal die Tiere in Europa längst nicht mehr vom Aussterben bedroht seien. Er verwies auch auf ein Gesetz in Schweden, das Rentieren einen vorrangigen Schutz einräumt. Dadurch könne dort die Bildung von Wolfsrudeln unterbunden werden.

tpo/cgh/sws

(APA/Red)

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